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Landwirtschaft

Kühe und Rinder kennen keinen Frust bei Frost

14.02.2012 | 15:55 Uhr
Kühe und Rinder kennen keinen Frust bei Frost

Grübeck.Der Winter hat die Region weiter in seinem Griff. Doch irgendwie kann der Mensch sich vor der klirrenden Kälte schon schützen. Einfach zwei Pullover übereinander anziehen, noch dickere Socken tragen und notfalls sogar die lange Angora-Unterhose aus dem Schrank kramen. Was aber machen Tiere in diesen Tagen? Wie kommen zum Beispiel Kühe mit den frostigen Temperaturen klar?

Genügend Futter und Wasser sind wichtig

Unsere Zeitung hat nachgefragt und den Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Balve, Hubert Sauer, auf seinem Hof in der Grübeck besucht. Der Landwirt besitzt 110 Milchkühe. Dazu kommt noch einmal die gleiche Zahl an Jungrindern und Kälbern, die jüngsten davon erst wenige Wochen alt.

Am späten Nachmittag pfeift der Wind unangenehm über den Hof. Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden gerade hinter den Baumwipfeln, und schon nach wenigen Minuten kriecht die Kälte durch die Kleidung. Den Tieren von Hubert Sauer scheint das nichts auszumachen. Die Rinder äugen neugierig wie immer durch ihre Gitterstäbe des nur an drei Seiten geschlossenen Stalles, und sogar die Kälbchen, die auf einer dicken Schicht Stroh unter freiem Himmel stehen, blicken putzmunter mit ihren großen Augen in die Welt.

Der Rindernachwuchs hat in den Mini-Gehegen allerdings Plastikhütten, die entfernt an kleine, umgekippte Dixie-Klos erinnern. „Darin sind sie vor dem Wind geschützt, und vor der Bodenkälte schützt das Stroh“, erklärt Hubert Sauer. „Wichtig ist, dass die Tiere genügend Futter und Wasser bekommen. Dann macht ihnen die aktuelle Kälte nichts aus.“ Lediglich die Milchkühe stehen in einem rundum geschlossenen Stall. Durch großzügig dimensionierte Lüftungsschlitze kommt aber auch dort kalte Luft hinein. Heizung? Fehlanzeige! „Die Tiere produzieren selbst genügend Wärme“, erklärt Sauer.

Rinder und Kühe profitieren von der günstigen Entwicklung dieses Winters. „Die Kälte kam nicht schlagartig. Unsere Tiere konnten sich langsam an immer niedrigere Temperaturen gewöhnen“, weiß der Landwirt. „Dann stellt sich das Fell auf und schützt gut.“

Obwohl er schon minus 18 Grad auf seinem Hof gemessen hat, bleibt er gelassen. „Bis 10 Grad unter Null ist alles problemlos. Und erst wenn die Temperatur dauerhaft unter minus 20 Grad sinken sollte, wird es schwierig.“ In dem Fall müsste er die offene Seite seines Rinderstalles mit einer Plane abdecken, oder aus großen Rundballen eine Schutzmauer errichten.

Probleme gibt es erst ab minus 20 Grad

Zunächst hofft der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Balve aber, dass es beim langsamen Anstieg der Temperaturen bleibt. Die Tage und Nächte des harten Dauerfrostes scheinen ja zunächst überstanden zu sein. Auf keinen Fall wünscht er sich ein abruptes Ende dieses Winters. Der Landwirt aus der Grübeck weiß aus langjähriger Erfahrung: „Wenn es nach großer Kälte schnell wieder viel wärmer werden sollte, ist die Gefahr viel größer, dass die Tiere krank werden.“

Kühe haben ein anderes Temperaturempfinden

Allen, die sich trotzdem Sorgen um das Wohlbefinden der heimischen Kühe und Rinder machen, rät Hubert Sauer: „Man sollte diese Tiere nicht vermenschlichen. Kühe haben ein ganz anderes Temperaturempfinden als wir Menschen. Denen geht es bei trockener Kälte in ihren offenen Ställen viel besser, als im Hochsommer bei 35 Grad im Schatten. Dann müssen wir nämlich Lüfter im Stall aufstellen, um die Tiere zu kühlen.“

Marcus Bottin

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