Klassische Reiseapotheke wird immer kleiner

Der Apotheker Franz W. Vohle aus Balve weiß, was alles in die Reiseapotheke gehört.
Der Apotheker Franz W. Vohle aus Balve weiß, was alles in die Reiseapotheke gehört.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Da mehr und mehr Medikamente in beliebten Urlaubsregionen erhältlich sind, nimmt die klassische Reiseapotheke immer weniger Platz im Gepäck ein. Der Apotheker Franz W. Vohle weiß jedoch: Umso exotischer das Reiseziel, desto größer sollte die Auswahl an Medikamenten für den Urlaub sein.

Balve.. Die klassische Reiseapotheke hat in jüngster Zeit zwar an Bedeutung verloren, überflüssig geworden ist sie aber noch lange nicht. Franz W. Vohle würde niemals ohne zumindest die Grundausstattung an Medikamenten und Verbandsmaterial ins Ausland fahren – und rät dies auch seinen Kunden nicht. Der 62-jährige Mann im weißen Kittel weiß, wovon er spricht. Er ist Apotheker.

„Ich habe eine kleine Tasche immer fertig gepackt im Schrank“, verrät er lächelnd. „Da ist das Wichtigste drin. Und vielleicht auch noch ein bisschen mehr. Ich sitze ja an der Quelle.“ Was für den Arzneimittel-Experten selbstverständlich ist, sollte auch für den Durchschnittstouristen gelten. „Eine Grundausstattung sollte jeder, der auf Reisen geht, bei sich haben“, betont Franz W. Vohle. „Und dann ist entscheidend, wer verreist, und wohin es geht.“

Auch für Trekkingtouren am Amazonas gut gerüstet

Neben vielen Urlaubern, die Standardziele im benachbarten Ausland ansteuern, kommen auch Kunden zu Franz W. Vohle, deren Fernweh weiter reicht. „Einer wollte nach China fliegen und mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Moskau fahren. Ein anderer plante eine Trekkingtour im Amazonasgebiet. Die sollten schon ein paar Sachen mehr mitnehmen, als Leute, die nach Mallorca fliegen.“ In solchen Fällen, aber auch für alle anderen Reiseziele, informiert sich der Balver Apotheker schnell und zuverlässig in einschlägiger Fachliteratur, die ständig aktualisiert wird.

Obwohl für Touristen immer mehr Arzneien an immer mehr Orten der Welt erhältlich sind, besteht ein erheblicher Bedarf an Informationen und Beratung vor Antritt der Reise. Vohle: „Wenn ich immer alles mitschleppen würde, was im Prinzip empfehlenswert wäre, dann würde ich Probleme mit meinen 20 Kilo Freigepäck bekommen. Deshalb ist eine individuelle Beratung wichtig. Die Frage lautet: Wer fährt wohin in den Urlaub?“

Viele Medikamente sind bereits im Haushalt vorhanden

Wenn der Balver Apotheker das weiß, folgt die Beratung. „Viele Sachen, die Leute mit in den Urlaub nehmen sollten, haben sie oft schon zu Hause“, weiß er. Was dann noch fehlt, ist schnell zur Hand. Und Probleme beim Einchecken am Flughafen sind – zumindest wegen der Menge mitgenommener Medikamente – dann die ganz große Ausnehme. Vohle weiß: „Früher haben die Leute alles eingepackt, was man vielleicht mal brauchen könnte. Aber diese Zeiten sind vorbei.“

Generell gilt: Je exotischer das Reiseziel, desto individueller sollte die Reiseapotheke ausfallen. „Es gibt auch schon fertig zusammengestellte Sets“, weiß Vohle. „Aber am besten klärt man den persönlichen Bedarf im Gespräch mit dem Apotheker.“ Zu den Sachen, die auf keinen Fall fehlen sollten, zählen Mittel zur Wunddesinfektion, Einmalhandschuhe, Pflaster und Verbandmaterial sowie Mittel gegen Schmerzen und Fieber.

Mittel gegen Reiseübelkeit sind ein Ladenhüter

Wer in den Süden fährt, sollte auch Arzneimittel gegen Durchfall und Verstopfung mitnehmen sowie Sonnenschutzmittel und Salbe oder Cremes gegen Sonnenbrand und Insektenstiche. Afrika- und Asienreisende sollten dringend sterile Spritzen und Kanülen mitnehmen. Und bei Bedarf sollte auch an Kreislaufprophylaxe gedacht werden.

Und wie sieht es mit Mitteln gegen Reiseübelkeit aus? Der Balver Apotheker schüttelt den Kopf: „Wer es braucht, na klar. Aber generell sind die Menschen heute deutlich reisefester als früher. Mit Reiseübelkeit haben die immer seltener Probleme. Was ja auch kein Wunder ist. Es wird viel mehr verreist als früher. Und selbst kleine Kinder werden heute jeden Tag mit dem Auto durch die Gegend kutschiert. Da wird man irgendwann unempfindlicher gegen Reiseübelkeit.“ Wieder ein Mittel weniger – so schrumpft die Reiseapotheke.

Weitere Tipps für Urlauber

Wichtige Medikamente sollten bei Flugreisen im Handgepäck mitgenommen werden. Koffer können schon einmal verloren gehen oder erst Tage später im Hotel eintreffen.

Die schönsten Urlaube sind die, in denen die Reiseapotheke nicht benötigt wird. Also Vorsicht walten lassen. Im Süden kein Leitungswasser trinken, Obst nur geschält essen und dem Körper Zeit zur Akklimatisierung geben.