Nach kalter Nacht im Auto kommt statt Abschleppwagen die Polizei

Leveringhausen..  Viel dümmer hätte es für den 27-jährigen Mann aus Hemer nicht laufen können, der gestern in Menden vor Gericht stand. Weil er am 4. Januar dieses Jahres zu nächtlicher Stunde in Leveringhausen mit seinen VW Polo von der Straße abkam und statt des erhofften Abschleppwagens am nächsten Morgen die Polizei erschien, wurde das ganze Ausmaß seiner Misere offenkundig.

Sommerreifen im Winter

Der arbeitslose Hemeraner hatte nicht nur auf winterglatter Straße einen verhältnismäßig kleinen Verkehrsunfall verursacht, der mit rund 700 Euro Fremdschaden kaum weiter erwähnenswert gewesen wäre, er hatte leider an seinem Fahrzeug auch eine ungeeignete Bereifung: Sommerreifen. Vermutlich deshalb ging es in einer Kurve für ihn geradeaus weiter. Eine weitere mögliche Ursache, so Richter Jung gestern, könnte allerdings auch der Drogenkonsum gewesen sein, den der Unfallfahrer der überraschend erschienenen Polizei offen eingestand.

Kein Führerschein

Die Polizeibeamtin aus Menden, die den Unfall aufnahm, hatte bei dem jungen Mann typische Drogenkonsum-Symptome erkannt, und die Untersuchung seiner Blutprobe bestätigte die Einnahme von Cannabis, Kokain und Amphetaminen. Damit jedoch nicht genug: einen Führerschein konnte der 27-Jährige nach der kalten Nacht am Unfallort der Polizeibeamtin auch nicht zeigen. Er besaß nämlich keinen.

Zusätzlich zum Vorwurf des Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis musste sich der Angeklagte gestern auch noch wegen Urkundenfälschung vor Gericht verantworten. Die am Unfallauto montierten Kennzeichen gehörten nicht zu dem Fahrzeug. Ein Gebrauchtwagenhändler habe die Kennzeichen von einem VW Golf, den er geschenkt bekommen habe, an diesen Polo montiert, hatte der Hemeraner zu seiner Entschuldigung erklärt. Auch wenn er die nicht passenden Kennzeichen nicht selbst an den Unfallwagen geschraubt habe, habe er wissen müssen, dass sie nicht zu dem von ihm gefahrenen Polo gehörten, stellte Richter Jung fest.

Ohne Anwalt vor Gericht

„Ich habe auf jeden Fall aus der Sache gelernt“, ließ der 27-Jährige, der ohne Anwalt zur Verhandlung erschienen war, das Gericht wissen. Mit eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen á 12 Euro folgte der Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Weil er sich zudem als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen habe, muss er mindestens ein Jahr warten, bis er einen Führerschein beantragen kann. „Kommen sie von den Drogen los. Das ist ihre Chance für ein vernünftiges Leben“, gab Richter Jung dem Unfallfahrer noch mit auf den Weg.