Oliver Prior: „Ist das alles nur eine dumme billige Masche?“

Stadtbrandinspektor Oliver Prior ärgert sich über die CDU.
Stadtbrandinspektor Oliver Prior ärgert sich über die CDU.
Foto: Richard Elmerhaus

Balve..  Stadtbrandinspektor Oliver Prior ist seit 25 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Balve ehrenamtlich tätig. Seit gut zwölfeinhalb Jahren bekleidet er das Amt des Stellvertretenden Wehrleiters. Dadurch ist er gemäß des Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetzes (FSHG) für das Funktionieren der Feuerwehr und der Sicherheit der Kameraden, der Bürger und Besucher der Stadt Balve mitverantwortlich. Dass die Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes in der Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung von der CDU-Fraktion in den Herbst verlagert wurde, trieb auch Oliver Prior die Zornesröte ins Gesicht.

Sind Sie nach der Sitzung immer noch gerne Stadtbrandinspektor?

Oliver Prior: Ja. Ich spreche sicherlich auch für meine Kameraden, wenn ich sage, dass unsere Gesellschaft ohne das Übernehmen von Verantwortung für unsere Mitmenschen nicht funktionieren kann. Ich bin stolz darauf, ein Feuerwehrmann und für meine Mitmenschen und meine Heimat da zu sein. Ich fühle mich sehr gut dabei.

Das passt aber gar nicht mit Ihrem gewaltigen Frust überein.

Was mich mittlerweile immer mehr enttäuscht und mürbe macht, sind die ständigen Reibereien mit einigen CDU-Fraktions-Mitgliedern. Denn sie haben es auch nach fast 13 Jahren noch nicht verstanden, dass wir miteinander arbeiten wollen.

Wie ist Ihre Intention?

Die Feuerwehr und auch die Politik verfolgen im Prinzip doch das gleiche Ziel, nämlich nur das Beste für unsere Stadt erreichen zu wollen. Das haben aber einige langjährige Mitglieder immer noch nicht verinnerlicht, sonst hätten sie anders entschieden in der Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung. Dieser falsche Stolz, der von einigen Mitgliedern öffentlich ausgelebt wird, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.

Was werfen Sie der CDU-Fraktion vor?

Seit gut sieben Wochen liegt den Fraktionen der Brandschutzbedarfsplan vor. Wir haben immer gesagt, dass wir gerne in die Fraktionen kommen und beratend tätig werden, wenn es Fragen gibt. Denn es war für alle ganz klar, dass am 24. Juni in der Ratssitzung der Brandschutzbedarfsplan nach über einem Jahr Arbeit für die ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden endlich beschlossen wird.

Haben Sie eine Erklärung für die Entscheidung im Ausschuss?

Mir fällt dazu nichts ein. Denn wie kann es sein, dass die CDU gegen die Stimmen von UWG und SPD eine Woche vor der Ratssitzung einen Aufschub bis nach den Sommerferien beschließt, um sich noch mal zu beraten?

Vielleicht reichte den Christdemokraten die Zeit nicht?

Sie hatten genau wie die anderen Fraktionen, die sich sofort, als sie den Brandschutzbedarfsplan in den Händen hielten, mit uns in Verbindung gesetzt haben, genug Zeit. Oder hat die CDU erst beim Vortrag von Herrn Diplom-Ingenieur Manfred Unterkofler festgestellt, dass man sich doch vorher mal mit so einem Gutachten beschäftigen muss?

Ist das der alleinige Grund?

Es kann auch sein, dass der CDU das Vertrauen in die durch den Rat bestätigte Wehrführung fehlt. Warum können die CDU-Verantwortlichen nicht mal von ihrem hohen Ross heruntersteigen und auf uns zukommen?

Genau das ist Ihnen doch im Gerätehaus versprochen worden.

So ist es. ‘Auf eine gute Zusammenarbeit’ hieß es am 19. Januar 2015, als der CDU-Stadtverband Balve mit ihrem Vorsitzenden Guido Grote und Fraktions-Chef Johannes Schulte und dessen Stellvertreter Odo Willmes bei uns vor Ort im Gerätehaus waren. Ist das alles nur eine dumme billige Masche gewesen, um uns gutgläubige Feuerwehrleute ruhigzustellen?

Wie kommen Sie darauf?

Was derzeit hier abläuft, erinnert mich an die gleiche Vorgehensweise wie vor siebeneinhalb Jahren, als es um den letzten Brandschutzbedarfsplan ging. Auch damals haben wir die Ignoranz der CDU ganz deutlich zu spüren bekommen.

Wie kann es zu einem besseren Miteinander von Feuerwehr und Mehrheitspartei kommen?

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, die Altvorderen, die heute immer noch die Fraktion prägen, durch die jüngere Generation zu ersetzen. Denn sie weiß, dass sich die Zeiten geändert haben und man mit dieser arroganter Vorgehensweise nichts mehr erreichen kann.

Glauben Sie wirklich, dass sich in der CDU etwas ändert?

Hier habe ich meine Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, und ich weiß, in dieser Partei gibt es ganz tolle Mitglieder, die kluge Ideen haben und auch das Ziel verfolgen, dass wir nur gemeinsam mehr für unser Balve erreichen werden.

Setzen Sie auf die ideenreichen CDU-Mitglieder?

Ja. Sie lassen uns ehrenamtliche Kräfte hoffen. Wenn sie sich nicht durchsetzen, dann haben meine Kameraden bald genauso die Faxen dicke, wie ich. Dann sieht es schlecht für unsere schöne Heimat aus.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Wenn sich das Verhalten der CDU nicht ändert, dann ist Feierabend. Das gilt auch für einige andere Kameraden, wie die vielen Telefonate innerhalb der Wehr zeigen. Wir wollen keine Ängste schüren, aber so kann es nicht weiter gehen.