„Der Fachhandel hält noch fest zusammen“

Rolf Biggemann ist Vorsitzender des Balver Fachhandels.
Rolf Biggemann ist Vorsitzender des Balver Fachhandels.
Foto: WP

Balve..  Im Fernsehen feiern Formate wie „Shopping-Queen“ Quotenerfolge, der ifo-Geschäftsklima-Index steigt, und Rekordbeschäftigung sowie steigende Löhne kurbeln den Konsum an. Trotzdem reißen bundesweit Hiobsbotschaften über erhebliche Umsatzrückgänge im Einzelhandel und verödende Innenstädte nicht ab. Auch heimische Einzelhändler beobachten das Konsumverhalten ihrer Kunden mit Sorge.

Die Werbegemeinschaft des Balver Einzelhandels kommt in der nächsten Woche zur Jahreshauptversammlung zusammen. Deren 1. Vorsitzender, Rolf Biggemann, stellte sich vorab dieser Zeitung zum Gespräch.

Frage: Herr Biggemann, wie hat sich der heimische Fachhandel im vergangenen Jahr entwickelt?

Rolf Biggemann: Alles ist schwieriger geworden. Der demografische Wandel und der zunehmende Internethandel gehen auch an Balve nicht spurlos vorbei. Zudem haben wir mehr Leerstände in der Innenstadt zu beklagen. Und leere Läden tun uns allen nicht gut. Aber dieses Problem haben andere Städte auch. Die Sorgen sind überall die gleichen.

Gibt es in Balve auch positive Aspekte?

Natürlich. Die Gemeinschaft funktioniert gut. Der Fachhandel hält noch fest zusammen und schafft es auch in schwierigen Zeiten, die ein oder andere Sache zu stemmen – zum Beispiel den verkaufsoffenen Sonntag oder den Weihnachtsmarkt. Unser Vorstand besteht aus acht Leuten. Und ich muss betonen, dass die ganze Arbeit ohne meine sieben Vorstandskollegen unmöglich wäre. In dem Team läuft es sehr gut. Es wird toll zugearbeitet und die Arbeit macht Spaß.

Was sind die Herausforderungen der Zukunft?

Wir müssen versuchen, die Gemeinschaft Balver Fachhandel weiter so breit aufzustellen. Es ist ganz wichtig, dass möglichst viele Geschäftsleute mitmachen und sich hier engagieren. Es wäre traurig, wenn die Mitgliederzahl weiter sinken würde. Bei Geschäftsschließungen ist das nicht zu ändern, aber Ziel muss es sein, möglichst viele Mitglieder zu haben. Ansonsten wird es immer schwieriger, Veranstaltungen zu stemmen.

Was erhoffen Sie sich vom Stadtentwicklungskonzept, das im vergangenen Jahr erarbeitet wurde?

Es sind da viele gute Ideen gesammelt worden. Aber was davon wann und wie umgesetzt wird, weiß ich leider nicht. Da müssen wir mal abwarten. Aber wir erhoffen uns natürlich ganz konkret positive Auswirkungen auf die Balver Innenstadt.

Was macht die Werbegemeinschaft des Fachhandels, um Balve als Einkaufsstadt attraktiver zu gestalten?

Neben diversen Veranstaltungen, um mehr Leben in die Innenstadt zu bekommen, engagieren wir uns zum Beispiel in Sachen kostenloses Parken. Wir haben den IBS-Parkplatz vom Vorbesitzer übernommen und sind dabei, die Vermarktung zu optimieren. Es ist ein ganz großer Pluspunkt für Balve, dass die Kunden hier genügend kostenlose Parkplätze in direkter Naschbarschaft zu den Geschäften vorfinden. Wer über Werbeschilder auf dem IBS-Parkplatz dieses Bemühen unterstützt, hilft allen Händlern in der Innenstadt.

Was können die Balver Händler noch tun, um Kunden in die Stadt zu locken?

Es wäre schon ein großer Schritt, wenn wir uns auf einheitliche Kernöffnungszeiten verständigen könnten. Dann müssten sich die Leute nicht fragen, ob das Geschäft, in dem sie etwas kaufen möchten, am Mittwochnachmittag nun geöffnet hat oder nicht – und dann im Zweifelsfall erst gar nicht in die Stadt kommen.

Sie dürfen jetzt mal Werbung in eigener Sache machen. Warum sollten Einzelhändler ernsthaft in Erwägung ziehen, sich in Balve anzusiedeln?

Es gibt hier noch viele Kunden, die gerne in Balve einkaufen. Weil der Branchenmix noch nicht optimal ist, gibt es noch Potenzial – zum Beispiel für Heimtextilien, Kindermode oder eine Parfümerie. Gut ist auch, dass unter den Geschäftsleuten ein freundliches Klima herrscht. Man bemüht sich hier – auch füreinander und miteinander. Das Feedback, das wir bekommen, ist gut, und unsere Aktionen sind in der Regel sehr gut besucht. Es kann also nicht alles falsch sein, was wir hier machen.