Gottes Wort ist mehr als Belletristik

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Balve..  Die Bibel ist nicht einfach ein Buch, das sich von irgendwem leicht übersetzen lassen könnte. „Gottes Wort ist nicht einfach nur Belletristik, dadurch hat man einen völlig anderen Anspruch an eine Übersetzung“, sagt Michael Lehnert vor der Christusgemeinde Balve. Wer sind die Übersetzer? Welcher Quellen bedienten sie sich – und welche Bibel-Übersetzung ist nun die, deren Texte tatsächlich dem Wort Gottes entsprechen? Fragestellungen, auf die Referent Michael Lehnert im Gemeindehaus der Christusgemeinde Antworten geben wollte.

Blick auf die Quellen

Mehr als 25 Jahre hat er sich mit verschiedenen Übersetzungen und deren Verfassern beschäftigt und lieferte den 50 interessierten Besuchern des Vortrags einen Einstieg in die Materie. „Zunächst einmal bedarf es einer grundsätzlichen Überlegung, um zu verstehen, warum es so viele verschiedene Übersetzungen gibt“, sagt Lehnert. Ausgangspunkt sei die Vielzahl an Einzelquellen.

So weiß die heutige Forschung, dass die Bibel, wie wir sie kennen, aus 5700 Handschriften, 9000 Manuskripten von Übersetzungen und 36 000 Zitaten der Kirchenväter zusammengestellt wurde. Eine gewaltige Menge an Quellen also, bei deren Verwendung sich durchaus auch Fehler einschleichen können. Denn: „Die perfekte Bibelübersetzung gibt es nicht“, erklärt Michael Lehnert. Selbst heruntergebrochen auf die Texte des Alten Testamentes müsste man sich darüber im Klaren sein, dass die Grundtexte in hebräischer Sprache verfasst worden sind, aufgezeichnet von den Masoreten, hebräischen Gelehrten. „Schriftrollen des masoretischen Textes des jüdischen Tanach bilden die frühesten Überlieferungen des Alten Testamentes“.

Jener Texte bedienten sich auch die Hellenen, die die Septuaginta - die Bibel des Frühchristentums - in griechischer Sprache vorlegten. Letztere bildet eine Quelle des Alten Testamentes für spätere, bekannte Übersetzungen in andere Sprachen.

„Über die Quellen des Neuen Testamentes wissen wir heute noch mehr, weil viele weitere Schriften sogar noch im 19. und 20. Jahrhundert gefunden wurden.

Zum Vergleich: 1516 waren erst sechs Handschriften bekannt, die als Quelle dienten“, so Lehnert. Zu unterscheiden seien außerdem wörtliche und allgemein verständliche Übersetzungen.

Keine wesentlichen Abweichungen

Lehnerts Resümee: „Basierend auf dem Mehrheitstext lassen sich nur fünf Prozent an tatsächlichen Abweichungen bei den populären Übersetzungen feststellen. Keine davon betrifft die wesentlichen Lehren.“