In der Hauptschule lernen Kinder fürs Leben

Hauptschulleiterin Ulrika Scholder ist mit der Resonanz beim „Tag der offenen Tür“ sehr zufrieden.
Hauptschulleiterin Ulrika Scholder ist mit der Resonanz beim „Tag der offenen Tür“ sehr zufrieden.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Sie habe zwar gute Noten, aber „null Ahnung“ vom Leben. Eine 17-Jährige aus Köln hat mit ihrer Schulkritik via Twitter eine gesellschaftliche Debatte über Unterrichtsinhalte ausgelöst.

Balve..  Sie könne eine Gedichtsanalyse in vier Sprachen schreiben, habe aber keinen Plan von Steuern, Miete oder Versicherungen, erklärte die Gymnasiastin. Den Zeitungsartikel nahm Rektorin Ulrika Scholder gerne auf, um beim „Tag der offenen Tür“ Werbung für die Hauptschule zu machen. „Denn wir haben das Fach ‘Arbeitslehre Wirtschaft’, in dem Themen aus dem Leben aufgegriffen werden.“ Beispiele gefällig? Informationen über Handytarife, Rechenspiele für Einkäufe im Supermarkt, Preisvergleiche oder den Umgang mit Versicherungen.

Schwächen abbauen, Stärken fördern

Das ist aber längst nicht alles, was die Hauptschule Balve zu bieten hat. Ulrika Scholder erklärte den Eltern, dass ihre Sprösslinge in der 5. und 6. Klasse jeweils fünf Stunden Deutsch, Mathematik und Englisch hätten – eine Stunde mehr als an der Realschule. Dabei werde der Stoff der Grundschule wiederholt und gefestigt. „Die Schwächen der Schüler werden abgebaut, die Stärken gefördert“, sagte Ulrika Scholder und ergänzte: „Unser Lehrerkollegium sieht nicht Köpfe und Hirne, sondern immer die Kinder.“ Die würden dazu animiert, sich selbst zu organisieren und an ein Zeitmanagement zu halten.

Ab der 7. Klasse beginnt die Berufswahlvorbereitung, „und wir finden nicht, dass dieser Zeitpunkt zu früh ist“, sagte Ulrika Scholder. Die Jugendlichen würden eine „Potenzialanalyse“ durchlaufen, um ihre Stärken zu finden, zum Beispiel mathematisches Talent, Teamfähigkeit oder handwerkliches Geschick. Die 9. sei die entscheidende Klasse für die schulische Laufbahn. In diesem Schuljahr würden auch Auszubildende aus heimischen Unternehmen die Jugendlichen besuchen, außerdem stehe ein dreiwöchiges Praktikum an.

Mit ordentlichen Noten haben die Hauptschüler auch nach der Klasse 10 alle Optionen in der Hand: Den Hauptschulabschluss, den mittleren Schulabschluss (= Realschulabschluss) oder den mittleren Abschluss plus Qualifikation, der zur Weiterbildung an der gymnasialen Oberstufe berechtigt.

Hauptschulleiterin Ulrika Scholder nutzte für ihre Präsentation eine der insgesamt drei neu angeschafften White-Boards für je 4800 Euro. Die Rektorin ist optimistisch, dass im nächsten Schuljahr eine Eingangsklasse an der Hauptschule gebildet werden kann. „Ist der Tag der offenen Tür – wie in diesem Fall – gut besucht, läuft meistens auch die Anmeldung gut.“ Möglich ist sie vom 17. bis 23. Februar (jeweils 8 bis 12 Uhr) sowie am 19. und 23. Februar auch nachmittags von 15 bis 17 Uhr.