„Jagd ist kein Natur-Terrorismus“

Neuenrade..  „Jagd ist Artenschutz. Jagd ist Naturschutz. Jagd ist kein Natur-Terrorismus.“ Das betonten am Samstag die Teilnehmer der Drückjagd. Immer wieder, auch diesmal, würden sie beschimpft, als Schießwütige und Bambi-Mörder bezeichnet, berichteten die Jäger.

„Diese Urteile beruhen auf Halbwissen. Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, der weiß, wie wichtig die Jäger für den Erhalt eines ausgewogenen Wildbestandes sind“, erklärt Jörg Sommer vom Hegering Werdohl-Neuenrade.

50 Jäger unterwegs

Ausgangspunkt der Drückjagd in den Revieren Höllenstein, Dresel und Raulskamp war der Hof am Raulskamp. Von dort aus zogen die rund 50 Jäger, die meisten aus der Region, in die Wälder. Wildschweine und Rehe brachten sie zur Strecke, Tiere, die heutzutage keine natürlichen Feinde mehr haben. Als Wolf und Luchs noch Jagd auf die alten und schwachen Tiere machten, regulierten sich die Bestände ohne größeren Eingriff, erinnert sich Jörg Sommer. Inzwischen, auch bedingt durch den Jahrhundertsturm Kyrill und das damit verbundene dichte Unterholz, vermehren sich die Wildschweine und Rehe „mehr als die Natur verträgt“, ergänzt der Jäger. „Wenn die Jäger nicht wären, würden die Populationen ein Ausmaß erreichen, bei dem Seuchen und Krankheiten die Folge wären“, weiß der Fachmann vom heimischen Hegering.

Die Jagd diene vielmehr dazu, das natürliche Gleichgewicht stabil zu halten. Jörg Sommer sagte, dass die Population der Rehe das optimale Verhältnis von Tieren zu Fläche etwa um das zweifache übersteigt. „Das wissen viele nicht und denken, wenn 20 Wildschweine erlegt würden, wäre der Bestand bedroht. Das ist natürlich völlig falsch“, stellt Sommer fest. Anstatt Jäger zu beschuldigen, solle man sich lieber mit dem komplexen Thema auseinandersetzen, meint die Jägerschaft übereinstimmend. Jörg Sommer bietet aufklärende Gespräch an: „Wer etwas genau wissen möchte, kann sich gerne an den Hegering wenden. Zahlen und Fakten klären die Vorurteile schnell auf.“

„Der Wald braucht unseren Schutz“, titelt zum Beispiel NABU, der Naturschutzbund Deutschland, auf seiner Homepage. Eine These, die auch die heimischen Förster immer wieder bestätigen. Auf dem Weg hin zu einem intakten Wald werden etliche Ansätze verfolgt. Angefangen von wilder Müllentsorgung bis hin zu einer nachhaltigen Mischwald-Entwicklung reichen die Aspekte. Und der Wildbestand inklusive einer optimalen Artenvielfalt spielen eine ebenso bedeutende Rolle wie der saure Regen oder die Folgen intensiven Nutzholzanbaus.

Schäden durch Schwarzwild

Einen Steinwurf vom Hof Raulskamp entfernt sind die Folgen sichtbar, die Wildschweine anrichten können. In einer Nacht kann Schwarzwild einen privaten Garten auf den Kopf stellen oder eine landwirtschaftliche Nutzfläche wie am Raulskamp „durchpflügen“. „Landwirte fordern deshalb eine schärfere Bejagung, um die Schäden auf Acker- und Weideflächen gering zu halten“, gibt Jörg Sommer die Aussagen der Landwirte wieder.

„Die Kontrolle des Bestands ist der eine Punkt, die Verwertung ein anderer. Wildschweinfleisch ist 1A-Fleisch von freilebenden Tieren, die keinem Stress unterliegen und frei sind von Kraftfutter und Medikamenten“, betont Jörg Sommer und wird noch konkreter. „Will man das Bret verwerten, muss zum Beispiel ein Reh sauber erlegt werden. Das geht praktisch nur, wenn es mit allen vier ‚Füßen‘ den Boden berührt. Wenn es läuft und springt, ist ein sauberer Schuss nicht möglich. Deshalb überlegt sich ein Jäger ganz genau, wann er schießt.“

Und das galt auch am Samstag während der Drückjagd, bei der das Wild durch Treiber und Jagdhunde beunruhigt und so in Bewegung gebracht wurde. „Und keinesfalls gehetzt“, unterstreicht Hegeringsleiter Jörg Sommer.