Milch aus Balve wird sogar in China getrunken

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Grübeck..  Einstimmig wurde Hubert Sauer aus der Grübeck als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Balve wiedergewählt. Im Interview der Woche spricht der 40-Jährige über seine persönliche Motivation, das Miteinander von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sowie die Zukunftsaussichten für Bauern.

Frage: Herr Sauer, sind Sie eigentlich Bauer oder Landwirt?

Hubert Sauer: Ich bin beides. Da gibt es für mich keinen Unterschied. Und es ist auch egal, wie man mich bezeichnet. Das mögen manche anders sehen, aber für mich ist das beides okay.

Was schätzen Sie an ihrem Beruf?

Die Selbstständigkeit und das Arbeiten in der Natur mit der Natur. Und dass ich mein eigener Herr bin.

Gibt es Sachen, die Ihnen bei Ihrer Arbeit weniger Spaß machen?

Das, was den meisten Menschen Leuten keinen Spaß macht. Der ganze Bürokratismus, der in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Die steigenden Auflagen und generell die Büroarbeit. Das ist nicht so meine Lieblingsbeschäftigung. Aber der Job Landwirt macht mir noch immer sehr viel Spaß.

Wie wird man Landwirt?

Ich würde jungen Menschen empfehlen, zunächst bei einem Bauern, den sie kennen, für ein paar Tage ein Praktikum zu machen. Wer dann wirklich daran Spaß hat, kann eine dreijährige Ausbildung inklusive Besuch der Berufsschule in einem Betrieb machen. Eine Besonderheit in unserem Beruf ist, dass Auszubildende wechseln und in drei Betrieben tätig sind. In der Landwirtschaft ist das so üblich, damit man verschiedene Betriebsformen kennen lernen kann und sich breiter aufstellt.

Wie sieht es generell mit dem Nachwuchs in der Landwirtschaft aus?

Wir haben guten Nachwuchs, aber wir brauchen noch mehr junge Leute, die Landwirt werden wollen. Es gibt noch freie Ausbildungsstellen. Im Internet hat die Landwirtschaftskammer NRW eine Übersicht über freie Stellen nach Landkreisen geordnet. Da können sich Interessenten informieren. Aber gute Menschen werden immer gebraucht.

Wie wichtig ist das Thema Öko-Nahrungsmittel in der Region?

Es gibt Kollegen, die das mit Erfolg betreiben. Ich versuche, Lebensmittel so zu erzeugen, dass ich sie gerne selber esse. Das ist für mich das erste Kriterium. Wenn einige Leute gerne Öko machen wollen, ist das eine super Sache, aber bestimmt nicht das alleinige Allheilmittel. Wir sind alle Kollegen. Es gibt da ein Miteinander und kein Gegeneinander.

Wie schätzen Sie die Konkurrenzsituation ein?

Wir Milchbauern leben viel vom Export. Unsere Milch wird sogar in China getrunken. Wenn es auf dem Weltmarkt Probleme gibt, oder Russland die Grenzen dicht macht, trifft uns das mehr als die Konkurrenz durch Öko-Milch. Milch ist erst einmal Milch, und wir freuen uns über jeden Liter, der getrunken wird.

Trinken die Deutschen genug Milch?

Unser Problem ist die Demografie. Je älter die Menschen werden, desto weniger Milch trinken sie. Und wir sind eine älter werdende Gesellschaft. Wenn man älter wird, ändern sich die Geschmacksnerven. Da versuchen wir noch, neue Produkte zu entwickeln. Aber die Mengen werden nicht mehr konsumiert. Der Absatz in Deutschland ist rückläufig. Deshalb sind wir so auf die Exportmärkte angewiesen.

Dann kurbeln Sie doch mal den Konsum an und machen Werbung.

Milch ist ein komplettes und gesundes Lebensmittel, das hier aus der Region kommt. Und mir schmeckt Milch auch sehr gut.

Finden Sie, dass Lebensmittel zu teuer sind?

Ich kann Verbraucher verstehen, die sich über die Preise beklagen. Aber für die Qualität, die wir liefern, brauchen wir einen angemessenen Preis. Wir geben unser Bestes und versuchen wirklich, gute Qualität zu liefern. Deswegen finde ich, dass Lebensmittel ruhig ein wenig mehr kosten dürfen. Auch wenn ich weiß, dass es Verbraucher gibt, für die das hart ist. Aufgrund des hohen Wettbewerbs haben wir in Deutschland allerdings schon mit die niedrigsten Lebensmittelpreise in Europa.