17 Tonnen baumelten bei Sonnenaufgang am Haken
10.01.2012 | 16:15 Uhr 2012-01-10T16:15:00+0100
Garbeck.Es ist noch stockdunkel draußen, als Manfred Baumeister gestern Morgen die erste Runde durch seine Firma dreht. Der Chef begrüßt seine Leute mit Handschlag und ist nervös, denn der Tag beginnt mit einem zukunftsweisenden Schritt für sein Unternehmen: Eine Biegemaschine wird installiert.
Kurz darauf krabbeln auch Volker Lerchenfeld und Michael Steins aus den Fahrerkabinen ihrer Trucks. Sie hatten am Vorabend die beiden tonnenschweren Teile der Maschine auf ihre Schwertransporter geladen und sich von Visbeck bei Cloppenburg auf den Weg ins Garbecker Gewerbegebiet Braukessiepen gemacht. Eine Routinefahrt für die beiden Schwerlastprofis. „Das Gewicht hielt sich mit 17 Tonnen in Grenzen, wir hatten etwas Überbreite“, sagt Lerchenfeld, der mit seinem Kollegen etwa drei Stunden für die 240 Kilometer benötigte, bevor sich die beiden in ihren Lastern schlafen legten.
Für Baumeister ist das alles andere als Routine. „Wir wollen mit dieser Maschine technisch mit den großen deutschen Ladenbauern Schritt halten“, sagt der Unternehmer und erklärt, er habe das wuchtige Gerät, das einen Neupreis von 1,2 Millionen Euro hat, erstaunlich günstig bekommen. Während er erzählt, geht langsam die Sonne auf und Enno Thum trifft mit seinem Mitarbeiter Siegfried Köber ein. Die beiden sind aus der Nähe von Pforzheim angereist, um die neue Biegemaschine zu montieren.
Doch erst einmal müssen die Ungetüme in die Halle. Eine Spezialfirma ist mit einem 20-Tonnen-Kran angerückt. Zu Dritt befestigen die Männer die Teile am Kran, fahren sie auf den Millimeter so weit ins Hallentor, bis der Arm des Krans fast die Wand berührt. Weiter geht es auf Schwerlastrollen, bevor der Kran die beiden großen Maschinenteile in der Halle in ihre endgültige Position bringt. Mehr als zwei Stunden dauert die Prozedur, die eventuell in diesem Jahr noch einmal wiederholt werden muss.
„Ich will in der Erweiterung des Gewerbegebiets kaufen“, sagt Baumeister. Die Vorverträge sind angefertigt, im Oktober will er in der zweiten Halle den Betrieb aufnehmen, dafür seinen Standort am Pickhammer schließen. Investitionen für die Zukunft in einer Branche, in der ein harter Wettbewerb herrscht.
„Im Gegensatz zur Schwerindustrie haben wir extrem mit der Konkurrenz aus China zu kämpfen. Auch von dort aus sind komplette Markt-Einrichtungen innerhalb von 14 Kalendertagen gebaut und an ihrem Bestimmungsort“, sagt der Unternehmer, der mit seinem 25 Mitarbeitern nach einem wirtschaftlich miserablen Jahr um seine Position auf dem Markt kämpft. „Wir werden weiter investieren, den Maschinenpark ausbauen, unter anderem ein Stanzzentrum einrichten“, sagt Baumeister, der international Handel treibt.
Mittlerweile ist es hell, die Maschine steht an ihrem Platz, wird installiert. Bald kann sie mit ihrer Arbeit beginnen und den Angestellten Zeit für andere Arbeiten schaffen. Die Nervosität Manfred Baumeisters ist deutlich gesunken.
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