„Flüchtlinge werden das Gesicht Europas verändern“

Neuenrade..  Einmal im Jahr lädt die Volksbank im Märkischen Kreis einen prominenten Referenten mit einem Vortrag zu aktuellen Themen ein. Ausgangspunkt für die Wahl des diesjährigen Gastes waren die aktuellen Krisenherde.

Volksbank-Vorstandssprecher Karl-Michael Dommes verwies auf die instabile bis kriegerische Lage in vielen Weltregionen und die Erosion der überkommenen Parteienlandschaft in Europa, wo sich vor allem am rechten und linken Rand neue Parteien bilden. Zur Beantwortung der Frage„Was heißt das alles für uns?“ hatte die Volksbank den Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel in den Kaisergarten eingeladen, wo er vor Mitarbeitern und geladenen Gästen der Volksbank über den weltweiten Strukturwandel sprach. „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden sich verändern“, lautete die Botschaft seiner Bestandsaufnahme, die Meinhard Miegel mit reichem Zahlenmaterial belegte. Prognosen sehen einen Bedeutungsverlust der Europäer voraus, deren Anteil an der Weltbevölkerung im Laufe des 21. Jahrhunderts kontinuierlich sinken werde – von heute noch elf Prozent auf etwa vier Prozent. Im gleichen Zeitraum wird die Bevölkerung in Afrika sich voraussichtlich auf vier Milliarden Menschen verdreifachen.

Schon heute veranschaulichen die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer die Auswirkungen extremer Ungleichgewichte zwischen Europa und Afrika.

Nach den Prognosen ist das nur der Anfang von Wanderungsbewegungen, die Europas Gesicht verändern werden: „Ende des Jahrhunderts wird ein Viertel der Europäer Mandelaugen oder schwarze Hautfarbe haben.“ Mit reichem Zahlenmaterial verdeutlichte Meinhard Miegel die extremen Ungleichgewichte bei der Verteilung des weltweit erzeugten Reichtums.

In Europa sei die Reaktion auf die wachsenden Flüchtlingsströme „verhaltene Abwehr“, in die sich eine Ahnung mische, dass man einen Teil der Zuwanderer zukünftig benötige. Offene Arme seien dabei nicht immer zu erwarten: „Mit Fremden auszukommen – das ist eine große kulturelle Leistung und keineswegs selbstverständlich.“ Voraussetzung für eine

solche Haltung sei es, „seiner selbst gewiss zu sein“.

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