„Bei manchen macht es sogar Klick“

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Balve..  Eigentlich will Jule König Tierpflegerin und Sadija Rexhepi Stewardess werden. Gelandet sind die Achtklässlerinnen der Realschule Balve gestern beim 14. „Girls-Day“ (und dem 5. „Boys-Day“) im Karosserie- und Fahrzeugbauunternehmen Hering. „Ist cool hier“, sagen die Jugendlichen und sind sich einig: „Besser als Schulunterricht.“

Jule König und Sadija Rexhepi gehören zu den insgesamt 126 Jugendlichen der Real- und Hauptschule Balve, die gestern in 45 Betrieben – „ähnlich wie im Vorjahr“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Roswitha Schubert – einen Einblick in den Berufsalltag gewonnen haben.

Nicht Deutsch, Mathe oder Englisch, sondern der „Girls- und Boys-Day“ stand auf dem Unterrichtsplan. Engagiert waren die 71 Jungen, die sich in frauentypischen Berufen einen Einblick verschafften und daher beispielsweise in Kindergärten oder Schulen zu finden waren, und die 55 Mädchen, die in Berufe schnupperten, die generell eher der Männerwelt zugeordnet werden.

Instandsetzung und Aufbereitung

Dass in der Lackiererei des Unternehmens Hering nicht nur Autos, sondern auch Lastkraftwagen und sogar Schiffe auf Vordermann gebracht werden, erfuhren Jule König und Sadija Rexhepi bei einem Rundgang mit Pia Richter, Fahrzeuglackiererin im ersten Ausbildungsjahr, und Fahrzeuglackierer Ralf Hein. „Instandsetzung, Aufbereitung und Schadensbehebung“, berichtete Ralf Hein, sind die Schwerpunkte der Arbeit in der Lackiererei. 30 bis 40 Fahrzeuge – oder „Durchgänge“, wie die Experten sagen – werden pro Woche bearbeitet. „Alles, was Farbe braucht, wird hier gemacht“, sagte Ralf Hein. Damit sie den richtigen Ton finden, konnten Jule König und Sadija Rexhepi testweise Farben mischen.

Ist der „Girls- und Boys-Day“ eine überholte Veranstaltung? „Nein“, sagt Realschulleiterin Nina Fröhling beim Abschlussgespräch im City-Café in Balve, in dem ebenfalls viele Jugendliche schon früh morgens vor dem Backofen standen. „Der Tag ist mehr denn je wichtig, auch, um Schwächen auszugleichen.“ Ein Beispiel? „Früher hätten sich Mädchen kaum getraut, Informatik zu wählen. Die Zahl der an Informatik interessierten Schülerinnen nimmt jetzt aber stetig zu.“ Der „Girls- und Boys-Day“ sei der erste Berührungspunkt, den die 13- und 14-Jährigen in Hinblick auf das Berufsleben bekommen würden. Nina Fröhling: „Und bei manchen macht es dann sogar Klick.“