„Der Priester wird zu einer Art Spielertrainer“

Dr. Hans Hobelsberger.
Dr. Hans Hobelsberger.
Foto: Claudia Heinemann
Was wir bereits wissen
„Stillstand ist der Tod“, das weiß nicht nur Herbert Grönemeyer in seinem Song „Bleibt alles anders“ – dessen ist sich auch die Kirche bewusst und will sich verändern und weiterentwickeln.

Balve..  Nicht zuletzt aus diesem Grund hat das Erzbistum Paderborn die zehnjährige Beratung in der „Perspektive 2014“ in ein neues Zukunftsbild umgesetzt, das Erzbischof Hans-Josef Becker im Oktober des vergangenen Jahres mit seiner Unterschrift in Kraft gesetzt hat.

Dahinter verbergen sich unter anderem theologische und pastorale Leitmotive, die künftig im Vordergrund stehen sollen, damit die Kirche vor Ort auch weiterhin eine Zukunft hat. Was sich inhaltlich hinter den neuen Leitmotiven verbirgt, wie sie umgesetzt oder aber auch fortgeschrieben werden können, das erklärte Dr. Hans Hobelsberger, Professor für Pastoraltheologie an der Katholischen Fachhochschule Paderborn, der auf Einladung der Balver Kirchengemeinde als Referent zu einem Workshoptag zum Thema „Zukunftsbild“ in das Balver Pfarrheim anreiste.

Mit dabei waren auch zahlreiche Mitglieder aus dem Kirchenvorstand, dem Pfarrgemeinderat und natürlich die Pastöre sowie viele weitere engagierte Christen, die sich zunächst der Ist-Situation vor Ort annahmen. „Wie ist Ihre Wahrnehmung? Was passiert hier vor Ort“, lautete die zentrale Frage, die die Teilnehmer unter der Anleitung von Hobelsberger in Kleingruppen reflektierten und erarbeiteten, bevor der Pastoraltheologe die zen­tralen Inhalte der Leitmotive vorstellte.

Neu ist zum Beispiel die Stellung des Priesters, der im alten Bild als zentrales Element jeder Gemeinde verstanden wurde. Im Mittelpunkt steht nun die Eucharistie und Gottes Wort. Das Erzbistum beschreibt diesen Aspekt wie folgt: „Von zentraler Bedeutung für die Zukunft der Kirche wird ein umfassend verstandenes Berufungsverständnis sein, das die grundlegende Mitwirkung aller Getauften an der Sendung der Kirche bejaht und das Miteinander der verschiedenen Ämter, Dienste, Berufungen und Charismen auf allen Ebenen der Kirche unterstützt.“ „Dadurch wird der Priester zu einer Art Spielertrainer“, beschreibt Pfarrer Andreas Schulte das neue Rollenverständnis.

„Jugendliche geben Themen vor“

Die pastorale Arbeit selbst wurde ebenfalls auf den Prüfstand gestellt. „Sie muss mehr an der Begegnung und der Konfrontation mit den Existenzen und dem Evangelium ansetzten“, weiß Dr. Hans Hobelsberger. „Wenn wir etwa die 14-jährigen pubertierenden Jugendlichen erreichen wollen, dann müssen wir mit denen ‚nichts Schönes‘ machen, sondern da sein, wo es spannend wird. Sie geben uns die Themen vor.“

Seiner Meinung nach müsse sich die katholische Kirche außerdem gastfreundlicher zeigen – auch anderen Religionen gegenüber. „Wir dürfen nicht so rüberkommen, als seien wir das ‚non plus ultra‘, stattdessen müssen wir uns bewusst machen: auch im Fremden begegnet uns Gott.“ Dies sind nur wenige Beispiele eines umfangreichen Konzeptes, das am Wochenende in Balve im Detail erörtert wurde.

Das Zukunftsbild für das Erzbistum Paderborn ist keine Sammlung von Regelungen, sondern vielmehr eine Richtungsanzeige für die Entwicklung des Erzbistums in den kommenden Jahren, die eine Anpassungszeit voraussetzt. Pfarrer Schulte ist sich schon jetzt sicher: „Wir sind in Balve auf einem guten Weg.“