Zu wenig Investitionen in Bildung

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Was wir bereits wissen
Die Friedrich und Charlotte Merz-Stiftung unterstützt seit zehn Jahren Bildungsprojekte im Raum Arnsberg. Bereits 245 000 Euro flossen aus der Stiftung in die Förderung von Schulen und Schülern.

Arnsberg..  Die Friedrich und Charlotte Merz-Stiftung wird am Mittwoch die besten Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen der Arnsberger Schulen ehren. Unsere Zeitung sprach mit Charlotte Merz über Anerkennungskultur, Zweck der Stiftung und die Schullandschaft.

Frage: Was macht für Sie einen guten Schüler/-in aus?

Charlotte Merz: Die Entscheidung, wer als auszuzeichnender Schüler vorgeschlagen wird, wird von den Schulen getroffen. Es werden sowohl Schüler ausgezeichnet, die ein hohes Notenniveau erreicht haben, als auch Schüler, die ein hohes Maß an sozialer Kompetenz erfüllen. Für mich zeichnet sich ein guter Schüler durch eine Verbindung von geistiger Fähigkeit, emotionaler und sozialer Kompetenz und Leistungsbereitschaft aus.

Was wollen Sie mit der Buchpreisverleihung erreichen?

Die Friedrich und Charlotte Merz Stiftung möchte zunächst einmal Danke sagen bei allen Beteiligten: den Schülern, den Eltern und vor allem den Lehrern. Durch ihren gemeinsamen Einsatz ist es gelungen, dass wieder viele Schüler einen so schönen Schulabschluss erreichen konnten. Die Schüler sollen für ihren Einsatz wertgeschätzt werden. Es soll das Signal gesetzt werden, dass sich dieser Einsatz lohnt. Wir möchten die Schüler motivieren, diesen Einsatz beizubehalten. Davon profitieren die Schüler selbst und die Gesellschaft.

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Was geben Sie den ausgezeichneten Schülern mit auf den Weg?

Jede Altersgruppe erhält ein für sie ausgesuchtes Buch mit einer persönlichen Widmung. Durch die Feier soll Schülern auch die Bedeutung dieses Lebensabschnitts verdeutlicht werden. Ihnen soll bewusst gemacht werden, dass sie einen hervorragenden Schulabschluss erreicht haben. Sie sollen ermuntert werden, sich weiter selbst zu motivieren.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Schulen?

Die größten Herausforderungen für unsere Arnsberger Schulen sehe ich in der Personalentwicklung, denn eine gute Schule zeichnet sich vor allem durch gute Lehrer aus. Es gilt die freien Lehrerstellen optimal besetzen zu können sowie die bislang wenig entwickelte professionelle Begleitung der Lehrer in ihrem beruflichen Alltag zu fördern, damit sie ihr ganzes Berufsleben gesund und motiviert bleiben und die Schüler motivieren können. Eine Herausforderung für Schulen ist ferner, dass sie regelmäßig in kurzer Zeitabfolge mit Reformen überzogen werden. Dabei ist nicht jeder Reformansatz optimal ausgestaltet. Ich denke da an die Inklusion an Schulen, bei der es einiges nachzubessern gibt. Das Hauptproblem ist, dass wir als Gesellschaft noch zu wenig in Bildung investieren. Schulen haben nicht die erforderlichen Ressourcen.

Sehen Sie Auswirkungen des G8-Abiturs auf die Schüler?

Schüler, die das G8-Abitur absolvieren, haben sicher ein wesentlich strammeres Schulprogramm zu absolvieren als die Vorgänger, und sind ein Jahr jünger, wenn sie ihr Abitur absolviert haben. In den neuen Bundesländern ist ein Abitur nach zwölf Jahren immer schon üblich gewesen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Jahre, sondern wie sie inhaltlich gefüllt sind.

Wie bewerten Sie das Schulsystem in der Stadt Arnsberg?

Das Schulsystem in der Stadt Arnsberg ist meiner Meinung nach im Vergleich zu anderen Kommunen sehr gut aufgestellt. Eltern und Schüler haben eine Vielzahl an möglichen Schulformen zur Auswahl. Besonders begrüßenswert finde ich, dass nun auch die zusätzliche Option der Sekundarschule besteht. Die Stadt Arnsberg ist beim Thema Schule am Puls der Zeit: Entwicklungen in der Schullandschaft werden aufgenommen und vorrausschauend umgesetzt. Sicherlich kann man immer und überall noch Verbesserungspunkte finden, aber das Gesamtpaket stimmt. Dies verdanken wir den verantwortlichen Personen in der Stadt Arnsberg, der Bezirksregierung, aber vor allem auch den Lehrern, die mit ihrer Arbeit und ihrem Einsatz dies erst möglich machen. Der demographische Wandel wird sicher in den nächsten Jahren eine Herausforderung sein.