Im Balver Festspielchor dürfen auch Anfänger auf die Bühne

Der neue  Festspiel-Chor probt im Schützenheim in Balve-Volkringhausen. Auf dem Programm stehen Melodien aus Musical und Pop.
Der neue Festspiel-Chor probt im Schützenheim in Balve-Volkringhausen. Auf dem Programm stehen Melodien aus Musical und Pop.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Am 8. Mai feiern die 60 Sängerinnen und Sänger mit dem „Glöckner von Notre Dame“ ihre Bühnentaufe. Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Balve.. Als erste Freilichtbühne in der Region haben die Festspiele Balver Höhle einen eigenen Chor gegründet. Bei der Premiere des „Glöckners von Notre Dame“ feiert das Ensemble am 8. Mai seine Bühnentaufe. Gut 60 Sängerinnen und Sänger sind dabei, viele von ihnen haben vorher noch nie ihre Stimme ausprobiert. „Singen verbindet“, wandelt Sopran Marina Weitz-Mühling das Festspielmotto „Kunst verbindet“ ab. Die Generationen treffen sich im Festspiel-Chor, denn die Altersstruktur reicht von 14 bis 70 Jahren.

Wie motiviert man Anfänger?

Chorleiter Heinz-Dieter Baumeister hat viel Erfahrung in der Motivation von Hobbysängern. Der pensionierte Schuldirektor ist Kreischorleiter des Chorverbandes Hönne-Ruhr. Mit dem MGV Eintracht Mellen und dem Frauenchor Eisborn dirigiert er zwei Traditionschöre. Wie kann man mit Anfängern so anspruchsvolle Aufgaben meistern? „Dazu gehört Fingerspitzengefühl. Man muss begeistern können“, verrät Baumeister.

Seit einiger Zeit geht das Höhlen-Ensemble neue Wege, indem es Stücke mit Musik auf den Spielplan setzt. Das kommt beim Publikum gut an, ist allerdings eine erhebliche Herausforderung für die Laiendarsteller. Also hat der musikalische Leiter der Festspiele, Michael Wiehagen, den Impuls zur Chor-Gründung gegeben. Das Repertoire umfasst Musical und Pop.

Auf der Bühne statt davor - das macht die Sache schwieriger

Sich singend zu bewegen, macht die Sache nicht einfacher. „Das Schwierige beim ,Glöckner’ sind die Einsätze auf der Bühne. Ich stehe ja nicht davor“, schildert Baumeister. Deshalb schreibt der 68-Jährige nicht nur die Arrangements, sondern erstellt auch Playbacks als Lerndateien, damit zu Hause weiter geübt werden kann.

Bass Martin Riederer (54) singt auf Anregung seiner Frau mit. „Ich arbeite in Wuppertal und wohne in Sundern, wir sehen uns also selten. Da habe ich überlegt, dass wir das als Ehepaar gut zusammen machen können.“ Erwin Nowitzki ist als Tenor angetreten, hat dann aber seine Berufung im Bass gefunden. „Wir sind schon ganz schön gefordert. Ich komme begeistert hierhin“, so der 56-Jährige. Marina Weitz-Mühling (37) erfuhr aus der Zeitung davon. „Ich habe immer gerne gesungen, aber eine Zeit lang pausiert. Als ich von der Gründung gelesen habe, dachte ich: Dazu hättest du wieder Lust.“

Es werden noch Männer gebraucht

Die Männer machten sich anfangs eher rar - wie bei den meisten Chorinitiativen. Doch inzwischen finden zunehmend Herren den Weg zu den Proben, weitere sind willkommen. „Viele möchten gerne singen, trauen sich aber nicht, in einen etablierten Chor zu gehen. Die wissen, dass bei uns viele Anfänger sind und kommen deshalb“, resümiert Baumeister.

Neben dem Festspiel-Chor gibt es in Balve mit allen Dörfern noch zehn weitere Chöre. „Balve ist eine singende Stadt, vor allem angesichts der kleinen Einwohnerzahl“, bilanziert Baumeister stolz. „Die Chöre haben für die einzelnen Orte eine große Bedeutung. Man trifft sich einmal in der Woche und bespricht Aktionen. Daher tut es mir so weh, wenn wieder ein Chor aus Altersgründen die Segel streichen muss.“

Die Chorszene verändert sich

Am Mikrokosmos Balve lassen sich die Veränderungen in der Szene insgesamt gut abbilden. Während die Männergesangvereine mit Nachwuchsproblemen kämpfen, finden neue Formate mit neuer Literatur Zuspruch – und zwar ortsüberschreitend. Die Mitglieder des Festspiel-Chores kommen von Hagen bis Sundern. So entsteht eine Vernetzung über die Kirchtürme hinweg. „Das dauert, bis nach der Probe die Letzten gegangen sind“, hat Martin Riederer beobachtet. „Das ist für mich ein Zeichen, dass der Chor auch sozial funktioniert.“

Spannend wird jetzt das Zusammenspiel mit dem Ensemble auf der Bühne. „Das sind ja 79 Darsteller, das Ganze muss als Team funktionieren“, beschreibt Organisationschefin Uta Baumeister das ehrgeizige Ziel. Heinz-Dieter Baumeister freut sich darauf: „Das ist eine große Chance, eine tolle Gemeinschaft zu erreichen.“

www.festspiele-balver-hoehle.de