Von alten Mühlen und Müllern

Ameckes Ortsheimatpfleger Burkhard Schulte-Illingheim (rechts) erklärt an der Amecker Mühle die sichtbaren Hinweise auf einen Mühlenbetrieb. Inka Schulte-Illingheim zeigt eine Computer-Animation, die Dario Thoss (links) zum Geschehen vor einigen Jahrhunderten am PC entworfen hat.
Ameckes Ortsheimatpfleger Burkhard Schulte-Illingheim (rechts) erklärt an der Amecker Mühle die sichtbaren Hinweise auf einen Mühlenbetrieb. Inka Schulte-Illingheim zeigt eine Computer-Animation, die Dario Thoss (links) zum Geschehen vor einigen Jahrhunderten am PC entworfen hat.
Foto: WP

Sundern..  Mit einer im wahrsten ­Sinne des Wortes kulturellen ­Wanderung begann die Jahreshauptversammlung des Kulturrings Sundern im Jubiläumsortsteil Amecke. Mit Ortsheimatpfleger Burkhard Schulte-Illingheim hatte Vorsitzender Werner Neuhaus einen guten Griff getan, denn neben den Mühlen im Sorpetal erfuhren die Teilnehmer viel über die Kultur in und um Amecke.

Interessanter Ort mitten im Dorf

Schon die erste Station mitten in Amecke kannten nur wenige der Mitglieder: Die Pegelstation, eine sogenannte Durchflussmessstelle, gibt alle zwei Stunden die Pegelstände des Sorpebaches an die Leitstelle der Gewässerwirtschaft des Ruhrverbandes in Essen weiter. „Und das kann man auch im Internet verfolgen“, erklärte Schulte-­Illingheim – und zwar auf www.ruhrverband.de/talsperren

Im nächsten Schritt informierte der Ortsheimatpfleger über die Energiewende mit Wasser: „Dafür gibt es viel zu wenig Wasserkraft. Angeblich könnten 60 Prozent des Bedarfes durch Wasser gedeckt werden, aber das ist nicht möglich, weil das ganze Jahr die Niederschläge nicht gleich sind und somit auch die Wasserstände.“ Am konkreten Beispiel von Haus Amecke zeigte Schulte-Illingheim, wo sich an der Scheune ein Wasserrad befunden hat: „Dort gewann man Energie, aber auch damals nur zu bestimmten Anlässen wie Futter zerkleinern oder zum Dreschen.“ Denn auch andere Mühlen im Sorpetal hatten Wasserrechte und mussten versorgt werden. Zu erkennen ist das Spundloch des ­Wasserrades heute etwas über dem Boden: „Das Gelände war früher hier viel niedriger“, berichtete Schulte-Illingheim und erinnerte an den Film „Das Geheimnis des Brinkhofs“ von 1929, der u.a. in Amecke gedreht wurde.

In einer Szene sitzt auf der alten Dresch- und Schrotmühle an „Haus Amecke“ der russische Schauspieler Alexander Wiruboff.

Die Sägemühle an der Allendorfer Straße wurde aus Zeitknappheit nicht besichtigt: „Sie sollte in den 1990er Jahren wieder aktiviert werden“, wusste Schulte-Illingheim, allerdings gab es neben der guten Fallhöhe vom Obergraben von 3,.50 Metern Probleme mit der geforderten ständig gleich bleibenden Zuleitung von Wasser, die heute in einem Aktivierungsverfahren gesichert sein muss.

Junger Historiker am PC

An der Amecker Mühle am südlichen Ende des Golfplatzes staunten die Besucher nicht schlecht, als ihnen der junge Dario Thoss eine Computer-Simulation des früheren Zustandes zeigte. 1347 war die Mühle schon erwähnt, sie hatte hohe Einnahmen und wurde bis 1600 in städtischer, also Allendorfer Hoheit betrieben.

Danach gehörte sie zu Amecke. Durch die Lage an der topographisch tiefsten Stelle der Stadt ­Allendorf konnte man dort viele Gewässer versammeln und zeitgleich auch mehrere Mühlräder betreiben. „Der Wirkungsgrad, auch durch einen nicht mehr vorhandenen Obergraben in den Allendorfer Erlen, war hoch“, berichtete der Hobbyhistoriker aus der wechselhaften Geschichte, die auch reich an gerichtlichen Vorgängen zwischen den einzelnen Müllern ist. Zeitgleich wurden drei Mahlwerke betrieben: „Allerdings wurden sie auch drei mal besteuert.“

Dank an Hobbyhistoriker

Dank ging zum Ende des aufschlussreichen Nachmittags vom Vorsitzenden Werner Neuhaus an Ortsheimatpfleger Burkhard Schulte-Illingheim und seine Helfer aus der Familie, die zahlreiche historische Vergrößerung alter Bilder zeigten und somit die Wanderung noch informativer machten.