Erzählungen aus einer fremden Welt

Balve..  Die Verursacher sitzen im Norden, die Leidtragenden im Süden – dieses Ungleichgewicht ist vielleicht dafür verantwortlich, dass das Umdenken in Sachen Klimawandel im Westen so lange dauert. Die Folgen dieser nach Meinung vieler Forscher durch den Menschen verursachten Entwicklung führte auf Einladung der Dritte-Welt-Gruppe und des Kolpingforums eine Betroffene vor Augen. Miraflor „Joy“ Austria war aus den Philippinen zu Gast und hatte ganz persönliche Bilder und Geschichten für die Zuhörer parat.

„Die Motivation für meine Arbeit ziehe ich aus meiner eigenen Vergangenheit. Ich gehöre selbst zu einer Minderheit, ich kann die Nöte der Badjao nachempfinden und ich weiß, was es heißt, arm zu sein“, stimmte sie die Zuhörer ein.

In einer Mischung aus Englisch und der Nationalsprache der Philippinen, Tagalog, erzählte sie aus einer uns sehr fremden Welt, in der Kinder nicht von Spielzeug überladen sind, sondern sich aus Holz Boote schnitzen, mit denen sie der Fischerwelt der Großen nacheifern. In der ein Mädchen erzählt, dass sie in der Schule aufpasst, damit sie eine gute Stelle findet und „meinem Vater ein großes Fischerboot kaufen kann.“ Und in der ein Wasserstandsanzeiger mit verschiedenen Farbstufen anzeigt, wann es Zeit ist zu fliehen. Bei Orange heißt es bereit sein, bei Rot Habseligkeiten zusammenpacken und laufen.

Wetterextremen ausgesetzt

Auch die katholische Hilfsorganisation Misereor hat bei der diesjährigen Fastenaktion das Augenmerk auf das Schicksal der Fischerfamilien auf den Philippinen gelegt. Sie sind eine der ärmsten Bevölkerungsgruppen des Landes. Die Philippinen bestehen aus mehr als 7000 Inseln, so dass viele Menschen sich hier auf die Küstenregionen konzentrieren und damit den Wetterextremen unmittelbar ausgesetzt sind.

Menschen sensibilisieren

Miraflor Austria ist Sozialarbeiterin mit engen Kontakten zu indigenen Gruppen wie den Seenomaden der Badjao und Fischerfamilien. In Deutschland reist sie von Stadt zu Stadt, um die Menschen hier für ihr Thema zu sensibilisieren. Nach Balve ist sie gern auf Einladung der Dritte-Welt-Gruppe gekommen. In Deutschland hat sie ihren allerersten Schnee erlebt. „Ich musste zum Fenster gehen und die Flocken mit den Händen berühren“, erinnert sie sich und lacht. Auch langärmelige Pullover, zu denen man ihr für die Reise geraten hatte, musste sie erst besorgen. In Balve machte sie deutlich: „Der Klimawandel findet statt. Auf den Philippinen können wir seine Auswirkungen täglich erleben. Aber ich bin überzeugt, dass Phänomene wie Taifune eines Tages auch Deutschland heimsuchen können.“

Komplexe Hintergründe

Natürlich wirken die Berichte von den auf Stelzen gebauten Häusern der philippinischen Küsten weit weg von den Balver Eigenheimen. Ziel des Abends sei es auch nicht, die komplexen wissenschaftlichen Hintergründe des Phänomens „Klimawandel“ zu erforschen. „Wir haben unser Ziel erreicht, wenn jeder Einzelne nachdenkt, wie er ein Stück weit Verantwortung übernehmen kann“, machte Heinz Rapp von der Dritte-Welt-Gruppe klar. „Wir wollen Gottes Schöpfung bewahren. Dazu kann jeder Einzelne beitragen“, war er überzeugt.

Ökumenischer Pilgermarsch

Ulrich Klauke von der Hauptabteilung Pastorale Dienste des Erzbistums Paderborn kann ihm da nur beipflichten: „Der Klimawandel geht vor allem zu Lasten der Armen.“ Wer sich und der Öffentlichkeit das Thema noch einmal deutlich machen will, kann dies „laufend“ tun: Ein ökumenischer Pilgermarsch soll auch durch das Erzbistum Paderborn führen. Detaillierte Infos dazu gibt es unter www.klimapilgern.de. So führt ein langer Weg nicht nur zu sich selbst, sondern zu mehr Klimagerechtigkeit.