"Wir reden zu viel über Geld"
18.02.2010 | 17:00 Uhr 2010-02-18T17:00:00+0100Arnsberg. Pfarrer Alfred Hammer (56) aus Marsberg wird am morgigen Freitag in Meschede in das Amt des Superintendenten des Kirchenkreises Arnsberg eingeführt. Im Interview äußert er sich zu verkauften Gotteshäusern.
Wo steht die evangelische Kirche im Kirchenkreis Arnsberg derzeit?
Alfred Hammer: Wir haben viele tolle Mitarbeiter in den Gemeinden, die etwas tun. Da ist mir nicht bange. Der Kirchenkreis ist zudem relativ sicher. Wir haben mit 123 im Jahr 2009 eine geringe Austritts- und mit 87 eine gute Eintrittsquote. Der demografische Wandel macht allerdings auch um uns keinen Bogen. Dennoch glaube ich, dass die evangelische Kirche im Sauerland gut aufgestellt ist. Wir sind gut sichtbar.
In Müschede wird nun die Kirche verkauft. Ist das schon die schleichende Verabschiedung aus der Fläche?
Hammer: Wir verabschieden uns von Gebäuden, die wir nicht mehr finanzieren können. Die goldenen Jahre sind vorbei: Die Kirchensteuern brechen ein — bei uns im Kreis im Jahresdurchschnitt um 8 bis 9 Prozent. Unsere Gemeinde bleibt aber in Müschede und nutzt Räume der katholischen Kirche. Eine Kooperation wie diese ist das Modell für die Zukunft.
Sind weitere Verkäufe von Kirchen des Kreises geplant?
Hammer: Die Kirche in Brilon-Wald ist gerade erst verkauft worden, es stehen auch Pfarrhäuser auf dem Prüfstand. Eine dramatische Geschichte ist das für mich aber nicht. Wir reden viel zu viel über Geld und von Gebäuden. Gemeinde ist aber überall dort, wo Menschen sind, die etwas mit dem Glauben zu tun haben wollen. Wir werden mit unserer Arbeit in der Fläche weiterhin präsent bleiben.
Im Kirchenkreis gibt es derzeit noch 1,5 Pfarrerstellen über dem Soll. Wie sollen diese abgebaut werden?
Hammer: Das müssen wir so in die Wege leiten, dass die Gemeinden nicht darunter leiden. Im Auge behalten müssen wir aber, dass ab 2014 der große Bruch kommt, was den Nachwuchs angeht. Jetzt haben wir noch zu viele Anwärter, doch die Fakultäten sind schon leer. Zudem will auch bei uns niemand aufs Land.
Sie werden ein Büro in Arnsberg haben. Behalten sie den Kontakt zur Basis?
Hammer: Auf jeden Fall. Ich werde Gemeindepfarrer in Marsberg bleiben. Ich komme aus der Gemeinde und bleibe in der Gemeinde. Ihr gilt meine Unterstützung.
Mit Superintendenten Alfred Hammer sprach WP-Redaktionsleiter Martin Haselhorst

0mitdiskutieren