Richter wirft Briefträger Faulheit und Gier vor

In Balve und Neuenrade verteilen 20 Postmitarbeiter die Briefe und Pakete.
In Balve und Neuenrade verteilen 20 Postmitarbeiter die Briefe und Pakete.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Postboten gelten gemeinhin als fleißig und belastbar. Manchmal rennen sie allerdings vor der Arbeit weg, sehr zum Ärger der Kunden, die häufig vergeblich auf ihre Briefe oder Pakete warten. Diese Erfahrung ist für die Hönnestädter nichts Neues.

Balve..  Nachdem im April 2014 ein Postbote in Garbeck die Wahlbenachrichtigungskarten für die Kommunalwahl nicht verteilt hatte, stand gestern ein Briefträger aus Balve in Menden vor den Schranken des Amtsgerichtes. Der 26 Jahre alte Angeklagte, dem vorgeworfen wurde, von Anfang 2013 bis Mitte 2014 als Postzusteller 6600 Sendungen nicht zugestellt und Teile der Sendungen geöffnet zu haben, ist vom Amtsgericht Menden zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

Nach Meinung von Richter Martin Jung ist der Briefträger seiner Stellung nicht gerecht geworden. Er habe zumindest 6560 Sendungen unterdrückt und davon 1400 geöffnet. Das Motiv des Angeklagten beschrieb er mit „Faulheit und Gier“. „Sie haben sich sogar außerhalb Ihrer Dienstzeit im Zustellstützpunkt in Balve Pakete geschnappt und in Ihren Keller geschafft. Zudem haben Sie vertrauliche Post, wie beispielsweise von einer Bank, nicht verteilt“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Die 67-jährige Zeugin, die im Vorjahr den Stein ins Rollen gebracht hatte, bezeichnete das Urteil als „furchtbar“. „Was muss man in Deutschland noch alles machen, um bestraft zu werden?“, sagt die Französin, die die vielen Postsendungen im Keller entdeckte, als sie die Wasseruhr ablesen wollte. Denn zu diesem Zeitpunkt wohnte der Angeklagte noch im selben Haus.

Dem 26-Jährigen waren die Sicherheitsbeauftragten von der Post auf die Spur gekommen, nachdem sich die Bank über ein nicht zugestelltes Schriftstück beschwert hatte. Als dann auch noch hochwertige Elek­tronik, wie Handys, ihre Adressaten nicht erreichten, begann die Post zu recherchieren. Das war nach Auskunft des Zeugen nicht einfach, denn in Balve und Neuenrade tragen 20 Postzusteller Briefe und Pakete aus. „Zu Beginn unserer Recherche war es schwierig, weil wir keine Tateinheit erkennen konnten. Denn als wir ihn mit der Kamera beo­bachten wollten, da ist er wegen Krankheit nicht zum Dienst erschienen. Als sich jedoch abermals ein Kunde aus seinem Bezirk über nicht zugestellte Post beschwerte, da wussten wir, dass nur der Angeklagte für die Unterdrückung der Post und der Pakete in Frage kommt“, so der Ermittler von der Post, die den 26-Jährigen aufgefordert hatte, nach Beendigung seines Dienstverhältnisses den Schlüssel zum Zustellstützpunkt in Balve zurückzugeben. Als dies nicht geschah, schaltete die Post die Polizei ein.

„Unmengen Post im Keller“

Nachdem es einen Hinweis von der 67-jährigen Zeugin auf die „Unmengen Post im Keller“ gegeben hatte, schlug die Polizei zu. Ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss schleppte sie kistenweise Post aus dem Haus. „Unser Sprinter war halb voll“, sagte der Polizeibeamte aus Hemer vor Gericht.