„Das Wichtigste ist doch: Hier herrscht Frieden“

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Balve..  Sie ist mehr als 4500 Kilometer Luftlinie von Nigeria entfernt. Warum sie ihre Heimat verlassen hat, will die Frau mittleren Alters nicht erzählen. Auch nicht, wie sie nach Deutschland gekommen ist. Zunächst war sie einige Monate lang in München, nun lebt sie seit September in der Flüchtlingsunterkunft in Beckum. Dort, wo auch Menschen aus Syrien, Eritrea und China untergebracht sind. „Ich komme mit allen ganz gut klar“, sagt sie auf Englisch. Deutsch spricht sie nur einzelne Worte, will die „schwere Sprache“ aber unbedingt lernen. Das Mittagessen – gekocht hat die IG Garbeck – ist ein Schritt in die richtige Richtung, um mit anderen Flüchtlingen, aber auch mit Balver Bürgern zu kommunizieren.

Gemüsesuppe – deutsche Geschmacksnerven finden sie lecker, aber nicht alle Asylbewerber sind gleich begeistert – gibt es reichlich. Dazu Brot und Brötchen, Obst, Kaffee, Tee und Milch. Weil der Platz in der Lehrküche der Hauptschule nicht ausreicht, wird kurzerhand umdisponiert. Das erste gemeinsame Mittagessen, das das Bündnis für Flüchtlinge auf die Beine gestellt hat, soll schließlich nicht beengt stattfinden, sondern in gemütlicher Atmosphäre. Also geht es über den Schulhof zur Cafeteria.

Helfer von DRK, THW und Feuerwehr haben die Flüchtlinge nach Balve gebracht. Engelbert Falke vom Kolpingforum hat zwei Menschen sogar privat transportiert. Die Stimmung in der Cafeteria ist gelöst. Klar, die Serben sitzen zusammen, die Mazedonier und auch die Albaner. Geredet wird in gebrochenem Englisch, zur Not mit Händen und Füßen oder mit Dolmetschern, die extra an diesem Morgen zur Hauptschule gekommen sind. Eine, Sabina aus Balve, spricht serbisch. „Die Menschen sind total aufgeschlossen und glücklich, hierhin eingeladen worden zu sein“, sagt Sabina nach etlichen Gesprächen.

Berührungsängste sieht auch Birgit Schäfer von der Kolpingsfamilie Balve keine. „Die Menschen spüren, dass sie willkommen sind. Sie bemühen sich, mit uns zu reden.“ 20 von aktuell 78 Flüchtlingen in Balve sind zum Mittagessen da. „Klar könnten es auch noch ein paar mehr sein“, sagt Birgit Schäfer und ergänzt: „Aber für das erste Mittagessen ist die Resonanz gut. Das soll sich herumsprechen, vielleicht sind es dann beim nächsten Mal mehr.“ Finanziell wird die Aktion zu 90 Prozent von der Diözese in Paderborn unterstützt. „Dort gibt es einen Flüchtlingsfonds“, berichtet Birgit Schäfer. „Unser Antrag ist bewilligt worden.“

Wunsch: Arbeit finden

Auch der Frau aus Nigeria gefällt das Mittagessen. „Die Menschen in Deutschland sind nett“, sagt sie, die ebenso wie die anderen Flüchtlinge am Deutschkursus in Balve teilnimmt. Sie möchte gerne Arbeit finden. „Dafür werden aber viele Dokumente benötigt.“ Die fremde Kultur, die fremde Sprache und das wechselhafte Wetter haben ihr anfangs aufs Gemüt geschlagen. Jetzt nicht mehr. „Das Wichtigste ist doch, hier herrscht Frieden.“