Jan will den Blick nur nach vorn richten
01.10.2008 | 20:26 Uhr 2008-10-01T20:26:39+0200Balve. Der junge Mann sitzt am Tisch im Balver Lüll und fühlt sich nicht wohl in seiner Haut. Presse? Lieber nicht. Er blickt zu Boden, möchte keinen großen Rummel um seine Person. ...
... Heute kommt er aber um ein Foto nicht herum, dafür hat seine Mutter gesorgt.
Jan Terler hat in den vergangenen Monaten ohne eigenes Zutun eine Bekanntheit weit über die Balver Stadtgrenzen hinaus erreicht. Sein Schicksal machte unter der Abkürzung seines Namens als Jan T. Schlagzeilen und erschütterte die Menschen bis ins Mark. Während der Fußball-Europameisterschaft war der damals 19-Jährige von einem Balver vor ein Auto gestoßen worden, lag lange im Koma, ist querschnittsgelähmt.
Viele Balver solidarisierten sich mit der Familie, auf die hohe finanzielle Belastungen zukommen. Drostenwirt Elmar Kleine initiierte eine Spendenaktion. Fortan sammelten viele Geschäftsleute Spenden, und von etlichen Veranstaltungen flossen Teile des Gewinns auf die beiden Spendenkonten. Selbst Kinder zogen mit Spendenbüchsen von Haustür zu Haustür.
Schnell fit werden Derweil kämpfte sich Jan Terler in der Bochumer Bergmannsheil-Klinik zurück ins Leben. Seine Mutter Manuela erinnert sich: "Jan war so frustriert darüber, mindestens drei Monate im Krankenhaus verbringen zu müssen, dass er alles daran setzte, so schnell wie möglich wieder fit zu werden."
Der junge Balver feierte seinen 20. Geburtstag Ende Juli in der Klinik Bergmannsheil mit zwei Zimmernachbarn, die vom Hals abwärts gelähmt sind und deren Schicksal von diversen Fernsehsendern und Zeitungen begleitet wurden. War die Presse im Zimmer, war Jans Bett allerdings leer. Er wollte mit seiner Geschichte nicht in die Öffentlichkeit. Er half den beiden Jugendlichen lieber, wieder eine positivere Sicht der Dinge zu erlangen, hat ihnen etwas von seinem Lebensmut abgegeben und daneben stetig und hart für seine eigene Entlassung aus der Klinik gearbeitet.
Am Freitag ist er nach Balve zurückgekehrt und mit seinem Bruder in die ehemalige Hausmeisterwohnung der Hauptschule eingezogen. Um sie zu bekommen, hat die Familie viele Nerven gelassen. "In Balve war das Angebot an Wohnungen für Rollstuhlfahrer sehr begrenzt. Zudem ist sie normalerweise für den Hausmeister reserviert", sagt seine Mutter. Die Balver und Bürgermeister Hubertus Mühling setzten sich dafür ein, dass die Schulbehörde ihr OK für den Einzug gab.
Geld für Renovierung Im Oktober wird auch Jans Mutter Manuela in die Wohnung einziehen, die Freunde, Bekannte und Verwandte unter großer Mithilfe des Festspielvereins renovierten. Ende Oktober soll schließlich die Küche geliefert werden. Bis dahin muss improvisiert werden, aber auch das ist durch das große Engagement der Balver kein Problem.
Während darüber gesprochen wird, hört Jan lediglich zu. Dann steht Drostenwirt Elmar Kleine hinter dem 20-Jährigen und holt einen großen Scheck hervor, den er Jan überreicht. Ungläubig schaut dieser sich die Zahl an: 10.000 Euro sind durch die Spendenaktion zusammengekommen. "Danke", sagt Jan und ist etwas perplex. "Dankeschön. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Er schaut fragend zu seiner Mutter. Die springt für ihn in die Bresche und kann ihre Rührung nur schwer unterdrücken: "Es ist so unfassbar toll, wie viel Mitgefühl wir von den Menschen erfahren haben, wie viele uns auf unterschiedliche Art und Weise, oft auch ganz spontan, geholfen haben. Ein riesiges Dankeschön an die Balver und die vielen Auswärtigen, die uns in dieser schweren Zeit halfen."
Die Familie wird von diesem Geld vor allem die Renovierungsarbeiten und die neuen Möbel für Jan bezahlen. Die Rechnungen gehen an Elmar Kleine, der sie von den beiden Spendenkonten bezahlt. "Die Aktion läuft allerdings weiter", sagt der Drostenwirt. Auf die Konten der Sparkasse (Blz.: 45851020, Kto.: 90607094) und der Volksbank (Blz.: 44761534, Kto.: 1503735908) kann weiterhin gespendet werden. Noch ist längst nicht alles angeschafft, was notwendig ist. So benötigt Manuela Terler in absehbarer Zeit einen neuen Wagen. Der jetzige ist zu klein für die Familie und den Rollstuhl.
Auf dem anschließenden Foto lächelt Jan das erste Mal an diesem Abend. Danach dreht sich das Gespräch um die Tatnacht und das bevorstehende Gerichtsverfahren. Jan blickt zu Boden, sinkt in sich zusammen, kämpft mit den Tränen.
Plötzlich allerdings richtet er sich auf, sein Blick ist hellwach, in seinen Augen blitzt Begeisterung auf, als das Thema Musik auf den Tisch kommt. Jan ist begeisterter Punk-Rocker, riesiger Fan der Berliner Band "Berserker". "Schlagzeuger Costa hat mich sogar im Krankenhaus besucht und mich auf die Gästeliste für das Konzert in Oberhausen gesetzt", sagt der 20-Jährige.
Kein Schlagzeug mehr Die Liebe zur Musik hat er bis zu dem Vorfall nicht nur als Fan ausgelebt. Jan war Schlagzeuger in einer Band, ein Hobby, das er nicht mehr aufnehmen möchte, auch wenn es technisch möglich wäre. "Dann spielst du die Bass-Drum mit dem Mund. Das ist einfach nicht dasselbe", sagt er. "Und auch elek-tronische Schlagzeuge sind einfach etwas anderes, als wenn du auch mit den Füßen arbeitest."
Im Krankenhaus hat Jan allerdings bereits eine neue Leidenschaft entdeckt: Das Kickern. Es gibt spezielle Kicker für Rollstuhlfahrer. Einen solchen hat Manuela Terler bereits für ihren Sohn bestellt, damit er einem neuen Hobby nachgehen kann. Zudem muss Jan noch kräftig trainieren, muss Brust- und Armmuskulatur aufbauen, um sich noch besser mit dem Rollstuhl bewegen zu können. "Und dann", sagt er, "blicke ich weiter nach vorne."
16:44
Wunderbar Jan ....weiter so....
22:14
Super Jan. Bin stolz auf dich, dass du das alles so meisterst. Mach weiter so, du schaffst das!!!
Schönen Gruß Daniel