Balver wegen Versicherungsbetrugs verurteilt

Mehrere hochwertige Fahrräder sollen dem Angeklagten laut eigener Aussage gestohlen worden sein.
Mehrere hochwertige Fahrräder sollen dem Angeklagten laut eigener Aussage gestohlen worden sein.
Foto: dpa

Balve/Menden.. Ein Geständnis bleibt aus. Der Angeklagte aus Balve bestreitet die ihm vorgeworfenen Taten. Wegen Betrugs in mehreren Fällen in Tateinheit mit Urkundenfälschung muss er sich im Amtsgericht Menden verantworten. Es geht um hochwertige Fahrräder, vermeintliche Diebstähle und wenig professionelle Rechnungen. Am Ende verurteilt Richter Jung den 43-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro – „wobei in einem Fall der versuchte Betrug bleibt“.

Zwei Stunden wird verhandelt, ehe das Urteil gesprochen wird. Es ist noch nicht rechtskräftig. Laut eigener Aussage hatte der Balver mehrere hochwertige Fahrräder gekauft, zwei davon im Wert von 2990 Euro und 5634 Euro. Sie sollen ihm innerhalb weniger Wochen gestohlen worden sein. Kopien der Rechnungen legte er der Hausratsversicherung vor. Die zahlte einen Betrag in Höhe von rund 1800 Euro, wurde beim zweiten Mal aber misstrauisch und stellte schließlich Strafanzeige, weil sie nach eigener Recherche die aufgeführten Fahrradgeschäfte auf dem Konrad-Adenauer-Ring in Iserlohn nicht fand. Sie tauchen auch nicht im Gewerbezentralregister auf. Selbst ein alteingesessener Fahrradhändler aus Iserlohn kannte die in den Rechnungen aufgeführten Namen der Geschäfte nicht. „Dabei wird natürlich auf die Konkurrenz geguckt“, sagte er.

Postleitzahl falsch

An der Echtheit der Rechnungen hatte schließlich nicht nur die Versicherung, sondern auch die Staatsanwaltschaft und der Amtsrichter erhebliche Zweifel. „Die aufgeführte Postleitzahl war falsch, die Artikelnummer ungewöhnlich, die angegebenen Firmen nicht beim Gewerbeamt registriert. Das war alles schon merkwürdig“, erklärte die Angestellte der Versicherung, die extra aus Köln zum Prozess angereist war. Deutlicher wurde die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. „Die Fahrradläden sind nicht existent. Die vorgelegten Rechnungen enthalten Rechtschreibfehler und sind fingiert. Dass hochwertige Fahrräder innerhalb so kurzer Zeit bei den Versicherungen als gestohlen gemeldet werden, ist lebensfremd. Die Fahrräder gab es nicht.“ Der Anklagevorwurf – Betrug in Tateinheit mit Urkundenfälschung – habe sich daher bestätigt. Da es sich nicht um eine „Bagatelle“, sondern um hohe Versicherungsbeträge bis fast 2000 Euro handele, forderte sie eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro.

Der Verteidiger bat im Namen seines Mandanten um Freispruch, bei einer möglichen Verurteilung zumindest um eine milde Strafe. Schließlich beziehe der Angeklagte Arbeitslosengeld II und sei nicht vorbestraft. Laut eigener Aussage erlitt der Balver vor wenigen Wochen einen schweren Herzinfarkt. „Ich hatte sehr viel Glück.“

Schreib-, Adressen- und Buchungsfehler zählte Richter Jung nach der Urteilsverkündung auf, dazu zwei nahezu übereinstimmende Rechnungen an die Versicherung. „Das ist äußerst selten.“ Zwei voll­endete Betrugsdelikte und ein versuchter Betrug führten schließlich zu der Gesamtstrafe von 1200 Euro (120 Tagessätze zu je 10 Euro).