Viel mehr als Kaffee und Gebet

Anna-Maria Mette (links) und Renate Hock vor der „Langen Tafel“ der kfd-Frauen aus Arnsberg. Beide setzen sich dafür ein, dass die kfd die größte Frauengemeinschaft in Deutschland bleibt.Foto:Krishan van der Kooi
Anna-Maria Mette (links) und Renate Hock vor der „Langen Tafel“ der kfd-Frauen aus Arnsberg. Beide setzen sich dafür ein, dass die kfd die größte Frauengemeinschaft in Deutschland bleibt.Foto:Krishan van der Kooi

Arnsberg..  Vor der Propsteikirche am Kloster Wedinghausen sitzen die Frauen des kfd-Bezirks Arnsberg am Samstagnachmittag an ihrer „langen Tafel“. Sie sind zusammengekommen, um den 100. Geburtstag des Diözesanverbandes Paderborn zu feiern. Es gibt Kaffee, kleine Häppchen und natürlich auch Kuchen. Soweit zum Klischee bedienenden Teil des Artikels, denn die Kaffeetafel ist einfach nur Beiwerk: Viele von den dargebotenen Köstlichkeiten bleiben unangetastet – zu viel Zeit geht für Diskussionen über die ganz großen Themen drauf: Sterbehilfe, Gleichberechtigung von Mann und Frau, und, und, und.

„Lobbyarbeit für Frauen“

„Kaffee trinkende Betschwestern gibt es bei uns nicht!", sagt Anna-Maria Mette, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Damit räumt sie mit einem veralteten Vorurteil gegen die Mitglieder des größten Frauenverbandes Deutschlands auf. Zu oft werde vergessen, dass die kfd nicht nur in Pastoralverbünden aktiv, sondern auch auf Bundesebene ein politischer Akteur ist, der bei Entscheidungsträgern Gehör findet. „Wir betreiben schlicht und einfach Lobbyarbeit für Frauen“, fasst ­Anna-Maria Mette die Stellung der kfd zusammen. Als Mitgliedsverband im Deutschen Frauenrat lenken sie regelmäßig in den Landesparlamenten und im Bund die Aufmerksamkeit der Abgeordneten auf Problembereiche, von denen vor allem Frauen betroffen sind.

„Alle gesellschaftlichen Fragen sind immer auch Frauenfragen. Da wissen wir gar nicht, bei welchen Themen wir anfangen sollen“, so Mette. Im Moment beschäftigt die kfd sich vor allem mit neuen Gesetzesvorhaben zur Sterbehilfe oder der Diskussion über die Stellung von Frauen, die als Erbringer haushaltsbezogener Dienstleistungen arbeiten. Denn sie sind oft unterbezahlt, nicht ordnungsgemäß angemeldet und somit schlecht abgesichert.

Wenn Mette sich an die rund 30 anwesenden Frauen wendet, dann klingt das auch nicht nach Kaffeeklatsch. Das ist vielmehr eine Anregung zum politischen Diskurs:

„Es ist großartig, was wir in den vergangenen 100 Jahren alles erreicht haben“, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende in Anspielung auf das Jubiläum des Diözesanverbandes Paderborn. „Was für unsere Töchter selbstverständlich ist, ist nicht in Stein gemeißelt. Das ist oftmals auch die Leistung von engagierten Frauen. Trotzdem stellen wir immer wieder fest, dass Gleichberechtigung noch immer nicht selbstverständlich ist.“

Mitgliederzahlen im Abwärtstrend

Umso wichtiger sei es, jetzt erst recht die Stimmen der Frauen an die Politiker heranzutragen. Da ist es problematisch, dass seit Jahren die Mitgliederzahlen der kfd sinken. „Der Trend geht klar ins Negative“, weiß Mette. Um dem entgegenzuwirken, startet die kfd nun mit einer groß angelegten Werbekampagne: „Wir sind in rund 5300 pfarrlichen Gruppen aktiv. Wenn da jede Gruppe auch nur ein neues Mitglied gewinnen kann, wäre das schon wünschenswert.“

Neben der Arbeit in Gemeinden will die kfd ihr Engagement mit speziell ausgewählten Werbebotschafterinnen stärker in die Öffentlichkeit tragen. In Kindertages­stätten sucht die kfd vor allem den Kontakt zu jungen Müttern.

Doch auch Männer können als Fördermitglieder die – mit rund einer halben Million Mitgliedern – größte Frauengemeinschaft Deutschlands unterstützen. Dafür sei extra die Satzung geändert worden, erklärt Anna-Maria Mette.

Im Lokalen jedoch bleibt die Stärke der kfd die Begegnung: „Menschen erreicht man nicht mit einer Flut an Flyern, sondern im persönlichen Gespräch und auf unseren Aktionstagen“, sagt Renate Hock, Sprecherin des kfd-Bezirks Arnsberg. So geht es etwa am 27. Juni mit rund 400 Frauen auf Wallfahrt nach Dortmund, mit großem Abschlussgottesdienst in der Nordkurve des Signal-Iduna-Parks. „Das kann sich dann schon sehen lassen“, schmunzelt Hock.