„Es muss nicht immer gemeinsames Essen sein“

Necmi Tanrikulu (rechts) grillt „Halal“ für die Gäste. Es gibt Geflügelwürstchen, Rinderfrikadellen und Lammfleisch beim gemeinsamen Mittagessen mit dem Bündnis für Flüchtlinge.
Necmi Tanrikulu (rechts) grillt „Halal“ für die Gäste. Es gibt Geflügelwürstchen, Rinderfrikadellen und Lammfleisch beim gemeinsamen Mittagessen mit dem Bündnis für Flüchtlinge.
Foto: Steffie Friske

Balve..  „Wir wünschen uns, dass wir uns gegenseitig besser kennen lernen und Integration leben.“ So fasste Birgit Schäfer vom Bündnis für Flüchtlinge das Ziel des gemeinsamen Grillens zusammen. Denn zu einem leckeren Essen hatte das Bündnis die Flüchtlinge in Balve am Samstagmittag in die Hauptschule eingeladen. Auch dieses Mal kamen etwa 20 Flüchtlinge, um mit 25 deutschen Gastgebern die Tafel zu teilen.

„Es waren aber nicht die gleichen Leute wie beim ersten Mal. Es gab viele neue Gesichter“, sagt Birgit Schäfer. Im Balver Stadtgebiet leben derzeit rund 90 Flüchtlinge. Die Einladung für die Aktionen des Bündnisses erhalten sie von Seiten der Stadt. „Die Malteser, die auch im Bündnis für Flüchtlinge aktiv sind, holen die Teilnehmer mit Bussen von ihren Wohnorten ab“, erklärt Birgit Schäfer. So können auch die Flüchtlinge aus Beckum und Garbeck am Grillen teilnehmen.

Fehlende gemeinsame Sprache

Eine Hürde beim Kennenlernen bildet die fehlende gemeinsame Sprache: Einige Menschen sprechen rudimentäres Englisch, doch ansonsten ist bei der Verständigung die Fantasie gefragt. „Wir bräuchten eigentlich noch jemanden, der zum Beispiel Arabisch spricht“, wünscht sich Birgit Schäfer.

Die Gastgeber haben ein buntes Salatbuffet gezaubert, am Grill steht der türkischstämmige Necmi Tanrikulu. „Wenn ich grille, dann können die Leute sicher sein, dass das Fleisch tatsächlich Halal ist“, verspricht er, dass das Grillfleisch nach den islamischen religiösen Ernährungsvorschriften hergestellt wurde. „Wir beziehen das Fleisch dazu eigens von einem Fachgeschäft in Werdohl“, so Necmi Tanrikulu.

Zwar wollte man die Kohlen erst unter freiem Himmel auf dem Schulhof anzünden, doch unter dem Pavillon der IG Garbeck geht es mindestens genauso gut. Gegessen wurde dann in der Cafeteria der Hauptschule. Auf dem Grill liegen Würstchen aus Geflügelfleisch, Frikadellen vom Rind, Spieße mit Gemüse und Lammfleisch. Auch eine Stunde nach Beginn ist noch genug auf dem Grill: „Besser man hat zu viel, als zu wenig“, sagt Necmi Tanrikulu.

Aus Marokko, Libyen oder Syrien

Die Menschen kommen aus Marokko, Libyen, Syrien oder Eritrea. „Mein Bruder hat mir von der Aktion erzählt. Ich komme gerne, das Essen schmeckt sehr gut“, lobt einer der Gäste, der aus Mazedonien stammt und seit drei Wochen in Deutschland ist. Seine Eltern kommen von hier, so dass er ein wenig Deutsch spricht. „Ich kann mir vorstellen, wiederzukommen. Es sind nette Leute hier“, lobt er. Die meisten der Geschichten bleiben jedoch unerzählt, zu hoch sind die Sprachbarrieren. Doch gemeinsam an einem Tisch zu sitzen, ist schon einmal der Anfang von Verständigung. „Es muss ja nicht immer gemeinsames Essen sein“, sagt Birgit Schäfer, „aber irgendeine Veranstaltung für die Flüchtlinge wollen wir nun alle vier Wochen anbieten.“