„Wir löschen ja nicht nur Brände“

Mahmut Celik neben dem Internetauftritt der Arnsberger Jugendfeuerwehr.
Mahmut Celik neben dem Internetauftritt der Arnsberger Jugendfeuerwehr.
Foto: WP

Arnsberg..  „Bu kisi sizinle ilgilenecek!“ Das heißt auf Türkisch „Diese Person wird sich um Sie ­kümmern“. Zu lesen im Einsatz-Wörterbuch der Feuerwehr der Stadt Arnsberg. Mahmut Celik geht dieser Satz in beiden Sprachen leicht über die Lippen, und er ist eine Person, die sich kümmert – als aktives Mitglied im Löschzug Neheim. „Wir löschen ja nicht nur Brände“, schwärmt er beim Besuch in der Reaktion von seinem Ehrenamt. Wer ihm zuhört, mag gar nicht glauben, dass die Integration von „Menschen mit Migrationshintergrund“ in die Freiwilligen Feuerwehren ein schwieriges Unterfangen ist. In Arnsberg wird dafür seit Jahren eine Menge getan (wie berichtet) – mit Erfolg, dafür ist Feuerwehranwärter Celik so etwas wie ein „Paradebeispiel“.

Beförderung steht im März an

„Im März werde ich zum Feuerwehrmann befördert“, berichtet der 19-Jährige, der schon im Alter von Zwölf der Jugendfeuerwehr beitrat. Probleme gab es dabei für den gebürtigen Arnsberger, dessen Familie „türkische Wurzeln“ hat, keine – im Gegenteil: „Mein Vater und meine Mutter waren von Anfang an dafür“, erzählt Mahmut. Und als Freunde ihn zwei Jahre später zum Fußball beim SC Neheim „lockten“, ermutigten die Eltern ihn ausdrücklich, bei den „Blauröcken“ weiter zu machen.

Doch der damals 14-Jährige entschied sich für das runde Leder – die Mitgliedschaft in der Jugendfeuerwehr ruhte. „Aber immer dem Ball hinterher rennen, das war es dann doch nicht“, kehrte der junge Neheimer drei Jahre später zum löschenden Nachwuchs zurück.

Inzwischen in den aktiven Dienst gewechselt, blickt er begeistert auf „die sehr schöne Zeit“ in der Nachwuchsabteilung zurück. „Jetzt ist es weniger spielerisch – aber großen Spaß macht es immer noch“, so Celik, der die wöchentlichen Übungsabende gemeinsam mit drei guten Freunden besucht – eine Art „Gruppenzwang“, denn so kommt keiner auf die Idee, mal zu schwänzen... Obwohl – von Zwang kann keine Rede sein: „Wie gesagt, wir löschen ja nicht nur Brände“, beschreibt er sein Ehrenamt als „vielfältig und interessant“.

Hoher Stellenwert

Und genau das will er seinen Mitbürgern vermitteln – egal, ob mit oder ohne Migrationshintergrund.

„Der Stellenwert der Feuerwehr ist in Reihen der türkischstämmigen Arnsberger hoch“, hat Mahmut Celik erlebt, „die wissen, wir geben unser Bestes, um zu helfen.“ Aber um selbst aktiv mitzumachen, wissen die meisten viel zu wenig. „Wir müssen ihnen darum zeigen, was sich hinter dem Begriff Frei­willige Feuerwehr alles verbirgt“.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet der 19-Jährige im von Feuerwehr-Pressesprecher Peter Krämer geleiteten „Arbeitskreis Integration“ der heimischen Blau­röcke mit.

Dort wurde unter anderem das anfangs erwähnte Einsatz-Wörterbuch entwickelt, denn vieles läuft über die Sprache.

Und weil das so ist, haben Mahmut und seine Kameraden erst kürzlich eine weitere Idee umgesetzt: ein Dolmetscherteam, bestehend aus sechs Übersetzern.

„Die gehören alle zur Arnsberger Feuerwehr und sprechen teils mehrere Fremdsprachen“, schildert der Neheimer, „und sie sind häufig auch bei Rettungseinsätzen direkt vor Ort dabei.“

Erst kürzlich hat Mahmut Celik selbst erlebt, wie wichtig „Ansprache in der passenden Sprache“ sein kann – beim Zimmerbrand in der Werler Straße. „Da waren einige türkische Mitbürger in Sorge; um ihre Nachbarn und ihre Wohnungen“, berichtet der 19-Jährige, „ich habe ihnen dann auf Türkisch alles erklärt und konnte sie beruhigen...“ Wie erwähnt – er ist halt eine ­Person, die sich kümmert!