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Wer denkt, gibt Nazis keine Chance

07.02.2012 | 16:00 Uhr
Wer denkt, gibt Nazis keine Chance
Schauspieler der „Hannoverschen Kammerspiele“ lasen die „Eichmann-Protokolle“.

Arnsberg.  Die Lesung der „Eichmann-Protokolle“ durch professionelle Schauspieler der „Hannerverschen Kammerspiele“ in der Kulturschmiede als Unterricht der etwas anderen Art für alle Geschichtskurse der Oberstufe des Laurentianums ist bei den Schülerinnen und Schülern gut angekommen.

Die Lesung der „Eichmann-Protokolle“ durch professionelle Schauspieler der „Hannerverschen Kammerspiele“ in der Kulturschmiede als Unterricht der etwas anderen Art für alle Geschichtskurse der Oberstufe des Laurentianums ist bei den Schülerinnen und Schülern gut angekommen.

„Es war sehr überzeugend“, fasst Dustin Kunst seinen ganz persönlichen Eindruck dieser ungewöhnlichen Unterrichtsform zusammen. Zum einen, weil man habe erkennen könne, wie intensiv sich die Schauspieler mit dieser Thematik auseinandergesetzt und dies auch den Schülern vermittelt hätten. Zum anderen, findet der 18-jährige Schüler der Jahrgangsstufe 12, weil diese Form der Weitergabe einen unverstellten Blick auf Gedankenwelt und Argumentationsweise eines Nazi-Täters erlaubt habe.

Was auch Fabian Löher (18) so sieht. „Diese Methode der Vermittlung von Lerninhalten ist eine gute Abwechslung zum herkömmlichen Unterricht. Zudem wird so die Sensibilität für das Thema erhöht.“ Für ihn selbst, sagt der angehende Abiturient, sei durch die szenische Lesung die ganze Schizophrenie totalitärer Regime deutlich geworden: „Jegliche persönliche Verantwortung und Schuld wird auf die Befehlspyramide geschoben. Diese Argumentation ist doch absurd, denn auch das kleinste Rädchen hat zum Funktionieren des Systems beigetragen.“

Banalität des Bösen

Dustin Kunst gar hat in der Kulturschmiede das erkannt, wovon sein Geschichtslehrer bereits im Unterricht gesprochen habe - die Banalität des Bösen. „Eichmann hat nur seine Aufstiegschancen gesehen und zu deren Verwirklichung Verbrechen begangen.“ Opportunismus also in seiner schlimmsten Form.

Doch auch dieser szenische Einstieg in die Gedankenwelt des Cheforganisators der europäischen Judenvernichtung lasse nicht verstehen, findet Fabian Löher, „warum ein Mensch überhaupt zu einem Massenmörder werden kann“. Aus Karrieregründen? Aus Überzeugung? „Das sind wohl sehr komplizierte psychologische Prozesse.“

Auf jeden Fall aber habe sich für ihn, sagt Dustin Kunst, der Eindruck von der Brutalität des NS-Regimes nun noch deutlich verstärkt. „Das haben auch viele meiner Mitschüler so empfunden, denn wir haben nach der Veranstaltung noch untereinander darüber diskutiert.“

„Extremismus verhindert“

Und was bleibt den Schülern von der Lesung der Eichmann-Protokolle? „Dass Extremismus jeglicher Form verhindert werden muss. Deshalb“, so Fabian Löher, „ist es wichtig, dass sich unsere Gesellschaft mit dieser Problematik befasst. Was für den Linksextremismus ebenso gilt wir für den Rechtsextremismus. Denn dass beide Formen menschenverachtend sind, dass haben wir aus der Geschichte gelernt.“

Basis dafür sei aber, pflichtet Dustin Kunst bei, sich mit Politik auseinanderzusetzen, „sich dafür zu interessieren, damit man mitreden und Zusammenhänge erkennen kann“. So sei es für ihn selbstverständlich, im Freundes-und Bekanntenkreis politische Themen anzusprechen. „Da ist es mir auch egal, ob ich mich lächerlich mache.“ So könne er sich durchaus vorstellen, politisch aktiv zu werden. „Vielleicht als Helfer in einem Wahlkreis.“

Meinung ist wichtig

Diesen Weg hat Fabian Löher schon längst betreten. Seit seinem 14. Lebensjahr ist er Mitglied in der Jungen Union und mischt mit in der Lokalpolitik. Zum Beispiel im Bezirksausschuss Arnsberg. „Ich habe mich schon sehr früh für Politik interessiert und auch schnell die Richtung erkannt, die für mich in Frage kam.“

Und wie stehen die beiden 18-Jährigen zum Gedankengut der Neonazis? „Wer sich mit Politik beschäftigt, wird sich kritisch damit auseinandersetzen und schnell die richtigen Schlüsse ziehen. Aber wer keine eigene Meinung hat, kann ihnen umso leichter auf den Leim gehen,“ bezieht Dustin Kunst klare Position.

„Für mich“, sagt Fabian Löher, „sind das keine politischen Gegner, sondern Gegner der Demokratie, mit denen man nicht auf vernünftiger Ebene diskutieren kann.“ Und resistent gegenüber extremistischen Ideen sei der, der aus der Geschichte lerne und Interesse an Politik zeige.

Achim Gieseke

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