Interview : Bücherei Balve wird mit viel Herzblut geführt
Balve. Obwohl sie sehr viel Arbeit in der Bücherei der Stadt Balve verrichten muss, spürt der Besucher immer wieder mit wieviel Herzblut Roswitha Schubert seit über 15 Jahren die Einrichtung am St.-Johannes-Platz führt und stets versucht, die Wünsche der jungen und erwachsenen Leser zu erfüllen.
Einfach ist das nicht. Denn die Leiterin der Öffentlichen Bücherei verfügt nur über ein schmales Budget. Durch die Unterstützung seitens der Sponsoren und des sehr agilen Fördervereins der Öffentlichen Bücherei gelingt es ihr aber trotzdem, Jung und Alt für das literarische Angebot zu begeistern. Aus Anlass des Internationalen Tages des Buches haben wir mit Roswitha Schubert gesprochen.
Frage: Hat sich das Leseverhalten der Büchereibenutzer in den letzten Jahren verändert?
Roswitha Schubert: Ja, die Leser sind aktiver geworden. Sie kommen häufiger in die Bücherei und fragen auch verstärkt nach aktueller Literatur. Auffällig ist aber auch eine größere Pünktlichkeit bei der Rückgabe der ausgeliehenen Bücher.
Frage: Wie sieht das Leseverhalten von Erwachsenen Nutzern aus? Was wird von ihnen ausgeliehen?
Roswitha Schubert: Hauptsächlich Sachbücher und Romane. Besonders gefragt sind die Bücher der Spiegel-Bestseller-Liste. Diese Werke haben wir spätestens innerhalb von 14 Tagen in der Bücherei zur Ausleihe. Als Dienstleister müssen wir uns ja nach den Wünschen unserer Leser richten. Bei Sachbüchern sind es Bastelbücher, Kochbücher, medizinische Literatur oder Reisebücher.
Frage: Welchen Stellenwert besitzen die Hörbücher?
Roswitha Schubert: Hörbücher werden gut ausgeliehen. Auch von Männern. Viele Nutzer leihen sich Hörbücher vor längeren Autofahrten aus. Die Ausleihfrist für sie beträgt zwei Wochen.
Frage: Welche Medien werden von Kindern und Jugendlichen ausgeliehen?
Roswitha Schubert: Kinder leihen viele Bücher aus. Aber auch Filme und CDs werden von ihnen immer wieder nachgefragt, doch setzt uns der Etat hier Grenzen. Für Hausaufgaben wird gerne der Internetanschluss der Bücherei genutzt, besonders von Haupt- und Realschülern. Für den Unterricht werden Medien über die neuere Geschichte genutzt.
Frage: Welche Inhalte werden bevorzugt?
Roswitha Schubert: Kinder und Jugendliche verlangen oft Bücher zu Serien, die im Fernsehen laufen. Die jüngeren Büchereibesucher sind in ihrer Auswahl selbstständiger geworden, richten sich mehr nach eigenen Wünschen. Das ist auch schon bei den Kindergartenkindern zu beobachten.
Frage: Welche Schulen kooperieren zurzeit mit der Öffentlichen Bücherei?
Roswitha Schubert: Real- und Hauptschule kooperieren mit der Öffentlichen Bücherei. Der Vertrag mit der Grundschule Balve wurde gerade erst erneuert. Die anderen Grundschulen besuchen regelmäßig die Bücherei. Wir arbeiten aber auch mit dem Jugendzentrum zusammen, etwa bei den Ferienspielen und dem Sommer-Leseclub.
Frage: Hat die Kooperation der Schulen mit der Bücherei mehr Kinder und Jugendliche an die Bücherei Balve herangeführt?
Roswitha Schubert: Ja, das gilt ebenso für weitere Aktionen wie „Große lesen für Kleine”, die wieder ab Mai startet und immer dienstags von 16 bis 16.30 Uhr stattfindet. Bisher lasen die Teilnehmer des Vorlesewettbewerbs. Weil es diesmal keinen Wettbewerb an den Balver Grundschulen gab, werden wir die Aktion mit Kindern durchführen, die sich freiwillig gemeldet haben, um für Jüngere zu lesen.
Frage: Sind die Ausleihzeiten realistisch?
Roswitha Schubert: Die Ausleihfrist von vier Wochen ist ausreichend, denn die Nutzer können die Ausleihe ja auch noch verlängern, wenn das Medium nicht vorbestellt ist.
Frage: Ist die Bücherei so aufgestellt, dass sie für Jung und Alt hochinteressant ist?
Roswitha Schubert: Ja, denn wir haben immer die neuesten Bücher und Medien.
Frage: Führt die Finanzmisere der Stadt Balve dazu, dass sie bei der Bestückung mit neuen Medien etwas kürzer treten müssen?
Roswitha Schubert: Uns steht ein Etat von 9.000 Euro im Haushaltsplan zur Verfügung. Ich bemühe mich, damit allen Anforderungen Rechnung zu tragen und das Geld möglichst gerecht auf die verschiedenen Medien aufzuteilen: ein Drittel für Kinderliteratur, ein Drittel für Romane und ein Drittel für Sachbücher. Durch den Sommer-Leseclub stehen uns noch einmal 500 Euro Sponsorengelder zur Verfügung. Die dafür gekauften Bücher müssen aber für 10- bis 15-jährige Leser sein.
Frage: Welche Leistungen erbringt der Förderverein?
Roswitha Schubert: Der Förderverein stellt uns alle Mitgliedsbeiträge zur Verfügung und unterstützt uns bei der Anschaffung der Bestseller. Außerdem setzen sich die Mitglieder bei Aktionen, wie den Spiele-Nachmittagen und der Nacht der Bibliotheken ein. Pro Jahr stellt der Förderverein etwa 2.000 Euro zur Verfügung.
Frage: Wieviel Zeit benötigen Sie für Logistik und Organisation?
Roswitha Schubert: Die Hälfte der Arbeitszeit auf jeden Fall. Darunter fallen alle Büroarbeiten, vom Schreiben der Mahnungen über die Teilnahme an Arbeitstagungen, die Vorbereitung des Sommer-Leseclubs oder die Pressearbeit.
Frage: Wann gibt es den nächsten Büchertrödel?
Roswitha Schubert: Der findet während der Nacht der Bibliotheken am 6. November von 16 bis 22 Uhr in der Öffentlichen Bücherei statt.
Frage: Wie werden die Kleinkunstveranstaltungen in der Bücherei angenommen?
Roswitha Schubert: Das Interesse an den Kleinkunstveranstaltungen ist ungebrochen.
Frage: Was zahlen die Nutzer der Bücherei?
Roswitha Schubert: Die Bücherei kann für einen Beitrag von sechs Euro im Jahr genutzt werden. Jugendliche bis 18 Jahre zahlen drei Euro.
Frage: Welche Literatur bevorzugt die Büchereileiterin, wenn sie privat liest?
Roswitha Schubert: Ich lese sehr gerne Biografien und Tatsachenberichte. So habe ich gerade Sabine Kueglers „Dschungelkind” und das Buch des Bundesligatrainers Jörg Berger gelesen. Auch interessiere ich mich für Bücher über Religion und Sekten. Ich bin nicht die typische Romanleserin.
Frage: Wie viele Bücher lesen Sie im Jahr?
Roswitha Schubert: (überlegt lange) Es werden so 30 bis 50 Bücher im Jahr sein.
Das Gespräch mit Roswitha Schubert führten Richard Elmerhaus und Wolfgang Simon









