Nafe Ashour: „Nicht warten, bis die Katastrophe passiert ist“

Nafe Ashour, Kardiologe, referiert beim Kolpingforum Balve
Nafe Ashour, Kardiologe, referiert beim Kolpingforum Balve
Foto: WP

Balve..  Ursprünglich wollte Nafe Ashour beim Kolpingforum in Wort und Bild über schwache Herzen informieren. Weil aber im Katholischen Pfarrheim Balve kein Internetzugang möglich ist, musste der Oberarzt der Kardiologie des Katharinen-Hospitals Unna seinen Laptop wieder zuklappen. Zu improvisieren war jedoch kein Problem für Ashour, der regelmäßig Sprechstunden im Gesundheits-Campus Sauerland abhält, denn aus dem Stand heraus hielt er ein einstündiges Referat, das mehr als 60 Besucher beeindruckte und keine Fragen offen ließ.

1,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Herzmuskelschwäche, berichtete der Fachmann. Herzinsuffizienz sei die dritthäufigste Todesursache. „Das bedeutet, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen“, sagte Nafe Ashour. Wenn Gehirn, Organe oder Körperteile nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden können, sind „katas­trophale Folgen“ möglich. Allerdings habe die Medizin riesige Fortschritte gemacht. Ashour: „Vor 20 Jahren hatten viele Patienten noch Narbenbildung nach einem Herzinfarkt. Heute ist das kaum der Fall. Ich bin froh über diese Entwicklung.“

Aufschluss über Pumpkraft

Froh waren auch die Besucher des Kolpingforums über die Details von Herzerkrankungen, wie die koronare Herzkrankheit. Sie entsteht durch Kalkablagerungen, die zu Gefäßverengungen führen können. Die Beschwerden würden zumeist erst dann auftreten, wenn die Erkrankung schon weit vorangeschritten sei. Ärzte würden in der Regel eine Computertomographie (CT) oder ein EKG durchführen. Möglich sei auch eine Katheteruntersuchung, die Aufschlüsse über die Pumpkraft des Herzens gibt. Ein plötzlicher Gefäßverschluss könne einen Herzinfarkt zur Folge haben. „Die Symptome wahrnehmen und schnell reagieren“, empfiehlt Nafe Ashour. „Bei Schmerzen, die über 20 Minuten dauern, auch an einem Samstag nicht noch auf Montag warten, sondern sofort in die Klinik.“

Bei Herzklappenfehlern rät der Kardiologe regelmäßige Kontrollen, auch wenn es zwischenzeitlich keine Beschwerden geben sollte. Das Vorhofflimmern zähle zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen bei Erwachsenen. Dabei schlage das Herz unregelmäßig und der Puls oft zu schnell. Die Folgen können Luftnot und Wasser in den Beinen sein. Mit einer gezielten Therapie könne die Herzleistung aber wieder deutlich gesteigert werden.

Gute Erholungschancen

Von einer Herzmuskelentzündung – hervorgerufen durch einen Infekt, einer Bronchitis oder einer Magen-Darm-Grippe – würden sich 80 bis 90 Prozent aller Patienten erholen, ohne dass Schäden am Herzen zurückblieben. Generell empfiehlt Nafe Ashour, Symptome wie heftige Brustschmerzen oder Taubheitsgefühle ernst zu nehmen: „Nicht warten, bis die Katastrophe passiert und ein Stadium erreicht ist, in dem es zu spät ist. Die Ärzte helfen gerne.“