Austauschschüler fühlen sich in Balve pudelwohl

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Langenholthausen..  Ihr großes Abenteuer führt sie für die Dauer eines Jahres rund 10 000 Kilometer von Zuhause weg – und beginnt im beschaulichen Langenholthausen. Acht Jugendliche aus Lateinamerika lernen seit einer Woche in der SoKoLa.de, was sie über Deutschland und die Deutschen, ihre Kultur und ihre Besonderheiten wissen sollten. Für die nächsten zwölf Monate wird das Land zwischen Alpen und Nordsee ihr Zuhause auf Zeit sein.

Der 17-jährige Daniel aus Mexiko ist einer der Austauschschüler, die sich Deutschland als Ziel für ihr Jahr in der Ferne ausgewählt haben. In seiner Heimatstadt Saltillo sollen die Temperaturen zum Wochenende auf über 20 Grad steigen. In Langenholthausen liegt dagegen Schnee. Wie seine Mitschüler wohnt auch Daniel während der dreiwöchigen Orientierungsphase in einer Gastfamilie. Klaus und Monika Schwartpaul haben ihn aufgenommen. Ihr Sohn Till lebte ein Jahr lang in einer Gastfamilie in Norwegen – und hat dort sehr gute Erfahrungen gemacht. „Wenn man selbst ein Kind für ein Jahr im Ausland hatte, gibt man gerne auch fremden Kindern diese Möglichkeit“, sagt Monika Schwartpaul.

Als die Balverin Laura Korte, die vor zwei Jahren mit der Organisation Youth For Understanding (YFU) in Finnland war und nun ehrenamtlich bei der Organisation anderer Schüleraustausche mithilft, Gastfamilien in der Region suchte, überlegten die Schwartpauls nicht lange. Mit der SoKoLa.de war in Langenholthausen schnell ein geeigneter Ort für die Schulungen gefunden.

Option für die Zukunft?

Die weiteren Jugendlichen kommen aus Chile, Mexiko, Ecuador und Kolumbien. Sie wohnen zurzeit in Gastfamilien in Balve, Langenholthausen, Garbeck und Höve­ringhausen. In knapp zwei Wochen führt sie der Weg zu ihren Jahresfamilien nach Berlin, München, Dresden oder Hannover. Sie alle eint der Wunsch, eine andere Kultur und neue Menschen kennen zu lernen. Auch lockt die Chance, für sich selbst zu erfahren, ob sie eigenständig in einem fremden Land, weit weg von ihrer Heimat und Familie leben können, und ob dies auch eine Option für die Zukunft sein könnte.

Doch zunächst ist Pauken angesagt. Mit Marlene Graw und Anika Adolf unterrichten zwei Regionalwissenschaftlerinnen mit Schwerpunkt Südamerika die Austauschschüler. Beide haben längere Zeit dort gelebt und kennen die kulturellen Unterschiede aus eigener Erfahrung. Montag bis Freitag stehen täglich vier Stunden Sprachunterricht plus zwei Stunden allgemeiner Orientierungsunterricht auf dem Programm. „Das ist eine große Herausforderung für die jungen Menschen. Sie sind zum ersten Mal so weit weg von zu Hause, und alle sprechen hier Deutsch“, weiß Marlene Graw. „Aber sie schlagen sich wirklich sehr gut.“

Beim Eishockey in Iserlohn

Auch Monika Schwartpaul lobt ihr neues Familienmitglied. Dass Daniel nach dem Unterricht oft ziemlich müde und erschöpft sei, könne sie gut nachvollziehen. Aber an den Wochenenden werde er voll in das Familienleben eingebunden. Mit seinen Gastbrüdern und einem weiteren Austauschschüler war der junge Mexikaner auch schon beim Eishockey in Iserlohn – und wurde vom Roosters-Hallensprecher über die Lautsprecher persönlich begrüßt.

Schöne Erlebnisse, die das Eingewöhnen erleichtern, gibt es aber auch im Alltag: „Wenn wir zum Beispiel beim Einkaufen Daniel etwas erklären, werden die Leute schon neugierig und schauen. Aber dann sprechen sie uns auch an und interessieren sich für Daniel“, erzählt Monika Schwartpaul. „Es ist schön, dass die Menschen hier in Balve so aufgeschlossen sind.“

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