Manchmal ist es gefährlich, brav zu sein

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Balve..  Viele Eltern wünschen sich brave Kinder, die den Anweisungen der Erwachsenen sofort Folge leisten. Manchmal kann „brav“ sein aber auch gefährlich werden. Schön, wenn das Kind sofort verschwindet, wenn es heißt „Ab ins Bett“. Gefährlich, wenn das Kind dem Wunsch des Fremden nachkommt: „Steig ein!“ Ihre eigene Stärke spüren, auch mal mutig „Nein!“ sagen, das durften die Kinder des Katholischen Kindergartens St. Blasius eine Woche lang bei dem Kursus „Mut tut gut“ mit der Trainerin Heidrun Geck.

Ende der heilen Welt

„Spätestens, wenn die Kinder lesen können, ist es vorbei mit der Vorstellung von der heilen Welt“, stellte auf einem Info-Abend für die Eltern die Polizistin Petra Reinwald klar. Sie machte deutlich, wo beim verbreiteten Erziehen mit Belohnung und Strafe die Gefahren lauern. Wer „hört“, wird belohnt mit Konsumgütern, Süßigkeiten oder schönen Spielsachen aus den bunten Werbefilmen. „Wenn Kinder an Manipulation gewöhnt sind, lassen sie sich eher locken“, warnte Petra Reinwald. Wer sein Zimmer aufräumt, bekommt Schokolade. Warum dann die Schokolade ablehnen, mit der ein Täter lockt? Was in der Hektik des Alltags oft untergeht, mahnte Petra Reinwald an: Dass Eltern die Kinder ihre Anerkennung spüren lassen, dass sie ihnen das Gefühl geben, wertvoll zu sein, auch wenn sie nicht „funktionieren“.

„Na, wie heißt Du denn?“ Eine harmlose Gesprächseröffnung vom Erwachsenem zum Kind. Und wenn Töchterchen nicht sofort ihr „Lena“ haucht, dann wird es von Mama auch gern dazu gedrängt: „Lena, der nette Mann hat dich was gefragt.“ Aber kennt der Täter den Namen, ist schon eine erste Brücke geschlagen. Daher ist es aus der Sicht von Petra Reinwald auch nicht sinnvoll, den Ranzen weithin sichtbar mit Namen oder gar Adresse auszustatten. Ein Schlüsselanhänger taugt zum Wiedererkennen ebenso. Gut ist es, mit dem Kind eine „Positivliste“ von Menschen zu erstellen, die es auch ohne Absprache mit dem Auto mitnehmen dürfen. Prävention heißt, Sprachlosigkeit zu überwinden.“

Auf jeden Fall gilt es, beim Kind ein wichtiges Frühwarnsystem zu erhalten: die Angst. Erwachsene dürfen gern auch zugeben, dass ihnen bestimmte Situationen Angst gemacht haben. Und dass es durchaus nicht „uncool“ ist, auf sein Bauchgefühl zu hören.

Weggehen ist nicht feige

„Weggehen ist nicht feige, sondern mutig“, will auch die Trainerin Heidrun Geck vermitteln. Damit die Kursgebühren für alle tragbar sind, unterstützt auch der Förderverein des Kindergartens das Projekt finanziell. „Bei uns geht es darum, ein Gefühl für Nähe und Distanz zu erlernen, eine eindeutige Körpersprache zu entwickeln, sich nicht aufzugeben“, macht Heidrun Geck deutlich. Und so stellten die Eltern fest, dass ihre Vorschulkinder neues Selbstbewusstsein entwickelten. „Ich bin ich, ich bin stark, ich passe gut auf mich auf.“ Worte, die zuhause gern wiederholt werden und dabei helfen, dass die „Kleinen“ gesund und sicher groß werden dürfen.