US-Fliegerbombe entschärft - Anwohner evakuiert
15.05.2009 | 16:29 Uhr 2009-05-15T16:29:00+0200
Arnsberg. Spannungsgeladene Stille am Freitag über Muffrika. In der Baugrube für einen Entwässerungskanal in der Tiergartenstraße liegt eine Bombe. Baggerführer Thorsten Haß (41) hatte sie tags zuvor entdeckt.
Er und Kollegen der Firma Sauer & Sommer aus Wennemen, der Stadtverwaltung und der Kampfmittelbeseitigung der Bezirksregierung Arnsberg aus Hagen sind am Freitag gegen 9 Uhr an der Fundstelle, nur wenige Meter von Häusern und Hauseingängen entfernt. Besorgte Anwohner erkundigen sich nach dem Stand der Dinge. Gegen 11.05 steht fest: Es handelt sich um eine 250 Kilogramm schwere amerikanische Fliegerbombe, von denen 1945 bei Angriffen auf den Viadukt viele abgeworfen worden waren. 64 Jahre später holt die Vergangenheit Arnsberg abermals ein, denn noch immer ruhen Bomben unheilvoll im Boden.
Das Viertel wird großräumig zwischen Ruhr und „Unterm Römberge” abgesperrt. Anwohner werden aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, ältere und teils bettlägerigeMenschen werden mit Krankentransportern zum Feuerwehrhaus an der Ruhrstraße gebracht. Dort hat man für sie eine Notunterkunft eingerichtet. Im Einsatz auch Feuerwehrärztin Marion Wiegelmann. Andere Anwohner versammeln sich im ehemaligen Jägerhaus. Dorthin ist auch Bürgermeister Hans-Josef Vogel gekommen, der mit ihnen über die Lage spricht. Wohl an die 180 Frauen und Männer warten neben vielen Passanten auf die Entschärfung der Bombe.
Gegen 13 Uhr meldet Karl-Friedrich Schröder, Truppführer der Kampfmittelbeseitigung, telefonisch an den Leiter des städtischen Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, Ulrich Betkerowitz und an den Chef der Arnsberger Feuerwehr, Peter Glaremin: Es ist gelungen, den Zünder aus dem Heck der Bombe herauszudrehen. „Ein vergammeltes Ding, wie er später sagt. Die Gefahr ist gebannt. Wäre die Bombe explodiert, hätte sie wohl einen Krater von 10 bis 15 Metern im Durchmesser aufgerissen.
Zunächst dürfen Medienvertreter zur Fundstelle, um Fotos oder Filmaufnahmen anzufertigen und den Experten Fragen zu stellen. Danach wird die Absperrung aufgehoben, die Anwohner dürfen in ihre Häuser zurückkehren.
Baggerführer Thorsten Haß hievt die Bombe auf einen Lkw. Sie wird erst nach Hagen gebracht, später nach Ringelstein bei Büren/Kreis Paderborn, wo sie abgewrackt werden soll: Sprengstoff raus, das Metall wird verschrottet.
Am 19. März 1945 hatten alliierte Fliegerverbände auf den Viadukt in Arnsberg nach etlichen Angriffen zuvor einen regelrechten Bombenhagel niedergehen lassen, weil sie die Eisenbahnlinie, über die der deutsche Nachschub zur Ostfront lief, zerstören wollten - was an diesem Tag schließlich gelang. Muffrika wurde verwüstet. Nach dem Krieg wurden dort immer wieder Blindgänger gefunden und entschärft, der bis dahin letzte im August 1985.

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