Angeklagter vor Gericht: „Stimmt alles nicht“

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Bis Strafrichter Martin Jung das Urteil gegen den 27 Jahre alten Balver, der seit kurzem in Sundern lebt, ausgesprochen hatte, verging im Amtsgericht Menden viel Zeit.

Balve/Menden..  Bis Strafrichter Martin Jung das Urteil gegen den 27 Jahre alten Balver, der seit kurzem in Sundern lebt, ausgesprochen hatte, verging im Amtsgericht Menden viel Zeit. Das lag auch daran, dass die Verhandlung eine halbe Stunde später begann, als sie ursprünglich anberaumt war. Der Grund: Der Angeklagte hatte verschlafen. Seine Anwältin musste erst bei der Mutter nachfragen, wo ihr Mandant bleibe, ehe er von einem Freund nach Menden gefahren wurde und sich dort wegen grob verkehrswidrigen Verhalten im Straßenverkehr, Unfallflucht und Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis verantworten musste.

„Stimmt alles nicht“, sagte der Mann kurz und knapp zu den Vorwürfen, die die Staatsanwältin zuvor vorgetragen hatte. Am 12. Mai 2014 war der 27-Jährige von Polizei-Oberkommissar Franz-Josef Griese auf dem Widukindplatz kontrolliert worden. Dabei stellte der Balver Ordnungshüter fest, dass keine gültige Fahrerlaubnis vorlag. Die Kontrolle bestreite er gar nicht, sagte der Angeklagte vor Gericht. „Aber ich war im Besitz einer ausländischen Fahrerlaubnis.“ Die – das musste er später kleinlaut einräumen – aber vom Straßenverkehrsamt dauerhaft entzogen worden war.

Schwerer wog der Vorwurf, am 18. März 2014 mit einem silbernen VW Golf bei einem riskanten Überholmanöver auf der Hauptstraße einen Wagen touchiert zu haben und – ohne sich um den angerichteten Schaden zu kümmern – geflüchtet zu sein. Alles ohne gültigen Führerschein. „War ich nicht“, sagte der einschlägig vorbestrafte Angeklagte lapidar. Die Hauptverhandlung entlastete ihn aber nicht, im Gegenteil.

„Klar im Rückspiegel erkannt“

Eine Frau gab an, von dem Angeklagten überholt worden zu sein. „Ich habe ihn zweimal erkannt, einmal ganz klar im Rückspiegel“, führte sie auf Nachfrage von Richter Jung aus. Weil es ihm scheinbar nicht schnell genug gegangen sei, habe der Angeklagte noch versucht, ein weiteres Auto zu überholen, mit dem er dann kollidiert sei. Dieser Fahrer musste aber einräumen, nur den silbernen VW Golf, nicht aber den Fahrer des Wagens erkannt zu haben. Dieser sei mit hoher Geschwindigkeit in die Dreikönigsgasse gefahren und schnell verschwunden gewesen.

Den silbernen Golf hatte ihm ein Bekannter ausgeliehen, der ebenfalls im Amtsgericht Menden aussagte, sich aber in Widersprüche verwickelte. „Hätte ich gewusst, dass er keinen Führerschein besitzt, hätte ich ihn keinen Meter fahren lassen“, erklärte der Mann. Daher sei er mit dem Beschuldigten zur Werdohler Polizei gefahren, die bestätigt habe, dass der ausländische Führerschein Gültigkeit besitze. „Die haben gesagt: Kein Problem, der darf fahren.“ Dass er wiederholt vom Straßenverkehrsamt aufgefordert worden war, ein Seminar zur Rückerlangung seiner Fahrerlaubnis zu besuchen, hatte der Angeklagte dem Bekannten verschwiegen. „Dafür hatte ich kein Geld“, sagte er.

Verteidigerin fordert Freispruch

Während die Verteidigerin die Zeugin, die sich ein heftiges Wortgefecht mit dem Angeklagten geliefert hatte, für nicht glaubhaft erachtete und für den Unfall am 18. März 2014 Freispruch forderte, glaubte Richter Jung der Frau. Ihre Angaben würden sich mit den Aussagen des weiteren Zeugen decken.

Fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort und Fahren ohne Fahrerlaubnis: Der Angeklagte wurde zu 110 Tagessätzen á 10 Euro verurteilt und hat frühestens nach 12 Monaten das Recht, seine Fahrerlaubnis zurückzuerlangen. Rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht.