„Hand in Hand die Probleme lösen“

Von links: Bernd Grunwald, Landrat Thomas Gemke und Özkan Güler.
Von links: Bernd Grunwald, Landrat Thomas Gemke und Özkan Güler.
Foto: Richard Elmerhaus

Balve..  Die Zahl der Angriffe auf muslimische Gotteshäuser ist in den vergangenen Jahren gestiegen. „Die Islamophobie, der Terror im Namen des Islam und auch die Pegida-Demonstrationen sind nicht zu unterschätzen“, warnt Özkan Güler, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde (Ditib) zu Balve. Güler lud jetzt die Vorsitzenden diverser Ditib-Gemeinden im Kreis, den Vorsitzenden des kommunalen Integrationszentrums im Märkischen Kreis, Bernd Grunwald, und Landrat Thomas Gemke in die Balver Moschee ein. Das Ziel: Probleme bei der Integration aufzudecken und Lösungsansätze zu finden.

Von Beginn an war zu spüren, wie wichtig das Thema Integration den Diskussions-­
teilnehmern war. Intoleranz sei kein Kavaliersdelikt, waren sie sich einig. Hacer Sepetci (Ditib Menden) berichtete, wie junge türkische Mädchen von Freizeitaktivitäten ausgeschlossen würden. Yalcin Geyhan, junger Jurist aus Balve, schilderte ein Erlebnis im Gericht, als ihm ein Richter gesagt habe, „dass die Türken hier normalerweise auf der Anklagebank säßen“ und nicht als Verteidiger. „Das war natürlich ein ziemlicher Schock“, sagte Yalcin Geyhan.

Obwohl es in Einzelfällen zu Intoleranz käme, sei der Märkische Kreis im Vergleich zu anderen Kommunen weltoffen und friedlich, betonte Landrat Thomas Gemke. „Diese Ruhe sollte aber nicht als Grund zum Stillstand angesehen werden“, warnte Hacer Sepetci. Die Integrationslotsin der Stadt Menden sprach sich für den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen und mehr gemeinsame Veranstaltungen aus. „Leider“ habe ein Tag der offenen Tür in seiner Gemeinde aber nur wenige Menschen angelockt, berichtete Ferhattin Alptekin, Ditib-Vorsitzender aus Werdohl.

Jugendliche vor Fanatikern schützen

Ein heikles Thema der Gesprächsrunde war der „Krieg im Namen des Islam“. „Terrorismus ist nicht zu rechtfertigen“, stellte Fedai Yapici, Imam der türkisch-islamischen Gemeinde zu Balve, unmissverständlich klar. Schon der Prophet Mohammed habe zu Lebzeiten gelehrt, dass man seine Mitbürger so behandeln solle, wie man selbst behandelt werden will. Außerdem lehre der Islam, allen Menschen, egal welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören, mit Gerechtigkeit und Liebe zu begegnen. Der Imam mahnte, dass es Pflicht der Gesellschaft sei, vor allem Jugendliche vor Fanatikern aller Art, egal ob vor Rechten oder Gruppierungen wie dem Islamischen Staat, zu schützen.

Integrationsräte

„Manchmal hat man leider den Eindruck, der Staat kümmert sich mehr um die Integration von Flüchtlingen, als um den Erhalt und die Integration der hier geborenen, jungen Menschen“, sagte Hacer Sepetci. Eine Form von Mitbestimmung junger und älterer Menschen könnten zum Beispiel Integrationsräte sein. Eine gute Idee, befand Landrat Thomas Gemke, fügte aber an, dass die Erfahrung zeige, dass die Wahlbeteiligung bei Integrationsräten sehr gering sei.

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darin, wie das Zusammenleben der Kulturen im Märkischen Kreis gefördert werden könne: Zum Beispiel in Form von gemeinsamen Veranstaltungen oder öffentlichen Diskussionen, wie es sie in Hemer unter dem Motto „Ich bin Hemer“ gibt, oder gegenseitigen Besuchen von Gotteshäusern. „Nur Hand in Hand können wir die Probleme lösen“, sagte Bernd Grunwald vom Integrationszentrum. „Man sollte die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund stellen, und nicht die Unterschiede“, betonte Landrat Thomas Gemke. „Der Dialog muss fortgeführt werden.“