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Verfolgungsjagd

800 Euro Geldstrafe nach Beinahe-Katastrophe beim Erntezug

04.02.2016 | 20:05 Uhr
800 Euro Geldstrafe nach Beinahe-Katastrophe beim Erntezug
Die Maschine des Auszubildenden ist in einen Erntedankzug gerutscht, zwei Kinder wurden leicht verletzt.Foto: Steffie Friske

Langenholthausen/Menden.   Im sauerländischen Langenholthausen war es im September 2015 beinahe zu einer Katastrophe gekommen. Niedrige Strafe für den 19-jährigen Raser.

Langenholthausen entging am 26. September 2015 nur knapp einer Katastrophe. Nach einer wilden Verfolgungsjagd mit der Polizei schleuderte ein 19-jähriger Kradfahrer mit seiner Maschine in den Erntedankfest-Umzug der Schützenbruderschaft St. Johannes. Wie durch ein Wunder wurden zwei Kinder lediglich leicht verletzt. Jugendrichter Stephan Hennemann verurteilte den Mendener zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro und einem Kurzarrest von drei Tagen.

Der Fall im Amtsgericht Menden war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Für den ultimativen Kick schraubte der 19-jährige Auszubildende am 26. September 2015 das Kennzeichen ab, verstaute es in seinem Rucksack und raste von Sundern in Richtung Mellen. Dort fiel der junge Raser, der mit 160 Stundenkilometern unterwegs war, einer Zivilstreife auf.

Gefährlicher Fluchtversuch

Unfall
Motorrad schleudert nach wilder Verfolgungsjagd in Festzug

Nach wilder Verfolgungsjagd mit der Polizei ist ein Kradfahrer in Langenholthausen gestürzt. Seine Maschine schleuderte in den Erntedankfest-Umzug.

Als der Mendener den Beamten bemerkte, der die Verfolgung aufgenommen hatte und den 19-Jährigen mehrfach zum Anhalten bewegen wollte, setzte der Biker zu einem gefährlichen Fluchtversuch an. Auf der Landstraße 686 von Amecke in Richtung Langenholthausen holte der junge Mann alles aus seiner modifizierten Maschine heraus. Als er die Ortseinfahrt in Langenholthausen passierte, war er immer noch mit mehr als 120 Stundenkilometern unterwegs – erlaubt sind innerorts lediglich 50 km/h.

Beim Versuch, den Erntedankfest-Umzug zu umkurven, kollidierte der Mendener mit einem geparkten Pkw und fiel schließlich vom Motorrad – ohne sich dabei zu verletzten. Seine Maschine rutschte über den Asphalt in die Menschenmenge, wo sie ein zehn- und ein zwölfjähriges Kind erfasste und leicht verletzte. Sein Fluchtversuch misslang, weil ihn der Polizeikommissar überwältigte.

"Mehr Glück als Verstand"

„Bei so einer Verfolgungsjagd nehmen Sie billigend in Kauf, dass der Polizeibeamte oder ein anderer Mensch verunglückt“, sagt die Staatsanwältin. Auch Jugendrichter Hennemann hat nicht das geringste Verständnis für die Tat: „Sie hatten wirklich mehr Glück als Verstand.“ Das zu Beweiszwecken vorgeführte Verfolgungs-Video verstärkt noch die vorgetragenen Geschehnisse: „Das ist ein ziemlich plastisches Erlebnis. So eine drastische Verfolgungsjagd habe ich noch nicht gesehen“, sagt Hennemann.

Auf dem Video ist der Angeklagte zu sehen, wie er in Kurven mehrere Pkw und einen Radfahrer überholt. „Wenn Sie den erwischt hätten, dann wäre er vielleicht nicht mehr am Leben“, sagt der Jugendrichter.

Wer jetzt aber das Bild eines rücksichtslosen Sozialversagers ohne Zukunftsperspektive vor sich hat, liegt falsch. Vor dem Richter sitzt ein 19-Jähriger, der ohne Umschweife alle Vorwürfe zugibt, der ein umfassendes Geständnis ablegt und der noch einiges vorhat im Leben.

Maschine verkauft

Kurz nach der Tat habe er die Familie der verletzten Kinder besucht, den Schützen einen Besuch abgestattet und alle anderen Menschen aufgesucht, die er in Gefahr gebracht habe, berichten der 19-Jährige und die Jugendgerichtshilfe. Er stamme aus einem intakten Elternhaus, habe einen guten Schulabschluss, bald seine Ausbildung beendet und strebe ein Studium an. Sein Motorrad habe er aus eigenem Antrieb bereits verkauft.

Vor der Urteilsverkündung bricht der Angeklagte in Tränen aus. Das wirkt nicht gespielt, sondern macht den Eindruck, als bereue er seine Tat aus tiefstem Herzen: „Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Ich bin wirklich kein schlechter Mensch“, beteuert der 19-Jährige.

Jugendrichter Hennemann verurteilt den Raser zu einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro zu Gunsten einer Kinderstiftung sowie zu einem dreitägigen Kurzarrest. Er soll in der JVA in Ruhe über seine Tat nachdenken. Der Vater des Angeklagten, der bei der Verhandlung anwesend ist, versichert, dass sein Sohn zu pädagogischen Zwecken selbst für die 800 Euro aufkommen muss.

Marc Friedrich

Kommentare
05.02.2016
12:45
800 Euro Geldstrafe nach Beinahe-Katastrophe beim Erntezug
von nrwfan2010 | #2

Die Strafe mag lächerlich erscheinen. Und man kann tatsächlich nur sehr dankbar sein, dass nichts schlimmeres passiert ist. Trotzdem denke ich, dass...
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800 Euro Geldstrafe nach Beinahe-Katastrophe beim Erntezug
800 Euro Geldstrafe nach Beinahe-Katastrophe beim Erntezug
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http://www.derwesten.de/staedte/balve/800-euro-geldstrafe-nach-beinahe-katastrophe-beim-erntezug-id11529596.html
2016-02-04 20:05
Raser, Motorrad, Langenholthausen, Urteil, Erntedankzug
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