Hüttenbuch voller lebendiger Geschichten

Neuenrade..  Siegfried Dickel, ehrenamtlich engagierter Naturfreund und Hüttenwart der Schutzhütte auf dem Kohlberg, ist mehr als zufrieden. 161 Einträge ins Hüttenbuch kann er zum Jahresende mit berechtigtem Stolz zählen – „So viele hatte ich nicht erwartet!“, sagt er. Eintragungen, die Wanderer aus nah und fern gemacht haben, aber auch ganze Schulklassen oder einzelne Spaziergänger, die täglich ihren Weg auf dem Giebel mit ihren Hunden zurücklegen und an der Hütte, die optisch mehr an einen Unterstand erinnert, vorbeikommen.

Vor einigen Tagen hat Siegfried Dickel das Buch aus der Hütte mit nach Hause genommen. Die feucht-nasse Witterung machte dem Hüttenbuch zu schaffen und könnte es in seine Einzelteile zerlegen. Im Frühjahr wird er das gute Stück wieder in der Hütte auslegen wobei er schon jetzt davon ausgeht, „dass wir wegen der vielen Eintragungen bald ein neues Hüttenbuch anschaffen müssen“.

Hüttenbuch gestohlen

Anfang dieses Jahres hatte Siegfried Dickel die Idee, ein Hüttenbuch in der Schutzhütte, die direkt an dem Babywald liegt, für Eintragungen und Meinungen auszulegen. Der Plan klappte und er klappte auch wieder nicht.

Es waren unliebsame Zeitgenossen, die als Diebe den Neuenrader richtig wütend machten. Sie hatten das erste Hüttenbuch gestohlen – aus welchen Gründen auch immer. Bis dato ist es nicht wieder aufgetaucht. Aber Siegfried Dickel ließ sich nicht entmutigen, obwohl er sich den Diebstahl bis heute nicht erklären kann. Ein neues Hüttenbuch wurde angeschafft und mit einer stabilen Kette in der Schutzhütte relativ gut gegen Diebstahl gesichert.

Sowohl die neue Diebstahlsicherung als auch das aus stabilem Karton bestehende Deckblatt mit aufgedruckten derben, sauerländischen Wörtern – zum Beispiel „Ich krich die Pimpernellen...“ oder „Kannse ma sehen“ – aus dem Woll-Verlag hat den Nerv der Menschen getroffen und sie angesprochen.

Was folgte, waren und sind Einträge ins Hüttenbuch, die überwiegend persönliche Eindrücke wiedergeben und häufig auch von Emotionen geprägt sind. Mal sind es kurze Sätze, mal auch halbe Romane über Mutter Natur und deren Schönheit geschrieben, und dann sind es wieder Zeichnungen, die als Ergänzungen zum Text beigefügt sind.

Der Blick ins Hüttenbuch mit seinen Eintragungen zeigt einen Querschnitt durch die Bevölkerung. Lina und Frank verewigten sich vergangene Pfingsten in dem Hüttenbuch, schwärmten von „einer schönen Wanderung“.

Der kleine Miguel zeigte mit wenigen Worten seine „Liebe als BVB-Fan“ und ein waschechter Neuenrader vertritt mit seinem Eintrag die Meinung, dass „in eine graute Buchse auch ein grauter Äss gehört“. Dass die Schutzhütte auch ihrer Funktion als Schutzhütte gerecht wird, bescheinigen ihr Charline und Recki, die dort „ein Gewitter überstanden“ und Melissa und Pascal wissen die Sitzbank in der Schutzhütte zu schätzen, nachdem sie sich „übelst verlaufen haben“.

Selbst einige Kameraden der Neuenrader Feuerwehr schwärmen von der Schutzhütte, die ihnen offenbar als Sammelpunkt zur Vorbereitung des AOK-Firmenlaufs in Lüdenscheid gedient hat, und die Schüler der Klasse 3b der Dahler Grundschule verewigten sich mit ihren Vornamen ebenso in dem Hüttenbuch, wie eine nicht näher bekannte junge Dame, die mit „Max, ich liebe dich“ für romantische Worte gesorgt hat. Und es gibt Eintragungen von Herrchen und Frauchen, die mit ihren vierbeinigen Lieblingen Natur und Landschaft auf dem Sauerlandhöhenflug schätzen.

Geradezu rührend liest sich das menschlich-tierische Statement, mit dem ein Frauchen bekundet „fröhlich wie immer mit unserem Wuff-Wuff unterwegs zu sein“. Die Schutzhütte am Babywald dürfte inzwischen – zumindest bei einigen Leuten – auch in weiten Teilen der Welt bekannt sein. Ingrid und Bruce aus dem fernen australischen Sydney bescheinigten, dass „es hier auch schön ist“ und „from Ottawa in Canada“ und „Tuscon aus dem amerikanischen Bundesstaat Arizona“ gab es gleich Zustimmung von Jundle, Sue und Andrea.

Positiv aufgenommen wird auch der in der Hütte ausliegende Flyer, der über Spazierwege auf dem Kohlberg informiert und im Blickpunkt neuer Besucher ist.

Auch das in der Hütte ausgehängte große Info-Plakat „Gesammelte Sagen rund um Neuenrade“ (unter anderem mit „Roden-Hennes“-Hinweis) steht bei Wanderern und Naturliebhabern hoch im Kurs.