Hilfe für Menschen im Slum „Flora Tristan“

Neuenrade..  Das Slumviertel Flora Tristan am Rande der peruanischen Stadt Arequipa wird vielen Menschen nicht bekannt sein. Auch Tamara Lowe (33) war diese Region im Süden von Peru bis zum April letzten Jahres nicht bekannt, vor allem nicht das Slumviertel Flora Tristan. Das hat sich geändert. Die Neuenraderin arbeitet dort für die Nicht-Regierungs-Organisation HOOP, ist für die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Einblick in Entwicklungsarbeit

Dass Tamara Lowe, die an der Uni Dortmund Kommunikation/Medien studierte, ihre Fähigkeiten in den Dienst einer humanitären Organisation stellt, ist auch darauf zurückzuführen, dass sie während des Studiums ihren Mann kennen und lieben lernte. Aus Tamara Braun wurde Tamara Lowe, sie folgte ihrem Mann nach England, arbeitete für das britische Finanz- und Entwicklungsministerium, bekam erstmals Einblick in die Entwicklungsarbeit. Ehrenamtlich engagierte sie sich für Unicef, betreute im englischen Bedford weibliche Asylanten und sammelte fast nebenbei Spenden für amnesty international. Das Engagement blieb haften, nachträglich beurteilt sie es als „erfüllender, als es sonst in meinen Beruf möglich ist.“

Welche Arbeiten unter noch schwierigeren Bedingungen geleistet werden, erlebte sie hautnah 2011/12. Da war sie im fernen Kambodscha für eine kleinere Menschenrechtsorganisation tätig war. Der Begriff Menschenrechte wurde im Alltag zweitrangig, das Unrecht an Menschen war fast normal. Tamara Lowe hielt durch, auch wenn sie dort die Welt nicht ändern konnte. „Geld kannst du in diesem Job nicht verdienen“ zieht sie heute ein Fazit, „außer einem Taschengeld hast du auch noch Glück, wenn dir Essen und Unterkunft gewährt wird. Aber du hast das Gefühl, hier etwas getan, etwas geholfen zu haben.“

Es war die Suche nach dem Neuen, das sie im Frühjahr letzten Jahres nach Peru zur HOOP (= overcome obstacles peru, http://hoopperu.blogspot.co.uk/) zog. Für zwei Monate wollte Tamara Lowe dort bleiben. Wie es aussieht, wird es mindestens ein Jahr werden. In dem Slumviertel Flora Tristan, das nach der französischen Frauenrechtlerin und Sozialistin Flora Tristan (†) benannt ist, engagiert sich die Organisation HOOP wesentlich mit schulischer Bildung, die Kinder (Muttersprache spanisch) werden englisch unterrichtet. Im gerade abgelaufenen Jahr leistete die Organisation fast 7000 Stunden mit englischem Sprachunterricht. Zusätzlich wurde und wird der Englischunterricht für rund zwanzig Mütter gegeben, erstmalig konnte den Müttern auch eine Art BWL-Kurs angeboten werden, um ihnen die Möglichkeiten zur Führung eines Kleinstunternehmens und damit etwas mehr Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Mit ins humanitäre Hilfsboot konnte die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ genommen werden, gleiches gilt auch für „Zahnärzte ohne Grenzen“. Aus den Spendengeldern konnte HOOP im letzten Jahr 63 weitere medizinische Behandlungen an Kindern finanzieren. Die Arbeit von HOOP scheint anzukommen, der Unterricht in einer mühsam erbauten Schule trägt Früchte, Kinder aus dem Slumviertel werden von den Eltern zum Unterricht geschickt – auch wenn die Kinderarbeit noch nicht vollständig verschwunden ist. Die Gesundheitsvorsorge fällt bei Müttern mit ihren Kindern auf eine gute Resonanz und ganz besonders stolz sind die HOOP-Mitarbeiter, wenn sie sehen, wie sich ihre Projekte entwickeln.

Gefährliche Arbeit

Dennoch ist der Unterschied zwischen arm und reich groß. Neben der Landwirtschaft arbeiten die Männer in Minen. Eine gefährliche Arbeit, die auch noch schlecht entlohnt wird. Unglücke in den Minen sind keine Seltenheit, die Sicherheit der Arbeiter rangiert unten, die Arbeit in der Mine kostet Lebensjahre. Ein weiteres Problem ist das traditionelle Denken in dem Slumviertel, zu häufig wird Machogehabe mit Gewalt und Alkohol umgesetzt.

Aber es gibt positive Dinge, die HOOP mit seinem Engagement auflisten kann: In den Köpfen der Menschen setzt ein Umdenken ein, zwar langsam, aber sie erkennen, dass Wissen zum besseren Leben beitragen und eine bestimmte Unabhängigkeit möglich machen kann. Es sind überwiegend Privatleute, die der Nichtregierungs-Organisation Geld spenden.

Rund 2500 Euro im Monat sind erforderlich, um den HOOP-Betrieb in dem Slumviertel aufrecht zu erhalten (zum Beispiel auch Gehälter, Betrieb Schule / Bücher). Ein Betrag, der gering erscheint – in dem Slumviertel Flora Tristan für die dort lebenden Menschen unglaublich viel bewirkt.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE