Veränderungen behutsam angehen

Arnsberg..  Den Spagat zwischen Tradition und Moderne meistern sie immer besser, die heimischen Schützen – ganz gleich, ob in ­Bruderschaften, Gesellschaften, Vereinen oder Gilden organisiert.

Diesen Eindruck vermittelte jedenfalls die gut zweistündige Diskussion mit Vertretern des Kreisschützenbundes Arnsberg und Vorständen einiger angeschlossener Vereinigungen, zu der unsere Zeitung ins Blaue Haus des Sauerland-Museums eingeladen hatte.

„Satzungsänderungen, Tradition und Innovation, Vorstands-Besetzung, abgewandelter Festablauf“ – die Themen dieser „Montagsrunde“ waren breit gestreut – und werden von den 57 dem KSB angehörenden Vereinigungen offensiv angegangen. Dabei ist es den Verantwortlichen jedoch wichtig, sich nicht verbiegen zu lassen.

190 Schützenfeste im Sauerland

„190 Schützenfeste gibt es im Sauerland – jeder feiert anders, und das ist auch gut so, von dieser Individualität leben wir“, fällt das Bekenntnis, sich nicht gleich machen lassen zu wollen, eindeutig aus. Wichtig auch mit Blick auf die Satzungen, die ebenso individuell gestaltet wurden – und künftig werden. Gemacht wird, was die Mitglieder mehrheitlich beschließen – der Vorstand der jeweiligen Schützenvereinigung macht lediglich Vorschläge; und setzt sie, wenn gewünscht, im Rahmen des gesetzlich Vorgeschriebenen um. Das gilt auch für die Rolle der Frauen, die von Ort zu Ort unterschiedlich interpretiert wird, sowie für die Eingliederung neuer Mitglieder mit nicht christlicher Konfession.

Keine Schnellschüsse

„Schnellschüsse wären dabei unklug“, macht Kreisoberst Dietrich-Wilhelm Dönneweg deutlich, dass der Grundsatz „Gut Ding will Weile haben“ zum Tragen kommen muss. „Die Bruderschaft ist das Dorf“, ergänzt Müschedes Oberst Raimund Sonntag – und bringt damit zum Ausdruck, dass Veränderungen auf breiter Basis stehen. Dass sie sich bewegen müssen, ist den Vorständen bewusst. „Wer unsere Grundwerte respektiert, ist uns willkommen“, reichen sie neuen Mitgliedern die Hand. Auf Bewährtes verzichtet wird deswegen aber keineswegs – „Glaube, Sitte Heimat“ haben bis heute nichts an Bedeutung verloren, jeder kann diesen Begriffen etwas abgewinnen. Auch junge Menschen, die zum Schützenfest in ihre Dörfer zurückkehren, um dort mit alten – und neuen – Bekannten zu feiern.

„Das Schützenfest ist das herausragende Fest des Dorfes“, legt Thomas Reiß die Messlatte hoch. Um diesem Anspruch gerecht werden zu können, gilt es, Angebot und Nachfrage ständig zu überprüfen – und wenn nötig, zu optimieren.

Während die großen Vereine dabei etwas entspannter agieren – „unser Fest läuft, keine Probleme“, meint beispielsweise Oeventrops Oberst Johannes Bette – sind die kleineren KSB-Mitglieder gefordert. So haben zum Beispiel die Breitenbrucher ihr am Pfingstwochenende stattfindendes Fest im Ablauf verändert (wie berichtet).

Große Aufgaben, die große Verantwortung nach sich ziehen, die wiederum auf wenigen Schultern ruht. Doch um die zukünftige Besetzung von Vorstandsämtern machen sich die „Montagsrundler“ keine Sorgen. Verstärkt werden dabei nämlich auch junge Schützen in die Verantwortung genommen: „Sie möchten Verantwortung übernehmen – und sie können es“.

Einer, der es kann, ist Domenic Troilo, Presseoffizier der Neuenrader Schützengesellschaft, die zum KSB Arnsberg gehört und weit über 2000 Mitglieder zählt. „Wir müssen Veränderungen gut verkaufen – und dürfen dabei nicht vergessen, wo wir herkommen“, fand er ein passendes Schlusswort.