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Buch zu „Schwalbe 1“

Gefangene gruben Stollen in die Felsen des Hönnetals

09.01.2012 | 07:00 Uhr
Gefangene gruben Stollen in die Felsen des Hönnetals
Noch heute sind Reste der Anlagen im Hönnetal zu sehen. Doch fertiggestellt wurde „Schwalbe 1“ nie.

Hönnetal.   Im Steinbruch Emil im Hönnetal legte die Organisation Todt Stollen an, um darin später Benzin aus Kohlenteer zu gewinnen. Horst Hassel und Horst Klötzer nannten ihr Buch über dieses Projekt „Kein Düsenjägersprit aus ‚Schwalbe 1’“.

(sim) Sie sollte eine der größten unterirdischen Rüstungsanlagen des untergehenden Nazi-Reiches werden. Im Steinbruch Emil im Hönnetal legte die Organisation Todt, zuständig für die Rüstungsbauten, Stollen an, um darin später Benzin aus Kohlenteer zu gewinnen. Doch das Projekt, das viele Menschen das Leben kostete, kam um Jahre zu spät. So nannten Horst Hassel und Horst Klötzer ihr Buch über dieses Projekt folgerichtig „Kein Düsenjägersprit aus ‚Schwalbe 1’“.

In ihrem 226 Seiten umfassenden Werk stellen Klötzer und Hassel detailliert die Vorgeschichte des Rüstungsprojektes vor. Nachdem oberirdische Produktionsanlagen dem systematischen Bombardement der englischen und amerikanischen Luftwaffe zum Opfer gefallen waren, sollte die deutsche Industrie ihre Arbeit in unterirdischen Stollen, geschützt vor den Angriffen feindlicher Flieger, fortsetzen. Eine Schlüsselindustrie war die Herstellung von Flugbenzin, das aus Kohle, bzw. Kohlenteer gewonnen werden sollte. In diesem Zusammenhang war auch die Anlage im Hönnetal geplant.

Die beiden Autoren haben sich zahlreiche Quellen zugänglich gemacht und wurden unter anderem von der Firma „Rheinkalk“ unterstützt. Die Kalkwerke mussten im Jahr 1944 das Gelände zur Verfügung stellen, waren aber am Projekt nicht unmittelbar beteiligt.

Nach Tagebüchern, Briefen und Berichten konnten Horst Klötzer und Horst Hassel ausführlich die Geschichte von „Schwalbe 1“ vorstellen. Sie zeigen auf, mit welchen bergbaulichen Schwierigkeiten die Planer zu kämpfen hatten und wie sich der zunehmende Mangel an Material auf den Baufortschritt auswirkte. Zudem interviewten sie Zeitzeugen und machten sich selbst auf Spurensuche im Gelände, wobei sie die Reste des Schwalbe-Projektes mit Fotos dokumentierten. Diese Spuren ziehen sich heute noch von der Ruhr, wo Wasser für „Schwalbe 1“ entnommen werden sollte, über das Biebertal bis nach Balve.

Großen Raum widmet das Buch auch den Arbeitern, die beim Bau der Stollen eingesetzt wurden. Deutsche Gefangene kamen ebenso zum Einsatz wie Zwangsarbeiter aus anderen Ländern. Sie alle mussten unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten, und viele von ihnen verloren ihr Leben. Sowohl Unterlagen von Ärzten als auch Berichte von Zeitzeugen liegen über diese Ereignisse vor. Untergebracht war ein Großteil der Zwangsarbeiter in einem Lager im Biebertal und in Baracken nahe des Bahnhofs Sanssouci. In Oberrödinghausen wurden Baracken für Zwangsarbeiter auf dem Fundament der geplanten Kirche errichtet.

Bei ihrer Spurensuche dokumentieren die Autoren auch, wie weit die Arbeiten bei Kriegsende gediehen waren. Nur ein Teil der Stollen war in den Fels getrieben, Mitten in der Bauphase beendete der Vormarsch der Amerikaner im April 1945 die Arbeiten. Das letzte Kapitel ihres Buches widmen Hassel und Klötzer der Liquidierung des Schwalbe-Projektes.

Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der LWL Archäologie für Westfalen hat sich Horst Klötzer bereits als Entdecker von wichtigen Fundplätzen mit Artefakten der Alt- und Mittelsteinzeit einen Namen gemacht. Horst Hassel arbeitete als Journalist und widmet sich der Bergbauforschung im Sauerland.

Das Buch „Kein Düsenjägersprit aus ,Schwalbe 1’“ ist für 19,95 Euro bei Zimmermann Druck und Verlag in Balve zu beziehen.

Wolfgang Simon

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2012-01-09 07:00
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