Richter Jung: „Aus Rache das Gesicht mit Kaffee verbrüht“

Balve..  Im April 2015 verurteilte das Amtsgericht Menden den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro, weil er einem 17-Jährigen, der ebenso wie er aus Balve kommt, einen heißen Kaffee ins Gesicht geschüttet hatte (wir berichteten). Da er mit dem Richterspruch nicht einverstanden war, legte er Einspruch gegen den ergangenen Strafbefehl ein, den er aber gestern Morgen nach einer Stunde wieder einkassierte. „Ich habe eh keine Chance. Deshalb ziehe ich meinen Einspruch zurück“, ließ der 27-jährige Balver das Amtsgericht Menden wissen.

Zuvor hatte ihm die Staatsanwältin eine Goldene Brücke gebaut, indem sie ihm riet, auf eine weitere Zeugenvernehmung zu verzichten. Denn nachdem die Leiterin des City-Cafés dem Gericht noch einmal vor Augen geführt hatte, was sich am 23. November 2014 gegen 5.50 Uhr vor ihren Augen abgespielt hatte, besaß der Angeklagte wirklich keine Chance mehr. Seine Version, er sei gestolpert und deshalb sei der heiße Kaffee im Gesicht jenes Balvers gelandet, den er ebenso wie dessen Freund verdächtigt, ihn auf dem Weg von der Höhle zur Innenstadt zusammengeschlagen zu haben, kam weder bei Richter Martin Jung noch bei der Staatsanwältin gut an. Beide ließen keinen Zweifel daran, dass sich der Angeklagte an den beiden Freunden rächen wollte. „Sie haben Ihren eigenen Film im Kopf ablaufen lassen, denn Sie waren der Meinung, dass die beiden Zeugen Sie massiv zusammengeschlagen haben. Deshalb haben Sie ihm aus Rache das Gesicht mit Kaffee verbrüht. Sie wollten ihm Schmerzen zufügen“, hielt der Richter dem Angeklagten vor.

Diesen Eindruck hatte die Leiterin des City-Cafés auch. Denn sie schilderte dem Gericht, dass der 27-Jährige auch ihr gegenüber sehr aggressiv aufgetreten sei, da er der Ansicht war, sie habe Partei für die beiden jungen Balver bezogen. Sie ließ das Gericht aber auch wissen, dass sich der Angeklagte für sein Fehlverhalten bei ihr entschuldigt habe