Zweite Ehefrau kann Testament anfechten

Hamm/Arnsberg..  Ein Erbstreit um einen Anfang 2013 verstorbenen Arnsberger hat jetzt das Oberlandesgericht (OLG) Hamm beschäftigt. Die Richter des 15. Zivilsenats entschieden, dass die zweite Ehefrau die Einsetzung der ersten, geschiedenen Ehefrau als Erbin anfechten kann. Begründung: Das mit der ersten Ehefrau verfasste Testament ist unwirksam, weil die zweite Ehefrau als zum Zeitpunkt des Ablebens des Mannes Pflichtteilsberechtigte übergangen würde.

Beobachter sehen in dem rechtskräftigen OLG-Beschluss eine Stärkung der Rechte von zweiten Ehepartnern bei Erbangelegenheiten. Der Mann aus Arnsberg und seine erste Ehefrau hatten sich in einem im Jahr 2003 verfassten Testament gegenseitig als Erben eingesetzt. Jahre später ergänzten sie, dass die Verfügungen auch im Falle einer Scheidung gelten sollten.

Das Gesetz vermute, so das OLG Hamm, dass der Erblasser den Pflichtteilsberechtigten bei Kenntnis der späteren Sachlage nicht übergangen hätte. „Dafür, dass das Testament nach dem Willen des Erblassers auch bei einer erneuten Heirat weitergelten sollte, gibt es keine Anhaltspunkte.“