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Schornsteinfeger

Begegnung mit schwarzen Brüdern bringt Glück

30.12.2015 | 19:16 Uhr
Begegnung mit schwarzen Brüdern bringt Glück
Carsten Hüpsel.Foto: Richard Elmerhaus

Balve. Wenn die Balver in der Silvesternacht anstoßen, dann werden sie sich für 2016 viel Glück wünschen. Vielleicht verschenkt der eine oder andere Glücksgaranten, wie einen Marienkäfer, ein Schweinchen oder Kleeblätter. Oder man hat sich vor dem Jahreswechsel einen Glücksboten ins Haus geholt, wie Carsten Hüpsel aus Plettenberg – seit dem 1. Februar 2013 bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger für den Bereich Balve und Umgebung.

Müssen Sie 2015 noch arbeiten?

Carsten Hüpsel: Die rein praktischen Tätigkeiten sind erledigt. Die Büroarbeit bleibt, zum Beispiel Statistiken, die ich für das Umweltministerium bis zum 31. Dezember erstellen muss. Daher sitze ich auch am Silvestertag im Büro. Das sind Arbeiten, die oft nicht gesehen werden bei knapp 3000 Liegenschaften, die ich bearbeite und verwalte.

3000 Liegenschaften?

Das sind knapp 3000 einzelne Häuser. Angefangen von Einfamilienhäusern bis hin zum Vierzehnfamilienhaus. Mein Gebiet reicht von Altenaffeln bis nach Eisborn.

Sind die Kehrbezirke geblieben?

An den Kehrbezirken hat sich nichts geändert, auch nicht durch die Reform des Schornsteinfegerhandwerksgesetzes. Da gibt es immer noch für die hoheitlichen Tätigkeiten einen bevollmächtigten Bezirks-Schornsteinfegermeister. Nur für die sogenannten freien Tätigkeiten, also das Fegen und Messen, kann sich der Hauseigentümer einen Schornsteinfeger aussuchen.

Was heißt hoheitlich?

Aufgaben, bei denen ich der verlängerte Arm der Behörde bin. Abnahmetätigkeiten, wenn jemand einen neuen Schornstein oder eine Feuerstätte errichtet hat, oder die Durchführung der Feuerstättenschau.

Die Kunden können sich jetzt bei „freien Tätigkeiten“ einen Schornsteinfeger aussuchen. Sind durch mehr Wettbewerb die Preise gefallen?

Billiger ist es nicht geworden. Die Intention war einmal: Mehr Markt, fallende Preise. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es anders aus. Aber auf Grund der europäischen Verträge muss jedem Schornsteinfeger mit einer gleichwertigen Qualifikation, egal aus welchem Herkunftsland er kommt, die Möglichkeit gegeben werden, dass er in Deutschland seine Dienste anbieten kann.

Wer ist für die Kontrolle zuständig?

Früher war es so, dass der Bezirksschornsteinfegermeister für die Ausführungen der Tätigkeiten verantwortlich war. Jetzt hat sich das gedreht: Nun ist der Hauseigentümer verantwortlich.

Warum sind Schornsteinfeger eigentlich Glücksboten?

Da empfehle ich den Film  ‘Die schwarzen Brüder’. Er handelt von den Anfängen des Schornsteinfegerhandwerks im 15./16. Jahrhundert in Norditalien. Damals brannten ganze Stadtteile, weil es zu unkon­trollierten Kaminbränden kam. Fürsten haben daraufhin Leute bestimmt, die die Schornsteine säubern sollten. Das waren reisende Handwerker. War der Schornsteinfeger da, nahm die Anzahl der Brände deutlich ab. So entwickelte sich die vorherrschende Meinung: Wenn man dem Schornsteinfeger begegnet, dann hat man Glück.

Glauben Sie daran?

Sie wissen doch: Glaube versetzt bekanntlich Berge. Es gibt Menschen, die drücken mich und fragen: ‘Darf ich Sie mal anfassen’, oder die wollen meinen goldenen Knopf berühren. Selbstverständlich dürfen sie das. Der Glaube ist entscheidend.

Werden Sie immer zu Kaminbränden gerufen, oder nur in Ernstfällen wie im Hotel Zur Post in Eisborn?

Bei jedem Kaminbrand werde ich von der Leitstelle der Feuerwehr informiert und hinzugezogen.

Ist der Kamin im Hotel Zur Post immer noch außer Betrieb?

Ja. Anfang des Jahres habe ich dort einen Termin. Dann wird der Schornstein von innen mit einer Kamera kontrolliert und geschaut, ob sich Risse oder Löcher aufgetan haben und festgestellt, ob der Schornstein Schaden genommen hat oder nicht. Erst danach wird er entweder freigegeben oder stillgelegt, oder er muss saniert werden.

Wie können Kaminbrände verhindert werden?

Drei Dinge sind entscheidend: Das Holz muss trocken und die Stücke dürfen nicht zu groß sein, und es braucht genügend Luft. Das heißt, die Scheibe am Ofen muss sich hinterher sauberbrennen – für jeden eine sehr gute Qualitätskontrolle. Genügend Luft lässt sich auch an einem schönen, sichtbaren Flammenbild erkennen.

Gibt es bei den Schornsteinfegern noch genug Nachwuchskräfte?

Nein. Ich suche nach wie vor einen Auszubildenden oder eine Auszubildende aus dem Bereich Balve oder Umgebung. Ich habe Flyer und Aushänge in der Realschule verteilt und meinen Beruf vor der Abschlussklasse der Hauptschule beworben – kein Interesse.

Wie kommt das?

Jeder kennt einen Schornsteinfeger, aber was der Beruf technisch mitbringt, wissen viele nicht. Da ist Aufklärungsarbeit nötig, um den Beruf gerade bei jungen Menschen bekannter zu machen. Viele denken nur, die machen sich schmutzig und müssen aufs Dach klettern.

Müssen Sie denn noch auf viele Dächer klettern?

Die Hälfte aller Häuser sind noch vom Dach aus zu fegen. Gewisse Schwindelfreiheit muss also vorhanden sein.

Richard Elmerhaus und Alexander Bange

Kommentare
02.01.2016
10:55
Begegnung mit schwarzen Brüdern bringt Glück
von HARO | #2

Den Beruf in allen Ehren.

Leider habe ich bei der Begegnung immer nur eine Rechnung bekommen.
Ich weiß nicht ob das "Glück" ist.

Eigentlich müsste...
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1 Antwort
Begegnung mit schwarzen Brüdern bringt Glück
von Traubennuss | #2-1

:)

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2015-12-30 19:16
Balve