„Wir sind die Besten in ganz Deutschland“

Bei der Siegerehrung: Das Team der Caritas-Werkstätten Arnsbergmit Trainer ­Elmar Bertram (vorne) und Betreuerin Andrea Alex.  Für Arnsberg am Ball waren in Berlin Stefan Schau (Torwart), Alexsej Keller, Raffael Kanzelista, Matthias Klauke, Wassili Mezker, Daniel Möller und Alexander Kolb..
Bei der Siegerehrung: Das Team der Caritas-Werkstätten Arnsbergmit Trainer ­Elmar Bertram (vorne) und Betreuerin Andrea Alex. Für Arnsberg am Ball waren in Berlin Stefan Schau (Torwart), Alexsej Keller, Raffael Kanzelista, Matthias Klauke, Wassili Mezker, Daniel Möller und Alexander Kolb..
Foto: WP

Arnsberg/Meschede/Berlin..  „Berlin, Berlin – wir fahren nach Berlin!“ Die Kicker der Caritas-Werk­stätten Arnsberg waren kürzlich dort; und kehrten als Deutscher Meister ins Sauerland zurück: Auf dem Gelände der Europä­ischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) am Werbellinsee nahe der Bundeshauptstadt gewann das Team sou­verän den 15. „Seni Cup“ – ein Fußballturnier für Menschen mit ­geistiger Beeinträchtigung.

Doch damit nicht genug: Mit dem Turniersieg hat sich das heimische Team auch die Teilnahme an der Europameisterschaft gesichert, die vom 30. Juni bis 4. Juli im polnischen Torun ausgetragen wird, dem Stammsitz des Turnier-Sponsors „Seni“. Dort geht es dann gegen 15 Mannschaften aus ganz Europa um den kontinentalen Titel 2015.

Ganz egal, wie sich die Caritas­Kicker dort schlagen, sie schweben bereits jetzt im „siebten Fußball­himmel“: „Wir sind die Besten in ganz Deutschland“, stellt Elmar Bertram sachlich fest, „das kann uns keiner nehmen.“

Der Trainer ist mächtig stolz auf seine Schützlinge, und das zurecht: Fünf Siege in fünf Spielen, ein Torverhältnis von 47:6, nach anfänglicher Nervosität wurde sein Team immer selbstbewusster und holte sich am Ende überlegen den Titel.

„Wir haben den Ball laufen lassen und schnell kombiniert“, verrät Bertram, der die Truppe mit seinem „Co“ Thomas Christiani betreut, das Erfolgsrezept. Trainiert wird einmal wöchentlich auf dem Kunstrasen von Blau-Weiß Gierskämpen. „Die unterstützen uns vorbildlich“, dankt der Coach dem Verein in unmittelbarer Nachbarschaft der ­Caritas-Werkstätten im Alten Feld.

Elmar Bertram hat Jahrzehnte lang beim TuS Niedereimer Jugendfußballer ausgebildet; ist in Sachen Fußball bei den Werkstätten „Mann der ersten Stunde“: Seit 13 Jahren trainiert er die Mannschaft, die er einst mit gründete – und deren Zusammensetzung sich in den vergangenen Jahren natürlich veränderte.

Den nationalen Titel – gespielt wird auf dem Kleinfeld, zweimal 15 Minuten, mit Torwart plus vier Feldspielern – haben vier Arnsberger und drei Mescheder eingefahren. Einige kicken übrigens auch bei der ­„Torfabrik“, einem Team aus der Kreisstadt, das in einer Freizeitliga um Punkte spielt. „Drei der Jungs sind im ABZ Oeventrop beschäftigt, die haben uns toll verstärkt“, so Bertram. So toll, das es bei der vierten „Seni“-Teilnahme erstmals zum Platz an der Sonne gereicht hat.

Unter den Augen des Bundestrainers

Und das unter den Augen von Bundestrainer Jörg Dittwar. Der frühere Nürnberger Bundesligaspieler arbeitet auf Honorarbasis für den Verband – und baut derzeit ein komplett neues Nationalteam auf.

„Früher waren oft psychisch erkrankte Menschen am Ball“, erklärt Bertram, „die spielten teils höherklassig Fußball, ließen geistig Behinderten kaum Chancen. Doch seit einigen Jahren setzt man nur noch auf Menschen mit geistiger Beeinträchtigung.“ Eine Chance auch für die Caritas-Kicker: Zwei aus dem Team dürfen auf eine Einladung zum Sichtungstraining hoffen.

Vielleicht ist ja auch Wassili Mezker dabei? Der Arnsberger wurde in Berlin mit 28 „Buden“ Torschützenkönig und bester Turnierspieler.

Doch für die EM in Torun gilt: Der Star ist die Mannschaft – und das haben die „Glorreichen Sieben“ längst kapiert!