Von einem, der allein in den "Krieg" ziehen sollte
20.06.2007 | 09:21 Uhr 2007-06-20T09:21:38+0200Arnsberg. (gie) Es war Krieg. Nur: Niemand hat es gewusst. Der Amtsschimmel wiehert manchmal kräftig. Sogar mit siebenjähriger Verzögerung.
Neun Jahre hat er als Feldjäger der Bundeswehr brav seinen Dienst verrichtet. Zuletzt im Nato-Hauptquartier in Brüssel als Leibwächter des damaligen Vorsitzenden des Militärausschusses, des deutschen Generals Naumann. Dann war der letzte Tag auf dem Maßband von Stabsunteroffizier Torsten Willi Grossmann abgeschnitten und das Thema Bund beendet. Im Oktober 2000 - mit der Abgabe von Ausrüstung und Ausweispapieren. Wie für viele andere auch.
Doch der Arnsberger, der heute einen privaten Sicherheitsdienst betreibt, hatte sich noch nicht wieder als Zivilist akklimatisiert, als dem nunmehrigen Reservisten schon am 9. November 2000 eine Einberufung ins Haus flatterte. Inhalt: "Der Verteidigungsfall ist eingetreten. Rücken Sie sofort zu ihrem Truppenteil ein. Achten Sie auf Rundfunknachrichten." Und so weiter, und so weiter...
Großmann fiel aus allen Träumen. "Das konnte doch nicht sein. Schließlich habe ich immer das aktuelle Geschehen verfolgt. Und von einem Krieg habe ich da nun wirklich nichts gehört." Statt einzurücken, griff der Stabsunteroffizier der Reserve zum Telefon und rief die zuständige Instanz der Bundeswehrverwaltung an. Auch hier fiel man aus allen Wolken. "Ein peinliches Versehen. Das ist uns noch nie passiert." Man hatte Torsten Willi Hoffmann einen ausgefüllten Vordruck für den Kriegsfall zugesandt...
Was noch nicht alles war. Denn im dem Briefcouvert befanden sich alle erforderlichen Papiere. U.a. Truppendienst- und Feldjägerdienstausweis. "Ich hätte mir also eine Uniform besorgen und sofort als Feldjäger loslegen können." Doch statt Chaos anzurichten und allein in den Krieg zu ziehen, lieferte Grossmann alle Unterlagen brav wieder ab.
So weit, so gut.
Doch heute, fast sieben Jahre nach Großmanns Fast-Eintritt in den Einzelkrieg, gab es erneut Post von der Bundeswehrverwaltung. Am 13. Juni 2007. Kaum zu glauben der Inhalt:
"Sehr geehrter Herr Grossmann, mit dem Einberufungsbescheid vom 09. 11. 2000 wurden Sie für den Verteidigungsfall zu 6. /Feldjägerbataillon 731 beordert. Diesen Einberufungsbescheid widerrufe ich hiermit.... Wenn diese (Angaben) übereinstimmen, vernichten Sie bitte den Bescheid sowie das Merkblatt über die soziale Sicherheit...."
"Da hat man also nach sieben Jahren gemerkt, dass ich überhaupt nicht einberufen werden musste, weil kein Krieg ausgebrochen war", lacht Großmann. Und trägt es mit Humor.
Frei nach dem Soldaten Schwejk: Stell dir vor, es ist kein Krieg, und jeder geht hin.

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