Komplizierter Charakter ist Herausforderung

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Balve..  Erstmals präsentiert der Festspielverein Balver Höhle in dieser Märchensaison zwei Stücke. Nadine Schlebrowski (27) spielt im Erwachsenenstück „Der Glöckner von Notre Dame“ die schöne Zigeunerin Esmeralda. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt die aus Menden stammende Lehrerin, warum Schauspielerei manchmal ganz schön schwierig sein kann, aber auch jede Menge Spaß macht.

Frage: Wie würden Sie die von Ihnen gespielte Zigeunerin Esmeralda beschreiben?

Nadine Schlebrowski: Esmeralda hat einen sehr komplizierten Charakter. Am Anfang des Stückes ist sie eine sehr lebensfrohe und fröhliche junge Frau, die sich unsterblich in den Hauptmann Phöbus verliebt. Aufgrund einer Verkettung misslicher Umstände wird Phöbus allerdings ermordet. Und nach dem Tod ihres Geliebten bricht für Esmeralda eine Welt zusammen. Sie hat überhaupt keinen Lebensmut mehr und möchte am liebsten nur noch sterben.

Steckt in der Esmeralda auch ein Stück Nadine Schlebrowski?

Am Anfang schon. Ich bin nämlich auch ein sehr lebensfroher Mensch. Aber wenn Esmeralda jeden Lebensmut verliert und zu einem todtraurigen Menschen wird, dann ist es schon eine Herausforderung, die Esmeralda zu spielen.

Sie haben bei den Märchenwochen schon diverse Rollen gespielt, gibt es eine Lieblingsrolle?

Das kann ich wirklich nicht sagen. Alle Rollen waren irgendwie schön. Die anspruchsvollste spiele ich aber mit Sicherheit in diesem Jahr. Dieser Wechsel von total lebensfroh zu nicht mehr leben wollen, das ist schon sehr schwer. Man muss vorher total übertrieben darstellen, dass die Welt toll ist. Dabei werden da ja auch schon Menschen am Pranger ausgepeitscht.

Jetzt ist Halbzeit. Wie beurteilen Sie als Schauspielerin den bisherigen Verlauf der Saison?

Sehr gut. Der Glöckner wird vom Publikum gut angenommen. Wir gehen ja nach den Aufführungen immer noch raus und suchen den Kontakt mit den Besuchern. Die Reaktionen sind durchweg positiv. Wir hatten jetzt zwei Wochen Pause mit dem Glöckner, und ich freue mich richtig wieder drauf. Das ist ein schönes Stück, auch wenn es traurig ist. Ich spiele es gerne.

Sie zeigen den Glöckner in dieser Saison nur achtmal. Lohnt sich der ganze Aufwand für so wenige Aufführungen?

Ja. Wir spielen ja zusätzlich auch noch das Kinderstück. Da habe ich sogar zwei Rollen. Und wenn man die zwölf Aufführungen vom kleinen Gespenst dazuzählt, kommt man genau auf die 20 Aufführungen, die wir auch im vergangenen Jahr hatten. Nur haben wir da 20-mal „Die Schöne und das Biest“ gespielt. Wir hatten sogar letztes Jahr für nur ein Stück mehr Proben.

Was ist für Sie so schön am Schauspielen?

Mir macht es einfach viel Spaß, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und mich auszuprobieren. Ich bin nicht Nadine, wenn ich auf die Bühne gehe. Ich bin dann diejenige, die ich darstellen soll. Es ist schön, auch mal jemand zu sein, der so gar nicht zu meinem Charakter passt.

Ende der kommenden Woche ist die Märchen-Saison in der Höhle schon wieder vorbei. Wird danach groß gefeiert?

Wir werden uns bestimmt Freitag Abend nach der letzten Vorführung vom Glöckner noch zusammensetzen, aber das wird keine große Feier, denn an dem Samstag steht ja auch die letzte Vorführung vom Gespenst auf dem Programm. Und auch danach ist nicht viel Zeit zum feiern. Denn dann müssen wir sofort abbauen und schnell aus der Höhle raus.

Haben Sie sich Überraschungen für die letzten Vorführungen ausgedacht?

Wir dürfen in den Dernièren wieder kleine Gags in die Stücke einbauen. Die müssen natürlich mit der Regie abgesprochen werden und dürfen die Geschichte nicht völlig umkrempeln. Aber ja, die eine oder andere Überraschung wird es in den Schlussvorstellungen schon geben.