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Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein begeht heute seinen 75. Geburtstag : Vom Büro geht's in den Wald zum Biotop

Bad Berleburg, 29.10.2009, Christoph Vetter

Bad Berleburg. Wenn sich Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg zu seinem heutigen 75. Geburtstag „noch ein wenig Gesundheit” wünscht, weiß er, wovon er spricht. Er hat Krebs gehabt und „es war schlimm”.

Die Krankheit hat Spuren hinterlassen, ja; aber dem Prinzen hat sie seine Fröhlichkeit und den derben Wortschatz bis heute nicht nehmen können.

Er lebe „ein richtiges Pensionärsleben, von einem Tag zum anderen - und - das können Sie ruhig schreiben: Noch mach' ich die Mücke nicht,” grinst der Prinz beim Besuch der WESTFALENPOST, die seit Jahrzehnten zur täglichen Lektüre im Schloss gehört.

Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und sein Sohn Prinz Gustav. Foto: WP

Zum Tagesablauf gehört beim heutigen Jubilar auch der morgendliche Gang ins Büro, Gespräche mit den Mitarbeitern und dann geht's los. Natürlich in den Wald, „zu meinen Tieren und meinen vielen Wasserlöchern”. Diese regelrechte Maloche im Wald bezeichnet Prinz Richard als sein Hobby. Er repariert eigenhändig und mit der Schüppe undichte Biotope, kontrolliert Futterstellen oder er erfreut sich ganz einfach an der herrlichen Natur irgendwo in seinem rund 12 000 Hektar großen Waldbesitz.

Dieses gewaltige Erbe für die Familie zu bewahren, ist stets oberste Maxime bei Prinz Richard gewesen: „Dafür habe ich gelebt. Und ich meine, ich habe das Erbe gut verwaltet.” Ausdrücklich betont der Berleburger Schlossherr an dieser Stelle, dass das Ziel „nur mit unseren guten Mitarbeitern” erreicht werden konnte. „Ich bin schuldenfrei und kann ruhig schlafen, das können nicht alle”, sagt der Prinz und nennt Namen berühmter adliger Familien in Deutschland, „bei denen der ganze Besitz den Bach runter gegangen ist.”

„An einen Teil unserer Wälder wollte auch einmal der Landesforstmeister und bot sogar 40 Millionen”, erinnert sich der 75-Jährige und lacht laut: „Aber dann hatte er noch nicht einmal Geld für den unabhängigen Gutachter.”

Besondere Freude hat Prinz Richard am Beruf und den Erfolgen seiner Tochter Nathalie. Die Dressurreiterin will am kommenden Wochenende ihren Vorjahressieg in Lyon verteidigen. Dann ist Papi, wie sie ihn nennt, zwar nicht dabei, dafür hat er gemeinsam mit seiner Frau, Prinzessin Benedikte, aber tolle Weltcup-Erfolge in Las Vegas oder in Aachen schon live mitverfolgt. Und weil Papi sieht, dass sich die Investitionen in Nathalies Beruf und die Pferdezucht lohnen, wird jetzt die Reithalle um zwei Pferdeboxen und ein Solarium, zum Trocknen der geschwitzten Tiere erweitert.

Zurück zu Prinzessin Benedikte, Schwester der dänischen Königin Margarete: Da gäbe es doch tatsächlich Leute, die glauben, dass monatlich ein dicker Scheck aus Dänemark zu uns kommt, amüsiert sich der Prinz; „das ist natürlich Blödsinn. Meine Frau arbeitet hart für ihr Heimatland und reist viel.” Und immer wieder kehrt sie gerne nach Bad Berleburg zurück.

Einen wertvollen Beitrag für die Region glaubt Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein mit seiner Idee, der Wiederansiedlung von Wisenten, leisten zu können. „Wenn das hinhaut, ist das eine Riesenattraktion für Wittgenstein und Berleburg, leider haben die es im Kölschen immer noch nicht kapiert.” Bedenken wegen einer möglichen Gefahr durch die schwergewichtigen Tiere weist Prinz Richard energisch zurück: „Gefährlicher wird es, wenn die Wölfe im Panoramapark ausbrechen. Dann können wir hier das Vieh aber reinholen.”

Gibt's denn eigentlich einen großen Ball zum 75. Geburtstag, so einen, von denen Boulevardblätter gern berichten? „Von wegen. Wir machen eine ganz kleine Geburtstagsfeier mit einem Abendessen für die Angestellten aus der Rentkammer und deren Partner.” Gut möglich, dass zu Prinz Richards Füßen seine Lieblinge, die drei Labrador-Hündinnen unterm Tisch liegen. Sie begleiten ihr Herrchen täglich auf Schritt und Tritt.

Verwandte aus dem dänischen Königshaus, Freunde und Bekannte waren ohnehin gerade erst am Wochenende zur traditionellen Herbstjagd in Bad Berleburg.

Und eine letzte Frage. Andere und auch viel jüngere Adelige nennen sich noch Fürst - warum nicht Fürst Richard? „Ich brech' mir doch keinen Zacken aus der Krone. Der Titel ist mit meinem Vater hier auf Schloss Berleburg verschwunden. Und außerdem: Für die Leute bin ich doch der Ferscht, aber ich schimpf mich nicht so!”

Na denn: Alles Gute zum 75 Geburtstag, Durchlaucht!

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