Der Herr der Millionen Schweißperlen tritt ab

Karl Würminghausen.
Karl Würminghausen.
Foto: Richard Elmerhaus
Was wir bereits wissen
Fast 45 Jahre lang hat Karl Würminghausen (71) den Besuchern der Sauna mächtig eingeheizt. Er galt in der großen Saunafamilie als der Herr der Millionen Schweißperlen, denn der Saunameister versteht sein Handwerk ausgezeichnet. Er wusste sehr genau, wann und in welcher Form ein Aufguss angebracht ist.

Balve..  Als am 13. August 1971 der Luftschutzbunker im Murmke-Schwimmbad erstmals als Sauna genutzt wird, sind es Karl und Brunhilde Würminghausen, die die Aufsicht in der Herren- und Damen-Sauna übernehmen. „Eine gemischte Sauna gab es nicht im katholischen Balve“, erzählt Karl Würminghausen, der sich gern an seine Arbeit erinnert.

Beim Blick in den Rückspiegel erzählt er, dass viele Balver in der Sauna etwas für ihre Gesundheit, aber auch für ihre Seele getan haben. Denn nur schwitzen und dann ab ins kalte Tauchbecken, damit war es nicht getan. „Wir sind in all den Jahren zu einer großen Saunafamilie zusammen gewachsen. Es sind etliche Freundschaften geschlossen worden“, sagt Karl Würminghausen, der sich ebenso wie die Saunisten an den zahlreichen Gesprächen beteiligte. Zeitweise wurde mit soviel Herzblut diskutiert, dass er daran erinnern musste: „Die Sauna ist immer noch für Euch an.“

Dass sich der Besuch der städtischen Sauna zu einem Muss entwickelte, lag sicherlich auch daran, weil sich Menschen aus allen Schichten im Schweiße ihres Angesichtes und nackt wie Gott sie schuf trafen, um etwas für ihre Gesundheit zu tun, aber auch, um sich über Gott und die Welt zu unterhalten. Das führte in den 70er Jahren dazu, dass ein hochrangiger Verwaltungsbeamter nach einer hitzigen Diskussion vorübergehend nach Sundern fuhr, um dort zu saunieren. Als nach etwa 20 Jahren der Preis von vier auf sechs Mark angehoben wurde, war einer der Sauna-Gäste so verärgert, dass er woanders hinfuhr. Hier musste er allerdings fast das doppelte bezahlen.

An all diese Begebenheiten und die verschiedenen Riten der Saunabesucher erinnert sich Karl Würminghausen sehr gerne und erzählt uns noch ein Döneken: „Der damalige Stadtdirektor kam von einem Bauernhof. Und weil wir kein Tauchbecken hatten, schlug er vor, eine ehemalige Zinkwanne, in der die Schweine geschrubbt worden sind, nach Balve zu holen. Davon wollten wir aber nichts wissen. Stattdessen haben wir Geld zusammengeworfen und in Eigenleistung ein Tauchbecken gebaut, das es sonst in keiner Sauna weit und breit gab“, sagt Karl Würminghausen mit etwas Stolz in der Stimme.

Seine Stimme erhält jedoch einen anderen Klang, als er auf den Grund für die Schließung der Sauna zum 31. März 2015 kommt. „Der Märkische Kreis fordert nach mehr als 40 Jahren jetzt einen Notausgang und eine feuerfeste Eingangstür für die Sauna, und das in einem Luftschutzbunker“, schüttelt Karl Würminghausen den Kopf und ärgert sich, dass er nicht bei der Begehung der Sauna dabei war. „Hier handelt es sich um einen Luftschutzbunker, auch heute noch. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Wie ein schöner Stammtisch

Karl Würminghausen hätte gern als Saunameister weiter gemacht. Da die Stadt Balve jedoch nicht bereit ist, 30 000 Euro in die Sauna zu investieren, hat er sich mit ihr darauf geeinigt, den Arbeitsvertrag im beiderseitigen Einvernehmen zum 31. März 2015 zu beenden. „Bereits Ende 2014 wollte der Märkische Kreis unsere Sauna schließen“, so Würminghausen und fügt hinzu: „Das Ende der Sauna fällt mir schwer, denn sie war wie ein schöner Stammtisch, an dem wir oftmals die Zeit vergessen haben.“