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Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit angelegt

22.04.2012 | 09:00 Uhr
Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit angelegt
Fiedhelm Grote referierte auf dem jüdischen Friedhof in Balve. Foto: Stefan Scherer

Balve. Es sind nur wenige Quadratmeter im Schatten des Balver Krankenhauses – umzäunt, verwittert, ein wenig verwildert. Selbst alteingesessenen Balvern ist längst nicht bekannt, dass hier ein jüdischer Friedhof ist. Dessen Geschichte erläuterte Friedhelm Grote der Balver Heimwacht und ihren Gästen.

Zwischen den wenigen Grabsteinen und -platten, deren Inschriften von den Jahrzehnten schwer gezeichnet sind, scharrten sich die Besucher um den Referenten, der sich intensiv mit der Historie des Friedhofs und der Balver Juden generell auseinandergesetzt hat und dieses Wissen gern weitergab.

So wurde das erste Grab hier wohl im Jahr 1718 ausgehoben, die letzte Bestattung fand im Jahr 1935 statt. Interessant ist vor allem, wie stark sich die ursprünglichen Begräbnisriten von Juden und Katholiken unterschieden und wie die Religionen im Lauf der Geschichte einige Bräuche gegenseitig übernahmen.

„Das jüdische Grab ist für die Ewigkeit“, sagte Friedhelm Grote. Ursprünglich legten die Juden nur Steinplatten auf den Boden, Gemeinschaftsgräber gab es nicht und Inschriften waren von nebensächlicher Bedeutung. „Unabhängig vom Stand ließen sich Juden in schlichten Holzsärgen bestatten und nannten sie selbst einfach ,Kisten’“, erläuterte der Experte. Erst nach und nach habe sich hier der stehende Grabstein etabliert, hebräische, später auch deutsche Inschriften seien hinzugekommen.

Im Gegenzug hätten Katholiken jüdische Bräuche übernommen, zum Beispiel, dass die Trauergemeinde Erde in das Grab wirft. Auch die Symbolik des Olivenzweigs oder des Schmetterlings – heute besonders in Traueranzeigen häufig zu sehen – stamme aus dem Judentum.

Der geschlossene Friedhof ist seit den 30er Jahren im Besitz der Katholischen Kirchengemeinde St. Blasius. Im zweiten Weltkrieg wurde schließlich der letzte Balver Jude, David Bondy, ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er im Jahr 1942 verstarb.

Bis dahin gab es diverse jüdische Familien in Balve, die ausschließlich im Zentrum lebten und zumeist wohlhabend waren. So die Familie Zimmermann – Viehhändler und Metzger, in deren Haus zuletzt die Metzgerei Dransfeld beheimatet war. Oder auch die Familie Krüdewagen-Schaber, die das größte Haus in der Alten Gerichtsstraße gebaut hat, das noch heute steht.

Auch das Haus der Familie Bondy war geschichtlich relevant. Es steht noch heute an der Hauptstraße direkt im Schatten der Kirche. „Das war gar nicht im Sinne des Pfarrers“, sagte Friedhelm Grote mit Blick auf drei Grabsteine der Bondys auf dem jüdischen Friedhof, der das Gedenken an die Balver Juden hoch hält

Stefan Scherer



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