Wissenschaft mit Erlebnis-Charakter

In einem der Räume der neu konzipierten Dauerausstellung im Sauerland-Museum wird die nur zwölfjährige „Hessenzeit“ (1803 - 1812) thematisiert. Die Hessen führten u.a. die Fichte im Sauerland ein – und die allgemeine Wehrpflicht.
In einem der Räume der neu konzipierten Dauerausstellung im Sauerland-Museum wird die nur zwölfjährige „Hessenzeit“ (1803 - 1812) thematisiert. Die Hessen führten u.a. die Fichte im Sauerland ein – und die allgemeine Wehrpflicht.
Foto: WP

Arnsberg..  Die Dauerausstellung des Sauerland-Museums wird in den nächsten zweieinhalb Jahren von Grund auf neu konzipiert. Dafür haben die Planer bereits sehr konkrete Vorstellungen entwickelt, die während der Sitzung des Kreis-Kulturausschusses am Dienstagabend in Form einer 3-D-Animation ­präsentiert wurden. Die Ausschussmitglieder zeigten sich begeistert – und das Votum für die Umsetzung fiel einstimmig aus.

Sehr zur Freude von Dr. Jürgen Schulte-Hobein, der jetzt endgültig in die detaillierte Teilplanung einsteigen kann. „Bisher stand die Dauerausstellung im Schatten des Neubaus, dabei ist sie fast genau so wichtig“, erklärt der Museumsleiter. Ihre Bedeutung als zweites Standbein des Museums sei groß.

Ende 2017, spätestens Anfang 2018 soll der dann komplett renovierte Landsberger Hof wieder für Besucher geöffnet werden – die dann eine Dauerausstellung vorfinden werden, die mit der bisherigen nichts mehr gemein haben soll.

„Wir liefern die Inhalte und die Exponate“, erklärt Dr. Schulte-Hobein, „die Inszenierung und Gestaltung übernimmt Dr. Ulrich Hermanns.“ Der Münsteraner ist eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet „Ausstellungs- und Museumskonzeptionen“, war bei der Präsentation im Ausschuss mit zugegen.

Mit hohem Medieneinsatz und auf neuesten Erkenntnissen der ­Didaktik basierend, wird die Geschichte des Sauerlandes künftig präsentiert; von der Steinzeit bis in die Neuzeit. „Gleichzeitig erlebnis- und wissenschafts-orientiert“, wie der Museumsleiter betont. Dabei wird der Museumsbesucher – im Untergeschoss beginnend – quasi von unten nach oben durch die verschiedenen Zeitalter geführt.

Hingucker im Untergeschoss wird eine begehbare Steinzeithöhle, vor der zwei Neandertaler-Figuren platziert sind, im Inneren bergen Nischen zahlreiche Funde aus der Balver Höhle. Ein Landschaftspanorama des damals an Nord-Finnland erinnernden Sauerlandes macht die Eindrücke perfekt.

Beim Aufstieg ins Erdgeschoss dient ein Panorama unserer heutigen Heimatlandschaft als Einstieg in die Zeit der Christianisierung und die Welt des Mittelalters:

„Eresburg, Sauerland als Burgen- und Klosterland, Kurkölnisches Sauerland“ lauten einige Schlagworte. Medien-Angebote, Inszenierungen und Modelle wechseln sich ab mit einer Fülle von Exponaten.

Höhepunkte sind hier ein ­Modell des Klosters Wedinghausen und ein Gertrud von Plettenberg gewidmetes Turm­zimmer mit rundem, roten Sofa. Die bekannten Fürstbischöfe werden von den Wänden auf den Boden geholt und mit Themen wie Hexenverfolgung oder Jagd verknüpft. Weiter geht es dann hinauf ins Obergeschoss des „Altbaus“.

Von Hessen und Preußen bis heute

Die kaum bekannte „Hessenzeit“ (1803 bis 1815) thematisiert dort u.a. die Militarisierung des Sauerlandes in napoleonischer Zeit. Drei weitere Räume dokumentieren aufwändig und vielfältig die preußische Epoche. Eine besondere Rolle als Chronist ist dabei dem Maler Engelbert Seibertz vorbehalten. Über den Ersten Weltkrieg (Motto: „Im Sauerland geboren, in Frankreich gestorben“), Weimarer Repu­blik (mit Wahlomat als besonderem Clou), Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg spannt sich der Bogen bis in die Neuzeit.

Hierfür dient der „letzte“ Ausstellungsraum künftig als Fotografie-Museum, mit riesiger Panoramawand zu zahlreichen Themen.