Angst vor dem Trainer gehabt
14.04.2010 | 20:00 Uhr 2010-04-14T20:00:00+0200Balve/Hagen. Im Fall des ehemaligen Fußballtrainers aus Balve, der sich mehrfach an einem 13-Jährigen Schützling vergangen haben soll, hörte die 1. Große Strafkammer des Hagener Landgerichts gestern Zeugen aus dem Umfeld des 47-jährigen Angeklagten und seines mutmaßlichen Opfers sowie Polizeibeamte.
Bereits bei einer polizeilichen Vernehmung hatte der ehemalige Trainer eines Iserlohner Fußballvereins die fünf massiven Übergriffe auf seinen Schützling in Abrede gestellt. Der damals 13-Jährige indes hatte einer Beamtin berichtet, der Balver habe ihn wiederholt angefasst. Er habe das als widerlich empfunden, habe den Mann aufgefordert, es zu unterlassen. Der habe aber weitergemacht, habe vielmehr geäußert, das würde er schon durchstehen.
Eine frühere Freundin des Jungen beschrieb sein ambivalentes Verhältnis zu dem Angeklagten, den sie selbst als „nicht gerade sympathisch” empfunden habe. Ihr Freund habe oft Kontakt zu dem Mann gesucht, ihn gebeten, sie irgendwohin zu fahren. „Ich habe mich dann schon gefragt, warum der jetzt Taxi für uns spielt”, erinnerte sich die junge Frau. Auch gab sie an, der Balver sei ihr als Stiefvater ihres Freundes vorgestellt worden.
Vaterfigur gesucht
In diesem Kontext erwähnte ein Familienberater, der Junge habe laut eigener Aussage Angst vor dem Balver gehabt, andererseits aber immer wieder Kontakt zu ihm gesucht. „Er hat eine Vaterfigur gesucht.” Ein Vertreter des Jugendamtes formulierte es ähnlich: „Er war immer hin und her gerissen zwischen unterschiedlichen Gefühlszuständen. Er machte oft widersprüchliche Angaben.” Und weiter führte der Jugendamtsmitarbeiter aus: „Er ist ein zerrissener junger Mann.”
Ein Mitglied des Fußballvereins bezeichnete die damalige Trainerarbeit des Angeklagten als hervorragend. Der Mann habe einen guten Job gemacht, habe sich gut um die Jungen gekümmert. Dann jedoch die Wende: Eltern hätten sich beschwert, dass der Balver gemeinsam mit den Jugendlichen geduscht habe — entgegen der üblichen Vorgehensweise. Später seien Gerüchte um die einschlägige Vorbelastung des Trainers aufgekommen, die letztendlich bestätigt worden seien. Daraufhin sei er von seinen Aufgaben im Fußballverein freigestellt worden, sei aber immer noch zu den Spielen seines ehemaligen Teams erschienen.
Das Verfahren wird heute mit der Aussage des mutmaßlichen Opfers fortgesetzt.
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