60 000 neue Bäume für die Wälder um Balve

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Balve..  Wenn es um seinen Wald geht, macht Richard Nikodem so schnell keiner etwas vor. Der Balver Revierförster kennt sich bestens aus mit den Tieren und Pflanzen in der Natur, und er ist ein Mann der klaren Ansagen. Wenn Richard Nikodem sagt, „Der Klimawandel ist im Sauerland angekommen“, dann darf man ihm das glauben – auch wenn es schwerfällt. An diesem sonnigen Frühlingsmorgen auf dem Höhenzug des Balver Waldes schweift der Blick fast ungehindert in die Ferne. Das Land der tausend Berge ist grün, schön grün. Von Klimawandel keine Spur, oder?

Der Förster vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen klärt auf: „Schäden durch Wetterextreme wie Sturm und Starkregenereignisse nehmen auch bei uns immer mehr zu. Gleichzeitig schafft die nachgewiesene Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um ca. 2 Grad Celsius für viele Insektenarten verbesserte Lebensbedingungen. Auch Pilzerkrankungen an Bäumen treten vermehrt auf. Meist als sogenannte Komplexerkrankungen, also in Zusammenarbeit rücken dann mehrere pilzliche und tierische Schaderreger unseren Bäumen gemeinsam auf die Borke.“

Der Sauerländer Wald, der sich auf dem Höhenzug so idyllisch präsentiert, ist zwar nicht in großer Gefahr, aber er muss gehegt und gepflegt werden. Auch weil der Sturm Niklas, der vor rund drei Wochen über NRW hinwegfegte, zwar keine großen Schäden hinterlassen hat, den Waldbesitzern, Waldarbeitern und auch ihm aber trotzdem viel Arbeit macht. „Große Holzmengen, wie damals bei Kyrill, sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Aber auch einzelne umgekippte Bäume müssen wir aufräumen, um dem Borkenkäfer nicht besonders gute Startmöglichkeiten zu bieten.“

Nicht der Holzabsatz sei nach Sturm Niklas das Problem, sondern das umständliche Suchen und Aufarbeiten der verstreut liegenden Stämme. „Wir erwarten aufgrund der begrenzten Schadensmengen, dass diese in den im Rahmen des normalen Holzeinschlages anfallenden Holzmassen untergehen und so auch kein Preisverfall entstehen wird“, erläutert Förster Nikodem weiter.

Parallel zu diesen Aufräumarbeiten läuft derzeit die Pflanzsaison in den Wäldern rund um Balve auf vollen Touren. Mehr als 60 000 Setzlinge werden von Waldbesitzern der Balver Forstbetriebsgemeinschaft in diesem Frühjahr auf eigene Kosten gepflanzt. Dabei werden mehr als die Hälfte von Unternehmern gesetzt. „Wohin die Waldbesitzer selbst ihre Pflanzen setzen, erfahre ich oft erst im Laufe des Jahres.“

Aber allein 35 000 Pflanzen setzt eine Pflanzkolonne aus Litauen unter der Leitung von Tomas Vilkas auf 30 verschiedenen Flächen unter der Regie des Revierförsters Richard Nikodem. „Da sich die Standorte unter Einwirkung des Klimawandels verändert haben, müssen für jede Pflanzfläche die richtigen Baumarten ausgesucht werden.“

Bei der Beratung der Waldbesitzer plädiert der Revierförster für ein gesundes Mischungsverhältnis verschiedener Laub- und Nadelholzarten. Er ist sich sicher: „Dachstühle werden auch in 100 Jahren noch aus Nadelholz gebaut.“ Deshalb empfiehlt er vermehrt wieder den Anbau von Nadelholz. Dabei werden die in der Region bestens bekannten Fichten zunehmend durch Douglasien, Lärchen oder Küstentannen ersetzt, die mit eher trockeneren Standorten und viel Wind besser klarkommen.